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Cockpitcrew in einem Airbus A320 © AirTeamImages.com / TT

Mehrere Fluggesellschaften verschärfen nach dem Germanwings-Absturz in Frankreich ihre Sicherheitsvorschriften. Den neuen Prozeduren zufolge muss künftig das Cockpit immer mit mindestens zwei Besatzungsmitgliedern besetzt sein. In den USA, aber auch in Europa wird das aber schon teilweise so praktiziert.

In der europäischen Luftfahrt ist es derzeit nicht gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Pilot, wenn er das Cockpit verlässt, durch ein anderes Besatzungsmitglied ersetzt wird. Die deutschen Fluggesellschaften führen ab sofort dennoch die Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein. Dies sei nach Abstimmungen mit dem Bundesverkehrsministerium und dem Luftfahrt-Bundesamt beschlossen worden, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) am Freitag mit.

Damit will auch Lufthansa für sämtliche Passagierflüge im Konzern die Zwei-Personen-Regel im Cockpit umsetzen. Einen genauen Zeitpunkt zur Umsetzung der freiwilligen Regel nannte Lufthansa nicht. Die Airlines würden das neue Verfahren so schnell wie möglich und in Abstimmung mit ihren Aufsichtsbehörden umsetzen. Zuvor hatte sich der Konzern abwartend geäußert.

Air Berlin, Condor und Germania zogen dagegen bereits zuvor entsprechende Konsequenzen. "Ab Freitag müssen sich grundsätzlich immer zwei Crewmitglieder im Cockpit aufhalten", sagte ein Sprecher der Air Berlin. Auch die Crews von Condor und Germania wurden bereits über die neue Regelung informiert.

Piloten begrüßen neue Regelungen

Das in Rede stehende Vier-Augen-Prinzip im Cockpit biete eine erste Möglichkeit, auf die Gefahren zu reagieren, erklärte die Vereinigung Cockpit (VC) am Freitag in Frankfurt. «Wir dürfen jetzt aber keinen Generalverdacht gegenüber allen Besatzungsmitgliedern aufkommen lassen», warnte VC-Präsident Ilja Schulz gleichzeitig.

© dpa, Marius Becker Lesen Sie auch: Pilot hat Germanwings-Maschine absichtlich abstürzen lassen

Auch andere europäische Airlines reagieren

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat den Fluggesellschaften am Abend offiziell empfohlen, dass immer mindestens zwei Crew-Mitglieder im Cockpit sein sollen. Diese Empfehlung gelte "vorrübergehend", bis weitere Informationen über das Unglück vorlägen, teilte die Behörde am Freitag in Köln mit.

Zuvor hatten bereits die Luftfahrtbehörden einiger EU-Länder reagiert. So müssen in Österreich beheimatete Fluglinien ab sofort sicherstellen, dass ein Pilot nicht mehr allein im Cockpit ist. In Kürze werde es Gespräche mit den Fluglinien Austrian Airlines und flyniki geben, wie die Vorschrift umzusetzen sei, hieß es am Freitag aus dem Verkehrsministerium in Wien.

Auch die schweizer Helvetic reagiert mit neuen Weisungen für Ihre Flugzeugbesatzungen: Sollte einer der Piloten das Cockpit verlassen, müsse ab sofort ein Crewmitglied aus der Kabine das Cockpit besetzen, teilte die Airline mit. Ähnliche Vorkehrungen trafen die Airlines Edelweiss, Estonian, Wizz Air, SAS, Norwegian, Icelandair und Air Baltic.

Auch Air France und KLM werden als Konsequenz aus dem Absturz der Germanwings-Maschine die ständige Präsenz zweier Crew-Mitglieder in ihren Cockpits sichern. Eine entsprechende Regelung solle so schnell wie möglich umgesetzt werden, hieß es in einer Erklärung vom Freitag.

