Die Lufthansa Group hat nach dem Krisenjahr 2024 beim Gewinn deutlich zugelegt. Das bereinigte Betriebsergebnis der Lufthansa-Gruppe stieg 2025 um 19 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro, wie der Konzern mitteilte.
Der Umsatz legte um fünf Prozent auf einen Rekordwert von 39,6 Milliarden Euro zu, die bereinigte Ebit-Marge verbesserte sich um einen halben Prozentpunkt auf 4,9 Prozent. Unter dem Strich fiel der Konzerngewinn mit 1,34 Milliarden Euro rund drei Prozent niedriger aus als im Vorjahr – der Konzern begründet dies mit Steuereffekten.
Die Dividende soll dennoch leicht auf 33 Cent je Anteilsschein steigen. Vorbörslich lagen die Lufthansa-Aktien mehr als drei Prozent im Plus.
"Unser Ergebnis zeigt die Resilienz und Stabilität der Gruppe", erklärte Konzernchef Carsten Spohr. Zum Ergebnisanstieg trugen maßgeblich geringere Streikkosten sowie um 40 Prozent auf rund 480 Millionen Euro gesunkene Fluggastentschädigungen bei. Niedrigere Treibstoffpreise verbesserten die Ertragslage zusätzlich um rund eine halbe Milliarde Euro.
Belastet wurde das Ergebnis durch schwächere Nachfrage und Preisdruck auf den Transatlantikstrecken im dritten Quartal. Aktuell liegen die Buchungen für USA-Reisen aus Deutschland 30 Prozent unter Vorjahresniveau – Spohr nannte politische Unsicherheit und verschärfte Einreisekontrollen als Ursache.
Kernmarke auf Erholungskurs
Die Kernmarke Lufthansa Airlines kehrte nach einem Verlust im Vorjahr mit einer Rendite von knapp einem Prozent in die Gewinnzone zurück. Zur Verbesserung trug die Flottenerneuerung ebenso bei wie das Kabinenprogramm Allegris sowie steigende Erlöse aus Zusatzleistungen wie Sitzplatzreservierungen.
CFO Till Streichert sprach von einem "klaren Beleg für den Fortschritt des Turnaround-Programms": Die Kernmarke habe ihr Ergebnis um rund 250 Millionen Euro gesteigert.
Spohr mahnte jedoch zur Nüchternheit: Das bereinigte Ebit von 148 Millionen Euro entspreche gerade einmal dem halben Listenpreis einer einzigen Boeing 787. "Deswegen kann es keinen Zweifel geben: Lufthansa Airlines muss dringend wieder profitabler werden", sagte er.
Seit Ende 2024 läuft das Sanierungsprogramm "Turnaround", das das Ergebnis bis 2028 brutto um 2,5 Milliarden Euro verbessern soll. "Das Turnaround-Programm von Lufthansa Airlines hat weiterhin höchste Priorität", sagte Spohr. Im laufenden Jahr – dem 100. Jubiläumsjahr seit der ersten Firmengründung – soll die Kernmarke wirtschaftlich weiter vorankommen. Der Konzern will die Stückkostensteigerung von zuletzt zwei Prozent auf ein Prozent drücken.
Iran-Krieg als Risikofaktor
Der vor einer Woche von den USA und Israel begonnene Krieg gegen den Iran könnte die Prognose des Konzerns gefährden. Lufthansa erwartet für 2026 zwar ein Ergebnis deutlich über Vorjahresniveau, verweist aber auf die Unsicherheiten durch die Lage im Nahen Osten. Der Krieg verursacht Flugausfälle und treibt die Treibstoffkosten – wobei der Konzern 80 Prozent seines Bedarfs für 2026 über Termingeschäfte abgesichert hat.
Kurzfristig profitiert die Lufthansa-Gruppe vom weitgehenden Ausfall der Golf-Carrier, der die Nachfrage nach Langstreckenflügen in Richtung Asien und Afrika steigert. Spohr bezifferte den Effekt konkret: "Wir haben allein 75 Prozent mehr Umsatz für den Monat April in unserem Buchungssystem gesehen Richtung Asien."
Spohr warnte zugleich strukturell vor der Abhängigkeit des globalen Luftverkehrs von den Golfhubs: "Die massive Bündelung globaler Verkehrsströme über die Golfdrehkreuze erweist sich zunehmend als geopolitische Achillesferse."
Der Konzernchef verknüpfte dies mit einem grundsätzlichen Plädoyer für eine starke europäische Luftfahrtbranche: "Wenn wir uns in Europa schon nicht selbst verteidigen können und uns nicht selbst mit Energie versorgen können, müssen wir wenigstens in der Lage sein, uns selbst mit unseren Märkten auf der Welt zu verbinden." Die Lufthansa hatte in den vergangenen Jahren gegenüber den Konkurrenten Emirates, Etihad und Qatar Airways auf den Asien-Routen Marktanteile verloren.
