Keine Diskussion um Luftfahrtthemen kommt mehr ohne die entscheidende Frage herum, wie Fliegen umweltfreundlicher werden kann. Das Thema ist politisch und technologisch so beherrschend geworden, dass es Chefsache ist. Bei Boeing ist dieser Chief Sustainability Officer ein smarter Belgier, der Optimismus ausstrahlt. Und neben vielen schwierigen Themen auch ein "sexy" Projekt in seinem Bereich hat. Darüber sprach er im airliners.de-Interview auf der ILA in Berlin.
airliners.de: Was macht man als Chief Sustainability Officer bei Boeing?
Brian Moran: Es geht darum, durch interne und externe Partnerschaften Boeing und ihr Ökosystem an Beteiligten darin zu unterstützen, die bis Mitte des Jahrhunderts angestrebte Dekarbonisierung zu erreichen. Dafür bringen wir Technologie, Politik und Partner zusammen, um dabei zu helfen.
Wir haben einen Chefingenieur für Nachhaltigkeit, der an unseren Chief Technology Officer und an mich berichtet, wir koordinieren dann gemeinsam die Prioritäten. Eine davon ist, herauszufinden, welcher Energieträger kann sicher in das Flugzeug von morgen eingebaut werden. Und welche Prioritäten gelten in unseren verschiedenen Geschäftsfeldern, die dann durch Programme wie den "ecoDemonstrator" vorangebracht werden.
Ich bin seit sechs Monaten erst der zweite Chief Sustainability Officer (CSO). Zu einer Zeit, als wir durch die Max gerade extrem unter Druck standen bei Boeing, hat CEO Dave Calhoun realisiert, wie wichtig Nachhaltigkeit ist, und Chris Raymond im Oktober 2020 als ersten CSO ernannt.
Fliegen nachhaltiger zu machen ist ein mühsamer Prozess. Was können Sie in Ihrer Position erreichen?
Boeing hat nicht erst mit der Schaffung einer CSO-Stelle angefangen, sich um Nachhaltigkeit zu kümmern, das passiert bereits seit Jahrzehnten. Begonnen hat es mit der Förderung von Entwicklung und Nutzung nachhaltigen Flugtreibstoffs (SAF). Schon 2008 gab es den allerersten Flug damit in einer Boeing 747 von Virgin Atlantic, und kürzlich wieder bei Virgin mit dem ersten 100-prozentigen SAF-Transatlantikflug.
Dazwischen lagen viele Schritte – wir mussten SAF sicher machen und zertifizieren lassen, aber auch die Partnerschaften aufzubauen, um es in der ganzen Welt in größerem Stil produzieren zu lassen. Und gleichzeitig die Politik darüber informieren.