Das Kabinenpersonal der Lufthansa ist am Freitag in den Streik getreten und hat damit zum Ende der Osterreisewelle Zehntausende Passagiere getroffen. Die Kabinengewerkschaft Ufo rief die rund 20.000 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter der Kernmarke Lufthansa und der Regionaltochter Lufthansa Cityline ab Mitternacht zum Ausstand auf. Der Arbeitskampf gilt bis 22:00 Uhr.
Am Frankfurter Flughafen wurden 580 von rund 1350 geplanten Starts und Landungen gestrichen, wie der Betreiber Fraport mitteilte. Der Großteil der Streichungen entfällt auf Lufthansa; bei der Kernmarke fallen laut Flugplan 75 Prozent der geplanten Abflüge aus. Rund 72.000 Passagiere sind allein in Frankfurt betroffen. Auch an anderen deutschen Airports fielen Dutzende Lufthansa-Flüge aus.
Offiziell bestreikt werden die Abflüge von den Drehkreuzen Frankfurt und München sowie alle Cityline-Starts. Da bestreikte Maschinen an ausländischen Zielen fehlen, dürften auch zahlreiche Rückflüge von Osterurlaubern ausfallen. Andere Konzernairlines sollen nach Möglichkeit Zusatzflüge übernehmen.
Lufthansa weiter verhandlungsbereit
Es ist nach zwei Runden mit Pilotenstreiks bereits der dritte große Arbeitskampf bei Deutschlands größter Fluggesellschaft in diesem Jahr. Dem Streik waren ein Warnstreik sowie eine Urabstimmung vorausgegangen, bei der eine hohe Mehrheit der Beschäftigten für einen Ausstand votiert hatte.
Die Gewerkschaft monierte eine Blockadehaltung der Lufthansa. An der Spitze des Konzerns seien Personen, die man als "Hardliner" bezeichnen könne, sagte Jaeger. "Die sind fest entschlossen, uns nicht entgegenzukommen in irgendeiner Weise, die sie nicht für zwingend erforderlich halten."
Airline-Chef Ritter erklärte dazu, man habe konkrete und transparente Angebote gemacht, aber es leider noch nicht einmal geschafft, mit der Ufo in ernsthafte Gespräche einzusteigen. "Wir sind jederzeit bereit, um über die Herausforderungen der Lufthansa zu sprechen."
Der Manager betonte: "Regelungen aus der Vergangenheit werden uns nicht in die Zukunft tragen." Darüber müsse man mit der Gewerkschaft reden. "Dieser Streik wird nicht den Fortschritt befördern, sondern er wird Perspektiven verhindern." Zudem biete die Lufthansa ihrem Personal "schon heute mit die besten Bedingungen in der Branche in Deutschland und auch im Vergleich mit anderen europäischen Fluggesellschaften".
"Lufthansa muss sich irgendwie bewegen"
Im Zentrum des Tarifkonflikts stehen zwei Streitpunkte: der Manteltarif für die Flugbegleiter der Kernmarke sowie ein Sozialtarifvertrag für die rund 800 Beschäftigten der Lufthansa Cityline, deren Flugbetrieb im kommenden Jahr aufgelöst werden soll. Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger warf dem Unternehmen vor, massive Gegenforderungen in die Verhandlungen eingebracht zu haben – insbesondere solle die Zahl der möglichen monatlichen Arbeitsstunden deutlich angehoben werden. "Die Lufthansa muss sich jetzt irgendwie bewegen", sagte Jaeger am Frankfurter Flughafen.
Ufo-Chef Joachim Vázquez Bürger betonte, die Gewerkschaft habe die Osterfeiertage bewusst von Kampfmaßnahmen ausgenommen. "Dass es nun dennoch zu Beeinträchtigungen bei der Rückkehr aus den Ferien kommen kann, ist uns sehr bewusst und wir bedauern das ausdrücklich", erklärte er. Lufthansa bezeichnete den Ausstand als verantwortungslose Eskalation, die Passagiere hart treffe.
Betroffene Fluggäste können ihre Tickets umbuchen oder erstatten lassen.