Der britische Premierminister Andy Burnham (Labour) will sich nicht in die Diskussion um eine dritte Start- und Landebahn am Londoner Flughafen Heathrow einmischen. Das sei eine Angelegenheit für die Menschen, die in der Nähe des Flughafens leben, sagte Burnham am Sonntag.
"Ich denke, das ist in erster Linie eine Angelegenheit für London", sagte Burnham der BBC in einem Interview zum Auftakt des Labour-Parteitags in Liverpool. "Ich denke, man muss zuerst die Stimme der Menschen dort hören. Es ist nicht richtig, dass ich mich direkt im Anschluss an die Konsultation einfach einmische."
Die Regierung unter seinem Vorgänger Keir Starmer (Labour) hatte 2025 noch erklärt, den Ausbau zu unterstützen, und dies mit dem erwarteten Wirtschaftswachstum begründet. Das Projekt muss ein langwieriges Planungsverfahren durchlaufen, bevor der Bau beginnen kann. Mit Burnhams Zurückhaltung geht eine Debatte weiter, die die britische Politik seit zwei Jahrzehnten spaltet.
Heathrow warnt vor neuen Verzögerungen
Der Flughafen Heathrow selbst hatte am Samstag mitgeteilt, die Eröffnung der dritten Bahn könne sich um vier Jahre bis 2039 verzögern. "Unser Ziel war es immer, die Baugenehmigung bis 2029 zu erhalten. Sobald sie vorliegt, wird die Bahn innerhalb eines Jahrzehnts in Betrieb gehen", erklärte ein Sprecher. Das bisher genannte Jahr 2035 sei ein ehrgeiziges Ziel gewesen, das erhebliche Änderungen bei Regulierung und Politik erfordert hätte. Die Eröffnung innerhalb von zehn Jahren nach der Genehmigung sei stets das Kernszenario des Flughafens gewesen.
Die Regierung hatte 2025 den Ausbau- und Modernisierungsplan des Flughafens im Umfang von 49 Milliarden Pfund gebilligt. Darin enthalten sind 15 Milliarden Pfund für bereits geplante Modernisierungen. Rund 33 Milliarden Pfund entfallen auf den Bau der Bahn, die Verlegung der Londoner Ringautobahn und ein neues Terminal.
Heathrow liegt rund 24 Kilometer westlich von London und ist einer der verkehrsreichsten Flughäfen Europas sowie der größte Großbritanniens. Er ist zu 99 Prozent ausgelastet und läuft Gefahr, von anderen europäischen Flughäfen überholt zu werden. Heathrow verfügt über zwei Bahnen, Paris Charles de Gaulle und Frankfurt über je vier, Amsterdam Schiphol über sechs.
Anwohner beklagen seit Jahrzehnten Fluglärm und Sicherheitsrisiken durch Überflüge über das dicht besiedelte Stadtgebiet. Zuletzt kritisierten sie zudem die stark steigenden CO2-Emissionen.
Gewerkschaft drängt auf Ausbau
Unternehmen und Gewerkschaften äußern Sorge über Verzögerungen beim Ausbau und deren Folgen für Wachstum und Arbeitsplätze in Großbritannien. Die Gewerkschaft GMB, die Beschäftigte in ganz Heathrow vertritt, erklärte, die Stimmen vor Ort müssten zwar gehört werden. Viele davon seien aber Beschäftigte, die den Ausbau befürworteten. "Das ist nicht nur eine Angelegenheit Londons", so die Gewerkschaft.
"Heathrow ist Großbritanniens Eingangstor, und Unternehmen aus jeder Region treiben darüber Handel", sagte Warren Kenny, Regionalsekretär der GMB für London. "Ich fordere den Premierminister auf, unser Potenzial zu entfesseln und zu bauen."