Der britische Klimabeirat Climate Change Committee (CCC) sieht keinen Weg, den Flughafen London-Heathrow auszubauen und gleichzeitig die Klimaziele des Landes einzuhalten, es sei denn, die Luftfahrtbranche übernimmt die volle Verantwortung für ihre Emissionen. Das geht aus einem Gutachten hervor, das die Regierung selbst in Auftrag gegeben hatte.
Laut CCC gibt es unter den derzeitigen politischen Vorgaben keinen glaubwürdigen Weg, Heathrow zu erweitern und gleichzeitig das Netto-Null-Ziel bis 2050 zu erreichen.
"Die Regierung kann den Flughafen Heathrow nicht ausbauen, ohne von der Luftfahrtbranche zu verlangen, ihre Emissionen zu bereinigen", sagte CCC-Vorsitzender Nigel Topping bei einem Pressebriefing.
Die Labour-Regierung hatte sich 2025 für eine dritte Start- und Landebahn an Heathrow ausgesprochen, einem der verkehrsreichsten Flughäfen der Welt. Sie begründete den Schritt mit dem erwarteten Wirtschaftswachstum.
Gesetzliche Vorgaben statt Selbstverpflichtung
Der Klimabeirat fordert von der Regierung ein Gesetz, das die Luftfahrtbranche verpflichtet, bis 2050 sämtliche Emissionen auszugleichen. Das soll entweder durch einen stärkeren Einsatz von nachhaltigem Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel, SAF) oder durch Zertifikate aus technischer CO2-Entnahme geschehen.
Die Fluggesellschaften hatten sich 2021 auf das Ziel verständigt, bis 2050 netto keine Emissionen mehr zu verursachen. Sie setzen dabei vor allem auf einen schrittweisen Umstieg auf SAF. Der Kraftstoff macht bislang jedoch weniger als ein Prozent des weltweiten Kerosinverbrauchs in der Luftfahrt aus und kostet ein Vielfaches von herkömmlichem Kerosin.
Ein Sprecher des britischen Verkehrsministeriums (Department for Transport) erklärte, man werde die Empfehlungen des CCC sorgfältig prüfen. Die Regierung investiere in den Aufbau der SAF-Produktion, ein Ausbau von Heathrow müsse mit den Netto-Null-Zielen vereinbar sein, fügte der Sprecher hinzu.
CO2-Entnahme steckt noch in den Anfängen
Einige Fluggesellschaften haben zudem in technische Verfahren zur CO2-Entnahme investiert, etwa in die direkte Abscheidung von Kohlendioxid aus der Luft (Direct Air Capture). Weltweit wurden auf diese Weise bislang aber weniger als zwei Millionen Tonnen CO2 entnommen.
Der Klimabeirat verlangt von der Regierung zusätzlich eine 25-Jahres-Strategie für eine klimaneutrale Luftfahrt, eine schrittweise Einführung der vollen Dekarbonisierungskosten für Airlines sowie Notfallpläne für den Fall, dass sich zentrale Technologien nicht wie erwartet skalieren lassen.
Ein Sprecher des Flughafens Heathrow erklärte, der Ausbau müsse sowohl Wirtschaftswachstum als auch die Netto-Null-Ziele liefern. Man werde mit der Regierung zusammenarbeiten, um saubere Luftfahrttechnologien voranzubringen.