Die deutschen Flughäfen haben mitten in der Hauptreisezeit weniger Fluggäste gezählt als im Vorjahr. Im August sank die Zahl der Passagiere zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent auf 22,4 Millionen, wie der Flughafenverband ADV am Donnerstag mitteilte.
Gegenüber dem Vorkrisenniveau vom August 2019 – also vor der Corona-Pandemie – fehlen den Angaben zufolge weiter 8,4 Prozent der Passagiere.
Einen Rückgang im August hatte es nach Angaben des Verbands zuletzt in Krisenjahren wie 2009 während der Finanzkrise und 2020 während der Corona-Pandemie gegeben.
Als einen wesentlichen Faktor für die Entwicklung nannte die ADV das erneut gesunkene Flugangebot. Die Zahl der gewerblichen Starts und Landungen lag mit knapp 173.000 um 2,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das entspricht 82,2 Prozent der Flugbewegungen vom August 2019. Ohne zusätzliche Flüge sei auch beim Passagieraufkommen kaum weiteres Wachstum möglich, so der Verband.
Der für die Branche wichtige Europaverkehr stagnierte bei 16,4 Millionen Passagieren, ein Minus von 0,1 Prozent. Der Interkontinentalverkehr ging um ein Prozent auf 4,1 Millionen Fluggäste zurück. Der innerdeutsche Verkehr legte dagegen minimal um 0,1 Prozent auf 1,8 Millionen Passagiere zu. Er erreichte damit 52,1 Prozent des Aufkommens vom August 2019.
Zuwächse verzeichnete die Luftfracht. Das Aufkommen stieg im August um 2,1 Prozent auf rund 403.000 Tonnen und lag damit 9,6 Prozent über dem Wert von August 2019. Die Einladungen wuchsen um 3,9 Prozent auf rund 208.500 Tonnen, die Ausladungen um 0,3 Prozent auf knapp 195.000 Tonnen. Die ADV bezeichnete die Fracht als den in diesem Jahr stabilsten Wachstumsbereich des deutschen Luftverkehrs.
Passagierzahl seit Jahresbeginn unter Vorjahr
Auch mit Blick auf das Gesamtjahr fällt der deutsche Luftverkehr weiter zurück. Von Januar bis August lag das Passagieraufkommen mit 141,8 Millionen um 0,4 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Gegenüber 2019 fehlen 14,9 Prozent. Die Zahl der gewerblichen Flugbewegungen sank in den ersten acht Monaten um 3,7 Prozent und erreichte 78,5 Prozent des Niveaus von 2019.
Nach Einschätzung der ADV können größere Flugzeuge, mehr Sitzplätze pro Flug sowie eine höhere Auslastung den Rückgang der Flugbewegungen nur teilweise ausgleichen. Im bisherigen Jahresverlauf wuchs allein der Europaverkehr, und zwar um 0,7 Prozent auf 99,7 Millionen Passagiere. Der Interkontinentalverkehr verlor 3,5 Prozent auf 26,9 Millionen Fluggäste, der innerdeutsche Verkehr 2,1 Prozent auf gut 15 Millionen. Innerdeutsch flogen damit 48,4 Prozent so viele Passagiere wie im selben Zeitraum 2019.
Die Luftfracht summierte sich von Januar bis August auf rund 3,2 Millionen Tonnen, ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. "Geopolitische Unsicherheiten, hohe Standort- und Energiekosten, die schwache konjunkturelle Entwicklung, eine zurückhaltende Konsumnachfrage sowie angebotsseitige Einschränkungen belasten die Verkehrsentwicklung", erklärte der Verband. Der Luftverkehrsstandort Deutschland stehe damit weiterhin unter erheblichem Druck.