Air France-KLM und die Lufthansa haben im Bieterwettstreit um die portugiesische Staatsfluggesellschaft Tap ihre Angebote nachgebessert. Die staatliche Holdinggesellschaft Parpublica teilte am Mittwochabend mit, sie habe von beiden verbesserte verbindliche Offerten für einen Anteil von 44,9 Prozent erhalten. Angaben zur Höhe der Gebote machte Parpublica nicht.
Die Holding werde die Angebote nun prüfen und einen Bericht für die Regierung in Lissabon erstellen. Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz zufolge soll bis Mitte Oktober eine Entscheidung fallen. Der Gewinner werde dann strategischer Partner einer der wenigen verbliebenen unabhängigen nationalen Fluggesellschaften in Europa.
Air-France-KLM-Vorstandsvorsitzender Benjamin Smith erklärte, Lissabon solle das exklusive südeuropäische Drehkreuz des Konzerns werden. Er wolle die "einzigartige Identität" der Tap aufwerten. "Mit der Unterstützung von Delta Air Lines und unseren transatlantischen Joint Ventures wäre Tap an ein Netz von mehr als 375 Zielen angebunden und würde Portugal neuen Städten, Kunden und Chancen in ganz Amerika näherbringen", sagte Smith.
Die Lufthansa teilte mit, ihr Angebot spiegele die Überzeugung wider, der beste Partner zu sein. Sie wolle das Wachstum der Tap unterstützen, ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und ihre Rolle als portugiesische Nationalairline festigen.
Regierung setzt auf Wachstum über Lissabon hinaus
Die beiden Airline-Konzerne hatten im Juli erste verbindliche Gebote eingereicht und waren Anfang September aufgefordert worden, diese nachzubessern. Ein separater Anteil von fünf Prozent ist für die Beschäftigten der Tap reserviert. Der siegreiche Bieter darf Aktien übernehmen, die die Mitarbeiter nicht zeichnen.
Die Regierung erwartet vom künftigen Partner, das Wachstum im gesamten portugiesischen Flughafennetz voranzubringen. Neben dem Drehkreuz Lissabon sollen auch Porto, Faro, die Azoren und Madeira von mehr Verkehr und besseren Verbindungen profitieren.
Als wichtigster Trumpf der Tap gelten ihre Slots für Verbindungen von Lissabon nach Brasilien, ins portugiesischsprachige Afrika und in die USA. Diese Strecken sind für die Beziehungen zur portugiesischen Diaspora, für den Tourismus und für Investitionen von zentraler Bedeutung.