Die Lufthansa rechnet infolge des Iran-Kriegs mit noch höheren Kerosinkosten im laufenden Jahr. Man wäre froh, wenn es bei der zuletzt genannten Mehrbelastung von 1,5 Milliarden Euro bliebe, sagte Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr am Montagabend vor Journalisten in Frankfurt.
"Die Zahl wird höher sein, die wir am Jahresende wahrscheinlich (...) auszuweisen haben." Wie hoch die Kerosinrechnung ausfallen wird, bezifferte er nicht.
Anfang August hatte der Konzern für das Gesamtjahr mit Treibstoffkosten von 8,66 Milliarden Euro gerechnet, ein Anstieg um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Mehrbelastung von 1,5 Milliarden Euro war darin bereits enthalten.
Trotz der höheren Kosten bestätigte Spohr die Prognose eines bereinigten operativen Ergebnisses (bereinigtes EBIT) von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro. Damit könnte die Lufthansa den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro unterschreiten, statt ihn wie ursprünglich geplant deutlich zu übertreffen. Die Gewinnprognose hatte der Konzern im Sommer gesenkt.
Dass der Vorstand für 2026 überhaupt noch einen operativen Gewinn etwa auf Vorjahresniveau erwartet, erklärte Spohr mit den Einsparungen durch das Sanierungsprogramm der Kernmarke Lufthansa Airline und den zuletzt deutlich gestiegenen Ticketpreisen.
Einen Teil der Mehrkosten fängt die Lufthansa zudem über Termingeschäfte ab. Finanzvorstand Till Streichert hatte im August gegenüber Analysten eine Absicherungsquote von 86 Prozent für 2026 und von etwas mehr als 50 Prozent für 2027 genannt.
Premiumklassen füllen sich schneller als die Economy
Zum Ende der wichtigen Sommersaison zeigte sich Spohr von den Ticketverkäufen positiv überrascht. "Die Nachfrage, gerade im Premiumsegment, ist erstaunlich robust für diese Preissteigerung", sagte er. Zu den Premiumklassen zählen neben First und Business Class auch die Premium Economy. Auf der Langstrecke erziele die Lufthansa in diesen Klassen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes.
Lufthansa Allegris © Lufthansa
Die Ticketnachfrage sei "praktisch unberührt von geopolitischen Risiken", die bei den Kunden sonst eher zu Zurückhaltung führten. Anders als früher seien die höchsten Buchungsklassen derzeit schneller gefüllt als die günstigste Economy-Kategorie. "Wir haben einen Premium-Boom, der uns als Lufthansa relativ mehr hilft als vielen unserer Wettbewerber." Einen ähnlichen Trend hatten zuvor auch Air France-KLM und die British-Airways-Mutter IAG gemeldet.
Nach Spohrs Worten zahlen sich jetzt die Erneuerung der Flotte und die Modernisierung der Kabinen mit dem Produktprogramm Allegris aus. Bis Jahresende soll bei Lufthansa Classic jedes zweite Flugzeug damit ausgerüstet sein.
Spohr stellt sich auf ein weiteres Übergangsjahr ein
Spohr geht auch für das kommende Jahr von anhaltend hohen Ölpreisen aus. Deshalb werde 2027 ebenfalls ein Übergangsjahr auf dem Weg zum Renditeziel einer operativen Marge von acht bis zehn Prozent, das der Konzern zwischen 2028 und 2030 erreichen will. Die gestiegenen Kosten hätten das Umbauprogramm beeinträchtigt, sagte er.
Zugleich erwartet Spohr, dass weitere Airlines wegen der hohen Treibstoffkosten in Schwierigkeiten geraten. In den vergangenen Tagen hatten die lettische Air Baltic, an der die Lufthansa zehn Prozent hält, und die spanische Volotea Gläubigerschutz beantragt. Air Baltic tat dies nach US-Recht.
Die Konsolidierung in der Branche gehe aufgrund des Kostendrucks weiter, sagte Spohr. "Die Starken werden stärker, die Schwachen werden entweder schwächer oder haben sogar substanzielle Probleme." Davon profitierten die großen Marktteilnehmer wie die Lufthansa Group, Air France-KLM, IAG oder Ryanair.
Neue Flugzeuge kommen langsamer als geplant
Gern würde Spohr den Kerosinverbrauch durch den Einsatz von mehr neuen und sparsameren Flugzeugen senken. Doch die Hersteller Airbus und Boeing liefern nicht so schnell wie erwünscht. Die Lufthansa muss deshalb ältere und spritdurstigere Jets etwa vom Typ Airbus A340 länger in Betrieb halten als geplant.
Boeing 777X in Lufthansa-Farben. © Lufthansa
Im November erwartet Spohr das erste Exemplar der Airbus A350-1000, des derzeit größten angebotenen Airbus-Modells. Die erste Boeing 777X soll im ersten Quartal 2027 zur Lufthansa-Flotte stoßen, mit rund sieben Jahren Verspätung. Auf Boeings Ankündigungen will sich Spohr angesichts immer neuer Verzögerungen jedoch nicht verlassen. Für den Sommerflugplan 2027 hat die Lufthansa bisher keine einzige 777X eingeplant und setzt stattdessen weiter auf den Airbus A340 als Ersatzlösung. Der "Plan B" sei zu "Plan A" geworden, sagte Spohr.
Insgesamt erwartet die Lufthansa samt ihren Töchtern wie Swiss, Austrian, Brussels und Eurowings in den kommenden 100 Wochen 100 neue Flugzeuge. Im laufenden Jahr sollen es 46 Maschinen werden, davon 27 für den Langstreckenverkehr.
Hohe Treibstoffpreise belasten Airlines weltweit. Zuletzt hatte unter anderem Ryanair vor den Folgen gewarnt. Öl hat sich durch den Krieg der USA gegen Iran seit Ende Februar um 40 bis 50 Prozent auf Preise über 100 US-Dollar je Barrel verteuert, weil die Lieferungen aus den Golfstaaten weitgehend ausfallen. Mit dem Vorrücken der Huthi-Miliz im Jemen an der Meerenge von Bab al-Mandab waren zuletzt neue Sorgen um die globale Ölversorgung hinzugekommen. Treibstoff ist nach dem Personal der zweitgrößte Kostenblock einer Fluggesellschaft.