Deutsche Airlines kippen Vier-Augen-Prinzip im Cockpit

28.04.2017 - 14:36 0 Kommentare

Nach dem Germanwings-Absturz haben deutsche Fluggesellschaften die Zwei-Personen-Regel für das Cockpit eingeführt. Jetzt wird die Regel wieder gekippt - und zwar schon sehr bald.

Ein Pilot hat seine Hand am Schubhebel. - © © dpa - Jan Woitas

Ein Pilot hat seine Hand am Schubhebel. © dpa /Jan Woitas

Zwei Jahre nach der Germanwings-Katastrophe nehmen die großen deutschen Fluggesellschaften eine nach dem Absturz eingeführte Sicherheitsvorgabe zurück. Demnach darf sich ab spätestens Juni ein Pilot wieder allein im Cockpit aufhalten.

"Die Evaluierung hat gezeigt, dass die Zwei-Personen-Regelung keinen Sicherheitsgewinn bringt", begründete der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) die Entscheidung. Durch das häufigere Öffnen der Pilotenkanzel entstünden vielmehr zusätzliche Risiken, dass Unbefugte hineinkommen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) begrüßte die Rücknahme der verschärften Vorgaben. "Wir finden es gut und konsequent, dass die Zwei-Personen-Regelung wieder abgeschafft wird", sagte VC-Sprecher Markus Wahl. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass der Sicherheitsgewinn fraglich ist."

Fluggesellschaften sichern weitere Maßnahmen zu

Die Fluggesellschaften sichern zu, dass Ärzte bei Untersuchungen von Piloten stärker auf psychologische und psychiatrische Aspekte achten. Zugesagt werden auch stabile Beschäftigungsverhältnisse, Zugang zu Berufsunfähigkeitsversicherungen, psychologischen Beratungsprogrammen und eine intensivere Mitarbeiterbetreuung.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Piloten fordern verbindliche "Peer-Support"-Programme

Copilot Andreas Lubitz hatte den Ermittlungen zufolge im März 2015 die Germanwings-Maschine in den französischen Alpen bewusst abstürzen lassen. 150 Menschen starben. Die Behörden gehen davon aus, dass der Copilot den Flugkapitän aus dem Cockpit gesperrt hatte.

Alle deutschen Airlines führten als Sofortmaßnahme die Zwei-Personen-Regel ein. Auswertungen des BDL haben jedoch ergeben, "dass die Gefahr eines Angriffs von außen durch terroristische beziehungsweise kriminelle Handlungen nach wie vor höher eingeschätzt werden muss", wie es nun hieß. Seit 1931 habe es nur etwa vier vergleichbare Suizidfälle gegeben, davon zwei, in denen der Täter allein im Cockpit gewesen sei. Demgegenüber stünden 1074 Entführungen.

Zwei-Personen-Regel schon früh kritisiert

Um die Zwei-Personen-Regel einzuhalten, werde die Cockpit-Tür häufiger und vorhersehbarer geöffnet. Es wachse auch der Kreis derer, die die Flugkanzel überhaupt betreten dürfen. Gewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern hatten den Nutzen der Regelung schon früh bezweifelt. Sie beruht auf einer Empfehlung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit, die inzwischen gelockert wurde.

Der BDL teilte mit, die neue Sicherheitsregelung werde dem Luftfahrt-Bundesamt angezeigt und spätestens zum 1. Juni umgesetzt.

Für amerikanische Fluggesellschaften gilt dagegen nach wie vor, dass sich zu jeder Zeit zwei Personen im Cockpit aufhalten müssen. Das schreibt die US-Luftfahrtbehörde FAA so vor.

Von: cs, dpa
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