Boeing hat bei einer insgesamt verhaltenen Bestellrunde auf der Farnborough Airshow in dieser Woche knapp vor Airbus gelegen. Der US-Hersteller vermeldete feste und vorläufige Aufträge für 173 Flugzeuge, sein europäischer Rivale kam auf 154 feste und vorläufige Bestellungen. Das ergibt nach einer "Reuters"-Auszählung zusammen 327 Flugzeuge im Wert von mehreren zig Milliarden US-Dollar.
Die Zahl liegt im Rahmen der Erwartungen der Branche, die im Vorfeld der Messe von gut 300 Bestellungen ausgegangen war. Optimistischere externe Prognosen hatten dagegen bis zu 800 Flugzeuge in Aussicht gestellt.
Rechnet man Geschäfte heraus, die bereits ohne Nennung des Käufers in den Auftragsbüchern der Hersteller standen – darunter Boeings Anteil an einem großen Leasing-Auftrag –, verbleibt eine Gesamtsumme von 218 Flugzeugen. Das liegt leicht über der vorigen Farnborough-Messe 2024, aber deutlich unter dem zyklischen Höchststand von 1109 Bestellungen für die beiden marktbeherrschenden Hersteller im Jahr 2018.
Der einst große Bestell-Hype rund um die großen Flugschauen lässt seit einigen Jahren nach. Die Flugzeugbauer vermeiden angesichts eigener industrieller Probleme irritierende Signale, während die Fluggesellschaften an einer Rekordzahl bereits bestellter, aber noch nicht ausgelieferter Maschinen zu verdauen haben.
"Ich hatte keine hohen Erwartungen an große kommerzielle Bestellungen auf der Messe – nicht wegen des aktuellen makroökonomischen oder geopolitischen Klimas, sondern weil viele große Aufträge bereits vorliegen", sagte Luftfahrtanalyst John Strickland.
Größter Auftrag kommt von Leasinggesellschaft
Der größte Einzelauftrag der Woche kam von SMBC Aviation, dem zweitgrößten Leasinggeber der Welt. Das Unternehmen bestellte 200 Schmalrumpfflugzeuge und teilte den Auftrag zu gleichen Teilen zwischen den beiden Herstellern auf: 100 Maschinen des Typs Boeing 737 Max sowie 100 des Typs Airbus A320 Neo.
Der Deal unterstreicht die weiterhin starke Nachfrage nach Schmalrumpfflugzeugen, den Arbeitspferden im Kurz- und Mittelstreckenverkehr – trotz knapper Lieferslots und anhaltender Engpässe bei Zulieferern.
Rekordauftrag für Triebwerke
Abseits der großen Flugzeugstände sorgte ein Rekordauftrag für Aufsehen: Der Triebwerkshersteller CFM International erhielt eine Bestellung über mehr als 1000 Triebwerke des Typs Leap-1A. Sie sollen 500 bereits zuvor bestellte Airbus-Maschinen antreiben.
Ein früherer, teils durch niedrige Zinsen befeuerter Bestellboom bei Flugzeugen hat die Triebwerksindustrie stark unter Druck gesetzt und zu Teileengpässen sowie Verzögerungen bei der Wartung geführt. Sowohl CFM als auch "Pratt & Whitney", der andere große betroffene Zulieferer, erklärten, die industrielle Lage verbessere sich stetig.
Boeing ohne neue Baumuster auf der Messe
Airbus präsentierte auf der Messe den Airbus A350-1000 und prüft eine gestreckte Version, um Boeings verspätetem 777X-Programm Konkurrenz zu machen. Boeing selbst brachte keines seiner wichtigen zivilen Baumuster zur Schau – drei davon befinden sich derzeit im Zertifizierungsprozess.
"Die Nachfrage ist nicht das Problem", sagte Stephanie Pope, Chefin der Boeing-Sparte Commercial Airplanes. Die Hersteller konzentrieren sich derzeit vor allem darauf, ihre Produktion zu steigern, während Fluggesellschaften auf lange Wartezeiten für neue Maschinen eingestellt sind – ein Grund dafür, dass Flugschauen inzwischen weniger schlagzeilenträchtige Bestellungen und Auslieferungen hervorbringen als in früheren Jahren.