Lufthansa-Chef fordert offensivere Umwelt-Kommunikation

Lufthansa-CEO Carsten Spohr kritisiert die defensive Umweltkommunikation der Branche. Von der Politik fordert Spohr bessere Rahmenbedingungen. Aber auch die Kunden sollen helfen, die Klimaauswirkungen ihrer Flüge zu reduzieren.

Lufthansa-CEO Carsten Spohr spricht auf der Iata "2019 Wings of Change Europe"-Veranstaltung in Berlin. © Iata

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat die Kommunikation der Luftfahrtbranche in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit kritisiert. "Wir sind in der Diskussion zu defensiv", sagte Spohr auf dem Iata-Kongress "Wings of Change" in Berlin.

Die Umwelt-Reputation der Branche müsse offensiver kommuniziert werden, so Spohr: "Wir sprechen immer nur über die Probleme. Wir sollten uns aber nicht schämen, sondern mit Selbstbewusstsein agieren."

Für Airlines sei es alltäglich, so effizient wie möglich zu operieren, schon allein, weil rund ein Viertel der Kosten auf Kerosin entfallen würden, so der Lufthansa-CEO. Es gebe viele andere Branchen, die in Sachen Effizienzsteigerung weit weniger geleistet hätten und trotzdem in der Allgemeinheit in Sachen Klimaschutz besser beurteilt würden.

"50 Prozent Reduktion der CO2 Emissionen bis 2050 sind ein großes Ziel für die Luftfahrt, aber wir sollten nicht 30 Jahre warten.", sagte Spohr, der auch im Iata-Vorstand sitzt, den Deligierten aus aller Welt: "Die Menschen erwarten schon heute Taten."

Daher müssten Fluggesellschaften weiter an ihrer Effizienz arbeiten, so Spohr. Wichtig seien dafür aber auch Rahmenbedingungen wie eine effizientere Organisation von Flugsicherung, die Entwicklung neuer Technologien für Flugzeuge sowie synthetische Treibstoffe und die möglichst breite Umsetzung von Corsia.

Umwelt-Diskussion hat Branche kalt erwischt

In der Tat wurde die Branche von der Wucht der Klimadiskussion mehr oder weniger kalt erwischt. Weltweit kam das Thema vor ungefähr einem Jahr auf die Top-Agenda, in Europa nahm die Klimadiskussion mit dem EU-Wahlkampf im Frühjahr deutlich an Fahrt auf.

Zwar gibt es bereits seit etlichen Jahren internationale Beschlüsse auf Icao-Ebene, die Klimawirkung das Wachstum im Luftverkehr klimaneutral zu gestalten, nur dringt die Branche damit nicht bis in die Öffentlichkeit durch. Immer mehr Beobachter fordern zudem eine "Net-Zero"-Strategie.

Nur fehlt es dafür noch an technischen Alternativen, was die Branche vor ein Dilemma stellt. Iata-Präsident Alexandre de Juniac fasste die Sorge der Branche für zum Auftakt der Veranstaltung in Berlin so zusammen: "Die Luftfahrt ist nicht der Feind, die Klimagase sind es." Es sei der Kohlenstoff, dem der Kampf der Regierungen weltweit gelten sollte, nicht die Luftfahrt an sich.

Konkreter wurde Norwegian-Chef Björn Kjos. Umweltsteuern sollten nicht - wie etwa bei der Luftverkehrsteuer - nach Passagieren berechnet werden, sondern nach dem CO2-Ausstoß. Aktuell würde quasi "der Typ im Privatjet" übervorteilt, während effiziente Airlines benachteiligt würden. "Wer umweltschonend fliegen will, muss das mit möglichst vollen Flugzeugen tun", so Kjos.

© Air France, Lesen Sie auch: Verbotspläne für Privatjets mischen Business Aviation auf

Auch der neue Air-France-Chef Benjamin Smith zeigte sich enttäuscht von den Regulierungen in Sachen Luftverkehr und Klima. Die neue Luftverkehrsteuer in Frankreich sei unfair, weil die Gelder in den Ausbau von Bahn und Straße laufen. Das Geld sollte besser in Projekte investiert werden, die helfen, dass die Luftfahrt umweltfreundlich wird.

Aus dem selben Grund ernüchtert zeigte sich auch Spohr. Die Milliarden aus der deutschen Klimaabgabe müssten in die Erforschung von Umwelttechnologien für die Luftfahrt investiert werden. Es gebe viele Projekte, etwa synthetisches Kerosin oder auch die Entwicklung komplett neuer Flugzeuge.

Nur wenige Passagiere kompensieren

Aber der Lufthansa-Chef sieht auch die Passagiere in der Pflicht. Schon heute sei es für die Kunden möglich, synthetisches Kerosin für Lufthansa-Flüge zu nutzen. Auch könnten die Kunden seit kurzem einfach im Buchungsprozess ihre Emissionen kompensieren.

Die neuen Möglichkeiten müssten sich aber noch durchsetzen, räumte Spohr ein. Aktuell würden nur wenige Reisende diese Optionen nutzen. Gleichzeitig gehöre es ebenso zur Realität, dass viele Kunden schon aufgrund weniger Euro Preisdifferenz zur Billig-Konkurrenz wechseln würden.

Einen Schritt weiter geht dabei nun ausgerechnet das Nicht-Iata-Mitglied Easyjet. Zeitgleich zur Konferenz der Netzwerkairlines teilte die Airline in Berlin mit, künftig sämtliche Emissionen für alle Tickets zu kompensieren und die Kosten dafür in die Preise einzurechnen.

Von: dh

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