Die US-Airlines müssen ihr Kapazitätswachstum 2027 nach Einschätzung von Delta-Vorstandsvorsitzendem Ed Bastian weiter begrenzen, um ihre Profitabilität zu schützen. Die Branche habe die Kapazität bereits gebremst. Im nächsten Jahr brauche es aber mehr, sagte Bastian am Freitag in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen von Delta Air Lines. "In einem Umfeld hoher Kosten kann man sich nicht herauswachsen", so der Manager.
Anlass sind die hohen Treibstoffkosten. Delta senkte am Freitag die Gewinnprognose für das Gesamtjahr im Mittel um knapp ein Viertel und rechnet nun mit einer Treibstoffrechnung, die rund sechs Milliarden US-Dollar (rund 5,4 Milliarden Euro) über dem Vorjahr liegt.
Das sind etwa zwei Milliarden US-Dollar mehr als noch im Juli erwartet. Der Iran-Krieg hat die Preise für Kerosin weltweit stark steigen lassen.
Die Airlines geben die Mehrkosten bislang über höhere Preise weiter. Bastian sagte, Delta habe die Ticketpreise in diesem Jahr um rund 20 Prozent angehoben, die Reisenden hätten kaum Widerstand geleistet.
Er zeigte sich zuversichtlich, dass sich die höheren Preise auch nach einem Rückgang der Treibstoffkosten halten ließen. Branchenweit lagen die Flugpreise in den USA von April bis August nach Daten des US-Arbeitsstatistikamts BLS im Schnitt rund 25 Prozent über dem Vorjahreswert, gestützt von starker Nachfrage und begrenztem Sitzplatzwachstum.
Zusätzliche Flüge, mit denen die Airlines mehr von der starken Nachfrage abschöpfen wollen, könnten allerdings den Wettbewerb um Passagiere verschärfen. Dann wäre es schwieriger, die höheren Preise zu halten und die Profitabilität zu sichern. Bastian nannte die schwachen Renditen der Branche als weiteren Grund, das Wachstum zu begrenzen.
Kapazität soll im Schlussquartal anziehen
Das Problem könnte sich verschärfen, weil das Kapazitätswachstum der Branche im vierten Quartal planmäßig anzieht. Die Analysten der Deutschen Bank erwarten, dass die Airlines im Schlussquartal einen kleineren Teil der höheren Treibstoffkosten über Erlöse ausgleichen. Einen vollständigen Ausgleich rechnen sie erst für Anfang 2027.
Die Analysten von Melius Research schrieben in einer Notiz, Deltas Fähigkeit zu Preiserhöhungen halte das Ergebnis im zweiten Halbjahr trotz der hohen Treibstoffkosten weitgehend stabil. Sie warnten jedoch, dass sich die Gewinnmargen der Airline sich seit Jahren kaum verbessert hätten "Die Preise 2027 zu halten oder zu steigern, ist der Dreh- und Angelpunkt für höhere Margen", schrieben sie.
Bastian sagte, Delta bleibe bei der eigenen Kapazitätsplanung für 2027 vorsichtig, bis die Entwicklung der Treibstoffpreise klarer sei. Ein größerer Teil der Expansion dürfte auf internationale Strecken entfallen als auf Flüge innerhalb der USA.
Die Nachfrage bleibe stark, das Premium- und Firmenreisegeschäft zeige Stärke, und auch in der Economy Class (Main Cabin) verbessere sich das Geschäft. Für das vierte Quartal erwartet Delta bei moderatem Kapazitätswachstum ein Umsatzplus von rund 20 Prozent. Auch die frühen Buchungstrends für das erste Quartal 2027 seien ermutigend, sagten Delta-Manager.
Auch andere Airlines rechnen mit einem langen Kostenschock. Ryanair-Konzernchef Michael O'Leary sagte am Donnerstag, die hohen Kerosinpreise könnten noch zwölf bis 18 Monate anhalten.
