Turkish Airlines erwartet für 2026 ein weitgehend stagnierendes Kapazitätswachstum. Der Nahostkonflikt habe die Wachstumspläne der türkischen Fluggesellschaft vorerst gestoppt, sagte Verwaltungsratschef Murat Seker am Rande der IATA-Jahrestagung in Rio de Janeiro dem Fachportal "CH-Aviation".
Die Fluggesellschaft habe rund sechs Prozent ihrer Kapazitäten in den von dem Konflikt betroffenen Regionen gestrichen, hieß es weiter. Für das laufende Jahr rechnet Seker daher entweder mit einer Stagnation oder einem Wachstum von ein bis zwei Prozent. Ab 2027 soll die Airline wieder zum geplanten jährlichen Kapazitätsaufbau von sieben bis acht Prozent zurückkehren – so die bisherige Strategie bis 2028. Für die Jahre danach sei ein jährliches Wachstum von fünf bis sechs Prozent vorgesehen.
Trotz der Einschnitte hatte Turkish Airlines im März und April deutliche Ertragsgewinne erzielt. Die Fluggesellschaft habe kurzfristig stark steigende Nachfrage von Reisenden aufgenommen, die die Golfhubs nicht mehr nutzen konnten. Die frei gewordenen Kapazitäten seien produktiv umgeleitet worden: Die Flüge nach Fernost hätten um rund 20 Prozent zugelegt, nach Afrika um fünf bis sieben Prozent und nach Europa um vier bis fünf Prozent – jeweils gegenüber dem ursprünglichen Plan.
Die durchschnittlichen Erlöse pro Sitzplatz seien in diesen zwei Monaten um mehr als zehn Prozent gestiegen, sagte Seker. Ob der Nachfragezuwachs dauerhaft anhalte, sei noch offen. Falls die zusätzliche Nachfrage aus Afrika, Fernost und dem GUS-Raum bis 2027 stabil bleibe, sehe er gute Chancen, dauerhaft Marktanteile zu gewinnen.
Flotte wächst planmäßig
An der Flottenentwicklung hält Turkish Airlines fest. Bis 2033 soll die Flotte auf rund 600 Maschinen anwachsen. Hinzu kämen 150 bis 200 Schmalrumpfflugzeuge der neuen Generation für die Tochtergesellschaft Ajet. Derzeit betreibt die Muttergesellschaft 457 Passagierflugzeuge, darunter 63, die noch für Ajet eingesetzt werden. Die eigene Ajet-Flotte umfasst 57 Maschinen.
Das Wachstum stützt sich auf ein umfangreiches Auftragsbuch: 186 Airbus A321 Neo, 56 Airbus A350-900, 15 Airbus A350-1000 (erste Lieferung Juli 2027), 38 Boeing 787-9, 15 Boeing 787-10 (ab 2030) sowie fünf Airbus A350F.
Noch nicht abgeschlossen ist ein Auftrag über rund 100 Boeing 737 Max. Die Verhandlungen liefen noch, berichtete airliners.de bereits im September 2025 – die Wahl des Triebwerks sei der offene Punkt. Zudem prüft die Airline den Einstieg in den Regionaljet-Markt, ohne dass bisher eine Entscheidung gefallen sei.
Leasingstrategie und Beteiligungen
Neben den Direktbestellungen bei Herstellern setzt Turkish Airlines auf Dry-Lease-Verträge – überwiegend für Ajet, teils für die Muttergesellschaft. Bestehende Verträge liefen größtenteils bis Ende 2027. Danach bestehe keine Eile, neue Verträge abzuschließen, da das Angebot an Leasingflugzeugen groß sei, erklärte Seker. Mittelfristig strebe die Gruppe ein Verhältnis von 70 Prozent eigenen zu 30 Prozent geleasten Maschinen an.
Auf Beteiligungsebene erwartet Seker die abschließende Genehmigung der Europäischen Kommission für den geplanten Einstieg bei Air Europa – 20 Prozent der Anteile sollen übernommen werden – bis September. Die Beteiligung solle den Zugang zum Amerika-Netzwerk der spanischen Fluggesellschaft verbessern, den Turkish Airlines mit eigenen Kapazitäten nicht vollständig abdecken könne.
Für Ultra-Langstrecken – unter anderem nach Australien und in die Amerikas – sollen die künftigen Airbus A350-1000 eingesetzt werden. Weitere Beteiligungen und Kooperationen schließt Seker nicht aus, bevorzuge aber Joint Ventures mit mittelgroßen bis großen Partnerfluggesellschaften gegenüber vollständigen Übernahmen.