Bundeskanzler Friedrich Merz war persönlich in Frankfurt erschienen, um die Glückwünsche der Bundesregierung zu überbringen: Die Lufthansa feierte am Mittwoch ihr 100-Jahre-Jubiläum.
Die Reden von Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr, Aufsichtsratschef Karl Ludwig Kley und dem Kanzler selbst setzten Akzente: Die Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts Deutschland und der Blick auf das nächste Jahrhundert standen im Mittelpunkt. Doch auch die aktuelle Streikproblematik kam zur Sprache.
Flankiert wurden die Reden von zwei historischen Flugzeugen im Hangar One: einer Junkers Ju 52 aus der Gründungszeit und einer restaurierten Lockheed Super Star – Symbole für hundert Jahre Luftfahrtgeschichte, die der Feier einen eindrucksvollen Rahmen gaben.
Beim Thema Arbeitskonflikte trennten sich der Ton der Redner deutlich. Kley griff die Spartengewerkschaften frontal an. Er sprach von einer "Dauerschleife von Tarifkonflikten" mit "immer schnellerer Eskalation und zunehmender Destruktivität". Solidarität und Verantwortungsbewusstsein nähmen ab, Selbstbezogenheit ersetze Sozialpartnerschaft. Den Schaden trügen vor allem die Kunden – und die Mitarbeiter, die die streikbedingten Probleme in mühsamer Arbeit beheben müssen. Diesen sprach er öffentlich seinen besonderen Dank aus.
An Bundeskanzler Merz richtete Kley eine direkte politische Forderung: Das deutsche Streikrecht habe sich so verändert, dass Arbeitgebern "nur noch ein Platz auf der Zuschauerbühne" bleibe. Er bat den Kanzler eindringlich, eine Debatte über die Kodifizierung des Streikrechts anzustoßen – bevor es zum noch größeren Wettbewerbsnachteil für Deutschland werde.
Kley bedankte sich für die Rücknahme der Steuererhöhung – mahnte aber, der Weg zu echter Entlastung sei noch lang. Er forderte zudem ein härteres Vorgehen gegen staatlich subventionierte Konkurrenz aus dem Ausland, insbesondere am Golf. Europäische Airlines verlören dramatisch Marktanteile nach Asien, warnte er – und damit verliere Europa "strategische Autonomie".
Spohr wählte in Sachen Streiks einen nüchterneren Ansatz. Er verwies darauf, dass das Multi-Hub-System der Gruppe bei Streiks in einem Heimatmarkt dafür sorge, dass drei Viertel der Flugzeuge trotzdem in der Luft bleiben. Die Spartengewerkschaften täten sich mit dieser Strategie "noch schwer" – aber: "Es gibt keine Alternative." Der Dialog müsse fortgesetzt werden. Dass am selben Tag vor dem Flughafen protestiert wurde, erwähnte er beiläufig, ohne es weiter zu kommentieren.
Spohr zeichnete trotz aller Herausforderungen ein optimistisches Bild der Branche. Der Luftverkehr sei seit hundert Jahren eine Wachstumsbranche und werde es bleiben – Prognosen gingen von einer erneuten Verdopplung des weltweiten Luftverkehrs bis 2050 aus. Die Lufthansa Group sei mit 14 Airlines, sechs Drehkreuzen und 140 Millionen Passagieren pro Jahr gut aufgestellt, um daran teilzuhaben.
Spohr erinnerte auch an die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft – ein Satz, den er angesichts der aktuellen Weltlage bewusst an den Kanzler adressierte: "Die transatlantische Partnerschaft ist auch heute noch das Rückgrat unseres Streckennetzes."
Merz spricht von 500-Millionen-Entlastungspaket
Der Kanzler nutzte seinen Auftritt, um das "Maßnahmenpaket für die Branche" zu feiern. Merz bekräftigte: "Weniger fliegen ist keine Option für den Wirtschaftsstandort Deutschland."
Die Erhöhung der Luftverkehrssteuer vom Mai 2024 wird zum 1. Juli zurückgenommen, die Flugsicherungsgebühren wurden gesenkt, die PTL-Quote bereits im Herbst gestrichen. Insgesamt entlaste das Paket die Branche mit rund 500 Millionen Euro jährlich.
Eine Ankündigung gab es dann auch noch: Oünktlich zur ILA im Sommer solle die nationale Luftverkehrsstrategie vorgelegt werden, die Synergien zwischen ziviler und militärischer Luftfahrt besser nutzen soll.
Den Abschluss des Festakts setzte Spohr mit einem Geschenk an den Kanzler: ein Modell des ersten Airbus A350-1000 in der Jubiläumslackierung – getauft auf den Namen "Deutschland". Die echte Maschine soll im Herbst in die Flotte kommen. Merz sagte zu, zur offiziellen Taufe zu erscheinen.