Sie lesen einen kurzen Auszug aus den täglichen airliners+ "Gedankenflügen" der vergangenen Woche. Die Kolumne über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen des Tages lesen Abonnenten jeden Abend im airliners+ "Abend-Briefing". Es kommt montags bis freitags immer um 18 Uhr per E-Mail. Sie sind noch kein Abonnent? Jetzt einen Monat für nur einen Euro testen.
Was sind schon sechs Minuten?
Sechs Minuten Verspätung: Der Auftakt zur Online-Investorenkonferenz der Lufthansa zum Ita-Einstieg war am vergangenen Freitag wegen technischer Probleme etwas holperig.
Ein böses Omen für das Unterfangen – oder doch eher Ansporn für die Deutschen zu etwas mehr italienischer Gelassenheit, wie es Konzernchef Carsten Spohr formulierte?
Eines ist klar: Lufthansa braucht einen langen Atem, bis der Ita-Einstieg perfekt wird. Das ganze Prozedere wird sich nämlich viel länger hinziehen, als direkt nach der Übernahmegenehmigung am vergangenen Mittwoch noch angekündigt.
Nicht schon im kommenden Jahr, sondern doch erst ab 2027 will Lufthansa die Ita-Mehrheit übernehmen. Der Tenor für die Investoren und Analysten: Man kann, muss aber nicht aufstocken. Bis zur Entscheidung habe man im Zweifel sogar bis 2033 Zeit.
Meine Meinung: Gut so – und was sind da schon sechs Minuten…
Immer mit der Ruhe
Man sollte überdies nicht vergessen, dass der "Ita-Drops" noch gar nicht gelutscht ist. Jedenfalls nicht ganz.
Zwar deckt das OK der EU-Wettbewerbshüter nicht nur die zunächst angestrebte Minderheitsbeteiligung ab: Die langwierigen Prüfungen und die nun festgelegten Abhilfemaßnahmen gelten in der Tat schon für das Ita-Komplettpaket.
Bis es so weit kommt, bleibt aber noch sehr viel zu tun.
Erstens müssen noch andere Wettbewerbsbehörden zustimmen. Zweitens steht Lufthansa jetzt vor der Aufgabe, für die Ita-Basis in Mailand sowie für zahlreiche Mittel- und Langstrecken ab Rom Wettbewerber zu finden, die bereit sind, zu kooperieren.
Erst wenn das alles durch ist – und die EU diese Kooperationsvereinbarungen nochmals geprüft hat – kann die Teilübernahme vollzogen werden. Das wird aber noch bis Jahresende dauern. Mindestens.
Erst dann kann die Integration tatsächlich beginnen. Wichtig erscheint mir, das weitere Vorgehen auch dann nicht zu überhasten. Nur wenn nach der Integration in Italien wirklich alles rund läuft, sollte Lufthansa die optionale Mehrheitsübernahme angehen.
Nicht, dass der so verlockende "Ita-Drops" schlussendlich doch noch im Hals stecken bleibt.