Thomas Cook stellt Antrag auf Gläubigerschutz in den USA

Bei Thomas Cook kommt es Ende des Monats zu einem entscheidenden Gläubiger-Treffen. Noch ist die Rettung nicht in trockenen Tüchern, wie die jüngsten Maßnahmen von Unternehmen und Behörden zeigen.

Flugzeuge der Thomas-Cook-Tochter Condor. © Thomas Cook

Die Thomas Cook Group hat in den USA im Rahmen einer umfassenden Umschuldung des britischen Reiseveranstalters den Schutz nach Chapter 15 beantragt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Gerichtsunterlagen vom 16. September, die im Southern District of New York eingereicht wurden.

Demnach vertritt die Anwaltskanzlei Latham & Watkins das Unternehmen. Kapitel 15 des US-Konkursrechts schützt ausländische Unternehmen vor Klagen von US-Gläubigern, während sie in einem anderen Land umstrukturieren. Die Einreichung des Gläubigerschutzes kann auch die Auszahlung der Ausfallversicherung für Thomas-Cook-Schulden auslösen.

Wie ein Unternehmenssprecher airliners.de sagte, sei der Chapter-15-Antrag - nicht zu verwechseln mit dem berüchtigten "Insolvenzantrag" Chapter 11 - bereits im Vorfeld angekündigt worden und schlicht eine rechtliche Notwendigkeit. Es sei etwas unglücklich, dass die entsprechenden Regeln in den USA unter der Bezeichnung "bankruptcy law" zusammengefasst seien.

Derzeit ist das in Großbritannien laufende Sanierungsverfahren des traditionsreichen Reiseveranstalters in einer entscheidenden Phase. Die Gläubiger werden am 27. September über ein vorgeschlagenes Verfahren abstimmen, mit dem das Unternehmen gerettet werden soll.

Viele Spekulationen um Condor-Zukunft

Dabei soll von den Gläubigern auf Schulden in Höhe von rund zwei Milliarden Dollar verzichtet werden, im Austausch gegen 15 Prozent des Eigenkapitals und neue Schuldverschreibungen in Höhe von rund 100 Millionen Dollar, die höher verzinst werden sollen als die bisherigen Außenstände. Nach dem Einbringen von mindestens rund 1,1 Milliarden Dollar an frischem Kapital in das Unternehmen soll die chinesische Investmentgesellschaft Fosun dann 75 Prozent der Anteile an dem Reiseveranstalter-Geschäft und 25 Prozent an der Thomas-Cook-Airline-Gruppe halten.

Die Mehrheit an den Airlines, zu denen auch die deutsche Condor gehört, soll an die Gläubiger-Banken gehen, die nach einhelliger Meinung in der Branche aber kaum ein Interesse haben dürften, diese langfristig zu halten. Aus Unternehmenskreisen heißt es, dass es Anzeichen gebe, dass die Banken zumindest einige Zeit an Bord bleiben, um einen vernünftigen Käuferzu finden.

Die Zukunft der Airline-Gruppe ist derzeit offen, auch eine Zerschlagung steht weiter im Raum. So machen derzeit Gerüchte die Runde, dass Tui, mitunter auch im Verbund mit Easyjet, Teile der Airlines übernehmen könnte, um zusammen mit der eigenen Tuifly einen neuen Ferienflieger zu schaffen.

Die englische "Times" berichtete zudem, dass sich die britische Luftfahrtbehörde auf einen möglichen Komplett-Ausfall der Thomas-Cook-Airlines vorbereitet. So würden Notfallpläne ausgearbeitet, um die Abholung "Hunderttausender" gestrandeter Passagiere aus dem Ausland zu organisieren.

Laut einem Unternehmenssprecher handelt es sich dabei jedoch um keinen ungewöhnlichen Schritt, da die britische Behörde auch die sogenannten Reisesicherungsscheine für den Charterverkehr in Großbritannien vergibt, was zum 1. Oktober ansteht. In Deutschland würde dies von privaten Anbietern übernommen. Man sei im Unternehmen zuversichtlich, die Policen auch in diesem Jahr unkompliziert zu erhalten.

Von: dk

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