Die US-Luftfahrtbehörde FAA arbeitet nach eigenen Angaben daran, der Industrie beim Einsatz von Lufttaxis und Überschallflugzeugen zu helfen, Weltraumstarts zu fördern und den Drohnenbetrieb auszuweiten. Das sagte FAA-Vizechef Chris Rocheleau Reuters in einem Interview auf der Farnborough Airshow. Die Behörde gehe Probleme bei Zertifizierung und Regulierung aktiv an, um sich für die nächste Generation der Luftfahrt zu öffnen.
"Wir wollen sicherstellen, dass wir bei diesen Standards nicht zu vorschreibend sind und dass wir der Industrie erlauben, die Innovation voranzutreiben", sagte Rocheleau.
Die FAA hatte im vergangenen Jahr ein Pilotprogramm aufgelegt, um jungen Unternehmen mit elektrisch angetriebenen Senkrechtstartern (eVTOL) beim Markteintritt zu helfen. Daten aus diesem Programm mit acht Partnerunternehmen in 26 US-Bundesstaaten sollen nun in die Zertifizierungsarbeit einfließen. „Die ganze Idee dahinter ist es, diese neue Technologie, diese neuen Flugzeuge, sicher und effizient in den nationalen Luftraum zu integrieren", sagte Rocheleau.
Lufttaxi-Anbieter drängen auf Zulassung
Lufttaxi-Unternehmen wetteifern derzeit um Zulassungen, um ihre eVTOL-Fluggeräte angesichts der wachsenden Nachfrage nach schnellerem und nachhaltigerem urbanem Verkehr zu vermarkten. Sie werben damit, dass die senkrecht startenden und landenden Fluggeräte Reisende zu Flughäfen oder für kurze Strecken in der Stadt bringen und so den Stau umgehen könnten.
Archer-Aviation-Chef Adam Goldstein verglich die Einführung der eVTOLs mit dem stadtweisen Rollout von Waymo, dem Robotaxi-Dienst von Google. "Ich glaube, die Welt hat viel daraus gelernt, wie autonome Fahrzeuge eingeführt wurden", sagte Goldstein. Das FAA-Pilotprogramm gebe der eVTOL-Industrie die Möglichkeit, den Einsatz "in einigen wenigen Städten in einem begrenzten Gebiet zu starten, wo wir die Kinderkrankheiten im System ausbügeln können", so Goldstein.
FAA will veraltete Überschall-Regeln reformieren
Im Juni hatte die FAA die erste von zwei Regeln vorgeschlagen, die nötig sind, um ein seit 1973 bestehendes Verbot von Überschallflügen über Land aufzuheben. Eine zweite Regel soll akzeptable Lärmgrenzwerte für Start, Landung und den Überschall-Reiseflug festlegen. Beide Regeln sollen bis Mitte 2027 fertiggestellt sein.
"Wir halten die Regeln für alt und überholt", sagte Rocheleau.
Die Ära regelmäßiger kommerzieller Überschallflüge endete 2003, als die von Air France und British Airways betriebene Concorde nach 27 Dienstjahren außer Dienst gestellt wurde. Nach Inkrafttreten der neuen Regeln müssten die FAA und andere Aufsichtsbehörden Überschallflugzeuge anschließend noch zertifizieren.