Dank Luftfracht schafft es Temu, täglich Millionen von Paketen von China nach Europa zu liefern. Auch in Deutschland erfreut sich der chinesische E-Commerce-Anbieter immer größerer Beliebtheit. Innerhalb eines Jahres hat sich das Angebot zu einer der beliebtesten Shopping-Apps entwickelt.
Temu verspricht unschlagbare Preise und versandkostenfreie Lieferung. Doch wie ist das möglich? Die SWR-Sendung "Plusminus" hat sich genauer mit Temu beschäftigt und herausgefunden, dass die Plattform geschickt Steuerlücken ausnutzt. Dadurch entgehen Deutschland und anderen EU-Staaten Millioneneinnahmen. Die Zoll- und Steuerbehörden sind machtlos.
Doch auch die deutschen Luftfrachtunternehmen bekommen kaum etwas ab vom Kuchen. Denn obwohl viele Päckchen und Pakete des chinesischen Online-Shops nach Deutschland gehen, fliegen die meisten Sendungen laut SWR nach Belgien – und zwar vor allem zum Fracht-Flughafen Liège, zu Deutsch: Lüttich.
Das liegt daran, dass in Lüttich die Voraussetzungen für den Frachtverkehr deutlich besser sind als an vielen deutschen Standorten, sagt Heiner Siegmund vom Cargo Forwarder Global. Lüttich biete eine 24-Stunden-Genehmigung, die zuletzt sogar bis 2040 verlängert wurde. Ohnehin sei die Wallonische Regierung sehr "Cargo-minded", weiß der Luftfrachtexperte. Die Stärkung des Frachtgeschäfts sei ein strategisches Anliegen der Region.
Eine Boeing-777-Frachtmaschine der Air China Cargo wird abgefertigt. © dpa / Thomas Frey
Der Flughafen "Aéroport de Liège" (LGG/EBLG) befindet sich rund zehn Kilometer westlich der belgischen Stadt Lüttich. Bis ins deutsche Aachen sind es Luftlinie kaum 50 Kilometer. Der Flughafen ist mittlerweile der größte Luftfracht-Umschlagplatz in Belgien und der fünftgrößte Frachtflughafen Europas – direkt nach Frankfurt, Paris, Amsterdam und Leipzig.
Dabei ist der Flughafen Lüttich eher ein Nachzügler, was das Frachtgeschäft angeht, erklärt Siegmund. Das Frachtgeschäft sei erst durch den wirtschaftlichen Strukturwandel in der belgischen Provinz Wallonien angekurbelt worden. "Noch bis Anfang der 2000er-Jahre war die Region von Kohle-, Stahl- und Schwerindustrie geprägt. Inzwischen ist sie eine erste Adresse für Logistik, Maschinenbau, und Umwelttechnik."