Der Flughafenverband ADV hat seine Verkehrsprognose für das laufende Jahr erneut nach unten korrigiert. Der Verband geht nun von rund 217 Millionen Passagieren an deutschen Flughäfen aus. Das teilte die ADV mit. Damit sinkt die Zahl der Reisenden gegenüber 2025 um 1,4 Prozent. Verglichen mit der im April vorgelegten Prognose fällt die Jahresprognose um weitere fünf Millionen Passagiere niedriger aus.
Der leichte Zuwachs im Juli reiche nach Einschätzung des Verbands nicht für eine Trendwende. Wie die ADV mitteilte, reisten im Juli rund 21,8 Millionen Menschen über deutsche Flughäfen, ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Zugleich gab es 1,8 Prozent weniger gewerbliche Flugbewegungen. Im Vergleich zum Juli 2019 liegen die Passagierzahlen weiterhin um 12,1 Prozent niedriger, die Flugbewegungen sogar um 17,5 Prozent.
In den ersten sieben Monaten zählte der Verband rund 119,4 Millionen Passagiere an deutschen Flughäfen. Das Aufkommen lag damit 0,5 Prozent unter dem Vorjahreswert und 16 Prozent unter dem Niveau von 2019. Das Angebot schrumpfte noch deutlicher: Die gewerblichen Flugbewegungen lagen 3,8 Prozent unter dem Vorjahreswert und erreichten damit erst 77,9 Prozent des Niveaus von 2019.
Zweite Korrektur binnen vier Monaten
Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, bezeichnete die erneute Korrektur als Warnsignal. "Das kleine Plus im Juli darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Luftverkehrsstandort Deutschland weiter auf der Stelle tritt", sagte Beisel. "Unsere erneute Prognosekorrektur ist ein Warnsignal."
Bereits zum zweiten Mal binnen vier Monaten habe der Verband die Erwartungen kräftig senken müssen, erklärte Beisel. Nach Einschätzung der ADV wächst der Luftverkehr in zahlreichen anderen europäischen Staaten spürbar, während Deutschland zurückbleibt.
Deutsche Standortkosten deutlich über europäischem Niveau
Nach Angaben des Verbands zeigt der Vergleich mit anderen europäischen Ländern, dass externe Krisen wie der Iran-Krieg die schwache Entwicklung allein nicht erklären.
Laut ADV liegen die staatlichen Kosten deutscher Flughäfen trotz gesenkter Luftverkehrsteuer weiterhin klar über dem Niveau anderer europäischer Standorte.
Außerdem wird nach Angaben des Flughafenverbands ein Flug von einem deutschen Flughafen zu einem Ziel innerhalb Europas im Schnitt mit 4449 Euro an staatlichen Abgaben belastet. An vergleichbaren Standorten in anderen europäischen Ländern liege dieser Wert bei durchschnittlich 2326 Euro. Bei einem Flug nach New York steigen die staatlichen Kosten laut ADV auf 16.177 Euro, während sie an vergleichbaren Standorten in Europa im Schnitt bei 6914 Euro liegen.
ADV fordert günstigere Rahmenbedingungen
"Deutschland braucht wieder Rahmenbedingungen, unter denen Airlines zusätzliche Flugzeuge einsetzen und Strecken hierzulande aufbauen", sagte Beisel. "Jede Verbindung, die an einen anderen europäischen Standort verlorengeht, schwächt unsere internationale Erreichbarkeit und damit auch den Wirtschaftsstandort Deutschland."
Aus Sicht der ADV muss die Bundesregierung die staatlichen Abgaben für den Luftverkehr deutlich senken, den bürokratischen Aufwand für Airlines verringern und eine Luftverkehrspolitik verfolgen, die Deutschlands Anbindung an das internationale Streckennetz gezielt verbessert.
Die Prognose entsteht in einer eigenen Arbeitsgruppe des Verbands, der Task Force Forecast, auf Basis standortbezogener Einschätzungen der einzelnen deutschen Flughäfen. Auf der Angebotsseite fließen die Streckenplanungen der Fluggesellschaften und die Nachfrage nach Slots ein, auf der Nachfrageseite das Reise- und Konsumverhalten der privaten Haushalte sowie die wirtschaftliche und geopolitische Lage. Für die aktuelle Prognose wertete der Verband die Entwicklung bis Ende Juli aus.