Israel will die Sicherheitsüberprüfung von Piloten auf Flügen ins Land verschärfen. Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte am Mittwoch an, künftig die Identität aller Piloten zu erfassen, die Israel anfliegen, und sie zu überprüfen.
Anlass ist der Vorfall auf dem Flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv. Nach Angaben Netanjahus hatte einer der Piloten dort mit einem Messer auf seinen Kollegen eingestochen und offenbar versucht, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Nach Angaben Netanjahus haben die saudi-arabischen Behörden den Co-Piloten festgenommen und verhört.
Netanjahu habe die Behörden angewiesen, die Sicherheit auf Flügen nach Israel zu erhöhen, sagte Spielman. Das gelte für israelische wie für ausländische Fluggesellschaften. "Von jedem Piloten, der nach Israel fliegen wird, werden wir die Identität kennen, wissen, wer er ist, und eine Art Sicherheitsüberprüfung vornehmen", sagte er.
Israel habe bereits einige der strengsten Sicherheitskontrollen, diese würden nun noch schärfer, sagte Spielman. "Das ist eine Gelegenheit für alle aufzuwachen."
Überprüfung liegt bei Staaten und Airlines
Piloten durchlaufen vor allem seit den Anschlägen vom 11. September 2001 umfangreiche Sicherheitsüberprüfungen. "Jeder Pilot durchläuft umfangreiche Hintergrundprüfungen, aber auch fortlaufende medizinische und psychologische Untersuchungen", sagte Philip Baum, Gastprofessor für Luftsicherheit an der britischen Coventry University.
Die Standards dafür setzt die ICAO. Umgesetzt werden sie Experten zufolge von den einzelnen Staaten und Airlines, die dabei Spielraum bei der Auslegung haben. "Es liegt immer in der Verantwortung der Airline", sagte Eric Schouten, Leiter des Beratungsunternehmens Dyami, das auf Lagebilder für die Luftfahrt spezialisiert ist. Die Airline müsse nach nationalen Vorgaben prüfen, wer im Cockpit sitze, und jedes Land handhabe das anders.
Die Aufsicht über Flydubai liegt bei der Zivilluftfahrtbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate (GCAA). Die EASA erklärte, Zertifizierung und Sicherheitsaufsicht der Airline lägen bei der GCAA. Dazu gehöre auch die Verantwortung dafür, dass der Betreiber die Anforderungen an seine Flugbesatzungen und deren Flugtauglichkeit erfülle. Die GCAA ließ eine Reuters-Anfrage, wie ihre Piloten überprüft werden, zunächst unbeantwortet.
Israelische Sicherheitskreise gehen von Einzeltäter aus
Israelische Sicherheitskreise gehen nach einem Bericht des Fernsehsenders Kan von einem Einzeltäter aus. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Staat oder eine Terrororganisation hinter dem Vorfall stehe. Man gehe auch nicht davon aus, dass der Tatverdächtige geistig verwirrt sei. Ein Motiv ist bislang nicht bekannt.
Verteidigungsminister Israel Katz sprach vom "Versuch eines dschihadistischen Anschlags", der nur dank des Mutes israelischer Passagiere vereitelt worden sei. Nach vorläufigen Informationen habe der Angreifer nur ein Ziel gehabt, nämlich das Flugzeug zum Absturz zu bringen, erklärte Katz. Die staatliche Fluggesellschaft aus Dubai teilte dagegen mit, die Hintergründe seien weiterhin unbekannt, und warnte vor voreiligen Spekulationen.
Verletzter Kapitän entriegelte die Cockpittür
Den Ablauf im Cockpit schilderte Doron Spielman, Sprecher des Büros des Ministerpräsidenten. Nach seinen Angaben lag der verletzte Kapitän blutend am Boden und betätigte mit letzter Kraft die Entriegelung der Cockpittür. Daraufhin seien Passagiere, die bemerkt hätten, dass etwas vor sich gehe, nach vorn gestürmt und ins Cockpit gelangt. Der Angreifer habe über dem Bedienfeld gestanden und darauf eingeschlagen. Ein Passagier habe ihn schließlich überwältigt.
Nach Daten des Flugverfolgungsdienstes Flightradar24 war die Maschine in 34.000 Fuß Höhe in westlicher Richtung über Saudi-Arabien unterwegs, als sie binnen 30 Sekunden mehr als 14.000 Fuß an Höhe verlor. Nachdem eine im Flugzeug sitzende zweite Crew das Flugzeug übernommen hatte, drehte es nach Nordwesten ab, flog kurz in jordanischen Luftraum ein, kehrte nach Saudi-Arabien zurück und landete in Tabuk.
An Bord waren 172 Passagiere, davon 169 israelische Staatsbürger, wie Daniel Meron, Botschafter der Ständigen Vertretung Israels in Genf, sagte. Inzwischen sind die Passagiere wieder in Tel Aviv gelandet.