Die Billigfluggesellschaft Easyjet erklärte, entsprechende Vorschriften seien ab Freitag gültig. "Easyjet kann bestätigen, dass die Airline mit Wirkung seine Vorgehensweise ändern wird, so dass jederzeit zwei Besatzungsmitglieder gleichzeitig im Cockpit sind." Ähnlich äußerten sich Virgin Atlantic, Easyjet, Monarch und Thomas Cook. Die britische Flugsicherheitsbehörde Civil Aviation Authority war mit allen britischen Airlines in Kontakt getreten und habe empfohlen, "alle nötigen Vorkehrungen zu treffen". British Airways wollte sich zunächst nicht äußern.

Etliche Fluggesellschaften haben eine Zweier-Regelung bereits ohne behördliche Vorgabe eingeführt. So praktizieren die irischen Fluggesellschaften Ryanair und Aer Lingus die "Rule of Two" bereits seit der Einführungen der neuen Sicherheitsmechanismen für Cockpittüren. Auch bei Czech Airlines, Jet2 und Flybe gilt seit Jahren, dass sich mindestens zwei Crewmitglieder im Cockpit aufhalten müssen.

Zwei-Personen-Regel gilt bereits in einigen Ländern

In den USA sehen die Richtlinien der Luftfahrtbehörde FAA bereits vor, dass sich grundsätzlich zwei Personen im Cockpit befinden müssen. "Die ständige Anwesenheit von zwei Personen im Cockpit ist Pflicht", sagte eine FAA-Sprecherin. Sollte sich einer der Piloten entfernen müssen, so müsse er für diese Zeit von einem diensthabenden Besatzungsmitglied ersetzt werden. Auch in zahlreichen anderen Ländern gibt es ähnliche Regelungen, etwa in Indien.

In Reaktion auf den Germanwings-Absturz verschärfte nun auch Kanada seine Sicherheitsvorschriften: Die Zwei-Personen-Regel gelte ab sofort, erklärte Verkehrsministerin Lisa Raitt in Ottawa. Die kanadische Fluggesellschaft Air Transat teilte mit, sie werde die schon bisher geübte Praxis beibehalten, dass im Cockpit immer eine Zweierbesetzung anwesend sein müsse. Verließen der Pilot oder der Co-Pilot ihren Platz, müsse dieser zwingend vom Kabinenchef besetzt werden.

© AirTeamImages.com, Bailey Lesen Sie auch: Hintergrund: Von Piloten herbeigeführte Abstürze sind extrem selten

Auch Australien überprüft die Regeln. Die Regierung habe von den Fluglinien Information zu den Abläufen im Cockpit angefordert, berichtete die Nachrichtenagentur AAP. Neuseeland führt die Zwei-Personen-Regel ab sofort ein, teilte die dortige Zivil-Luftfahrtbehörde (CAA) mit. Auch Emirates will die Regulierungen ändern

ICAO fordert regelmäßige psychologische Tests von Piloten

Vor dem Hintergrund des Dramas um die in Frankreich abgestürzte Germanwings-Maschine hat die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO derweil regelmäßige medizinische Spezialtests von Piloten gefordert. Diese Untersuchungen müssten sowohl die psychische als auch die körperliche Fitness der Piloten prüfen, erklärte die UN-Organisation. Sollten die Testergebnisse Anlass zur Sorge geben, müssten auch neuropsychologische Untersuchungen in Erwägung gezogen werden, erklärte die ICAO.

Nach Auffassung des Internationalen Luftfahrtverbandes (IATA) sollten die Ermittlungen zu dem Germanwings-Absturz in Frankreich zunächst abgeschlossen werden, bevor konkrete Sicherheitsmaßnahmen beschlossen werden. "Es ist zwingend, dass die Untersuchung komplett abgeschlossen wird, um die Maßnahmen zu bestimmen, die verhindern können, dass sich so eine Tragödie wiederholt", erklärte die IATA am Freitag in Genf. Den Sicherheitsinteressen der Luftfahrt sei besser gedient, wenn die Überlegungen auf gründlichen und abschließenden Informationen zu einem Unfall basierten.

Alle Meldungen zum Germanwings-Unglücksflug 4U9525.