Die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG) prüft für den Flughafen Dresden den Bau eines neuen, kleineren Terminals. Das berichtete die "Leipziger Volkszeitung" gemeinsam mit der "Sächsischen Zeitung". Auch am Flughafen Leipzig/Halle plant das Unternehmen Einschnitte bei Abläufen und Infrastruktur.
Nach Unternehmensangaben wurde den Beschäftigten eine Konzeptstudie vorgestellt, die mögliche Entwicklungsrichtungen für beide Standorte aufzeigt. Entscheidungen über einen Terminalneubau oder andere konkrete Infrastrukturmaßnahmen seien bislang nicht gefallen.
MFAG-Chef Götz Ahmelmann stellte die neuen Betriebskonzepte auf Belegschaftsversammlungen in beiden Städten vor. Er sagte laut Teilnehmern: "Wir haben in den vergangenen zwei Jahren vieles hinterfragt, manches beendet und vieles verändert. Jetzt beginnt die Phase, in der wir die Flughäfen von morgen bauen."
Für Dresden prüft die MFAG demnach ein neues Terminal mit einer Kapazität von rund einer Million Passagieren. Das Gebäude könnte neben dem bestehenden Terminal entstehen. Die Neubaukosten schätzt das Unternehmen intern auf 50 bis 60 Millionen Euro. Die jährlichen Betriebskosten könnten im Vergleich zum heutigen Betrieb um rund sieben Millionen Euro sinken. Damit würde sich die Investition rechnerisch nach etwa sieben bis neun Jahren amortisieren.
Das heutige Terminal wurde für rund vier Millionen Passagiere jährlich errichtet. Diese Zahl erreichte der Flughafen jedoch nie. Im stärksten Jahr verzeichnete Dresden rund 1,8 Millionen Fluggäste, im vergangenen Jahr waren es 886.578. Erst 2025 erzielten die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn.
Auf der Belegschaftsversammlung zeigte der Vorstand laut Teilnehmern eine erste Visualisierung: ein flaches Gebäude mit Glasfront, kompakter als das bestehende Terminal, aber mit allen für den Flugbetrieb notwendigen Anlagen – vom Check-in über Sicherheitskontrolle, Duty-Free-Shop und Gepäckausgabe bis hin zu Sanitäranlagen. Das neue Betriebsmodell sieht Stellplätze für sechs bis sieben Flugzeuge vor, die direkt vor dem Gebäude parken. Passagiere würden dann zu Fuß einsteigen. Fluggastbrücken könnten entfallen.
Ahmelmann sagte laut Teilnehmern: "Die Zukunft des Flughafens Dresden entscheidet sich nicht an der Größe des Terminals, sondern an seiner Wettbewerbsfähigkeit."
Eine MFAG-Sprecherin erklärte gegenüber beider Zeitungen, man prüfe verschiedene Optionen, wie die Terminalinfrastruktur in Dresden langfristig wirtschaftlich und bedarfsgerecht aufgestellt werden könne. Dazu gehörten sowohl Umbau- als auch Neubauvarianten. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Offen sind laut Unternehmen Finanzierung, Genehmigungen und Realisierung. Eine Eröffnung bis Ende dieses Jahrzehnts wäre dem Vernehmen nach denkbar. Sachsen und Sachsen-Anhalt haben vereinbart, dass beide Airports bis 2030 ohne Landesmittel auskommen sollen.
Leipzig/Halle: Gepäck künftig näher am Gate
Zudem prüft die MFAG am Flughafen Leipzig/Halle, die Gepäckprozesse einfacher und günstiger zu gestalten.
Im Fokus steht die bestehende Gepäckförderanlage, die als groß, technisch komplex und wartungsintensiv gilt. Der Flughafenbetreiber erwägt, den Check-in aus der zentralen Mall näher in das Abflugterminal zu verlagern. Fluggastbrücken an den Terminalpositionen könnten nach Insiderangaben ebenfalls zurückgebaut werden.
Beide Airports verfolgen zudem das Ziel, die Luftsicherheitskontrollen künftig selbst zu organisieren. Bisher liegen diese in der Verantwortung der Bundespolizei und ihrer Dienstleister. Die MFAG erhofft sich davon niedrigere Kosten – und damit höhere Attraktivität für Airlines.
Rückendeckung aus der Politik
Sachsens Finanzminister Christian Piwarz (CDU) unterstützte die Überlegungen des Flughafenbetreibers. Es sei richtig, auch ein kleineres und effizienteres Terminal sorgfältig zu prüfen. "Wenn dieser Weg dazu beiträgt, die Kosten deutlich zu senken und den Flughafenbetrieb wirtschaftlich zu stabilisieren, ist das ein Beitrag für eine gute Zukunft des Standorts", sagte er.
Auch die Dresdner CDU-Stadtratsfraktion begrüßte die Prüfung eines möglichen neuen Terminals. Wichtig sei dabei, dass die Flugverbindungen zu den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München erhalten blieben.