Studie warnt vor Titan-Engpässen für Ausbau der zivilen Flugzeugproduktion, © airbus
Fertigungshalle des Airbus A320 in Tianjin: Bis 2020 will der Flugzeughersteller 184 Maschinen an chinesische Gesellschaften ausliefern. © airbus
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2018\/01\/airbus-tianjin-fal-_d3f6aca65eb0928533f96ad6255e5330__wide__824?v=1641834545","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 airbus"},"caption":"Fertigungshalle des Airbus A320 in Tianjin: Bis 2020 will der Flugzeughersteller 184 Maschinen an chinesische Gesellschaften ausliefern."}

Der Ausbau der zivilen Flugzeugproduktion in Europa könnte durch Engpässe bei kritischen Rohstoffen wie Titan und Seltenen Erden ausgebremst werden. Das geht aus einer neuen Studie der Beratungsgesellschaft Roland Berger hervor, die auf der Farnborough Airshow 2026 vorgestellt wird.

Die Untersuchung analysiert zwölf Rohstoffe, die die NATO als besonders kritisch einstuft – gemeinsam für die Luftfahrt- und die Verteidigungsindustrie, deren Ergebnisse aber maßgeblich auch die zivile Flugzeugfertigung betreffen.

Der Studie zufolge benötigen Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie zusammen in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich 600.000 bis 700.000 Tonnen Titan. Rund 60 Prozent davon entfielen auf Flugzeugstrukturen. Etwa die Hälfte des weltweit produzierten hochreinen Titanschwamms stamme derzeit aus China und Russland. Ohne einen deutlichen Ausbau von Produktions- und Recyclingkapazitäten außerhalb dieser beiden Länder drohe in den kommenden zehn Jahren eine Versorgungslücke von rund 100.000 Tonnen Titan, hieß es in der Studie.

Auch Seltene Erden zählten der Studie zufolge zu den kritischsten Rohstoffen für den Flugzeugbau. Sie werden unter anderem für Permanentmagnete in elektronischen Bordsystemen benötigt. China kontrolliere derzeit rund 90 Prozent der weltweiten Kapazitäten zur Verarbeitung und Veredelung Seltener Erden sowie zur Herstellung entsprechender Magnete. Neu entstehende Produktionskapazitäten außerhalb Chinas dürften vor allem von der Automobil-, Elektronik- und Energieindustrie beansprucht werden, warnt die Studie. Für die Flugzeugindustrie drohten dadurch zusätzliche Engpässe, sofern sich Hersteller nicht frühzeitig feste Kontingente sicherten.

Steigender Bedarf trifft auf globale Abhängigkeiten

Der Bedarf an kritischen Rohstoffen steigt der Studie zufolge vor allem durch den Hochlauf der zivilen Flugzeugproduktion. Europa konzentriere sich dabei überwiegend auf die Weiterverarbeitung der Rohstoffe, während Förderung und Verarbeitung größtenteils außerhalb des westlichen Bündnisses stattfänden.

Industrie und Politik müssten laut Roland Berger vor allem in den Ausbau heimischer Förder- und Verarbeitungskapazitäten, die Entwicklung alternativer Materialien und verstärkte Recyclingaktivitäten investieren – trotz technologischer, wirtschaftlicher und regulatorischer Hürden. Seit 2023 seien nach Angaben der Beratungsgesellschaft bereits mehr als 60 Milliarden Euro über Übernahmen, Beteiligungen und andere Transaktionen in kritische Rohstoffe außerhalb Chinas investiert worden. Hinzu kämen milliardenschwere öffentliche Förderprogramme in Europa und den USA.

Chinesische Anbieter drängen auf westliche Märkte

Wie stark diese Abhängigkeit bereits die Marktdynamik prägt, zeigte sich in dieser Woche auf der Farnborough Airshow selbst: Fast zwei Dutzend chinesische Unternehmen, darunter HST Titanium, Jinda Titanium und Baoji Yongshengtai, präsentierten dort Titanschwamm, Barren und Keramik-Bremsplatten und warben gezielt um Kunden aus der westlichen Luftfahrtindustrie. Die Firmen setzen darauf, dass die weltweit knappen Titanvorräte stärker ins Gewicht fallen als die Sorge vor US-Zöllen. Sie wollen sich damit einen Markt jenseits des heimischen, vom Flugzeughersteller COMAC dominierten Geschäfts erschließen.

"Es gibt einen starken internen Wettbewerb in China, und die Unternehmen wollen einen größeren Markt im Ausland finden", sagte Karolina Jackiewicz, Spezialmetall-Händlerin beim Rohstoffhändler CCMA, der chinesische Anbieter berät.

Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle auf chinesisches Titan hätten die Anbieter zunächst getroffen. Dennoch sehen Branchenvertreter weiterhin Chancen in den Vereinigten Staaten, wo das Angebot begrenzt ist und die heimische Produktion eingestellt wurde. Auch in Europa sei das Interesse groß: Mindestens drei chinesische Anbieter, die anonym bleiben wollten, erklärten, ihr Titan werde bereits in Flugzeugen von Airbus verwendet. Airbus reagierte auf eine entsprechende Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nicht.

Der Luftfahrtanalyst John Strickland wertete die starke chinesische Präsenz auf der Farnborough Airshow, einer der größten Luftfahrtmessen der Welt, als Ausdruck eines verstärkten Vorstoßes chinesischer Unternehmen in westliche Märkte. Chinesische Luft- und Rüstungsfirmen seien auf der gesamten Messe breit vertreten gewesen, angeführt von COMAC, das Boeing und Airbus im zivilen Flugzeugbau herausfordern wolle, für Schlüsseltechnologien wie Triebwerke aber weiterhin auf ausländische Zulieferer angewiesen sei.

Strickland geht davon aus, dass COMAC und chinesische Luftfahrtzulieferer künftig eine wachsende globale Rolle spielen werden. Voraussetzung sei jedoch, dass sie das Ökosystem aufbauen, das den Erfolg von Boeing und Airbus stützt – darunter Wartung und Reparatur, Ersatzteilversorgung, technische Unterstützung sowie Leasing-Dienstleistungen. Fluggesellschaften erwarteten von Herstellern einen Nachweis, dass sie eine solche Infrastruktur weltweit aufbauen könnten, sagte Strickland.

airliners+ Magazin

Jede Woche neue Impulse: Das digitale Wochenmagazin für die Luftverkehrswirtschaft. Ausgabe herunterladen und lesen
airliners+ Magazin 29/2026 Ausgabe herunterladen
und lesen
Titelbild: airliners+ Magazin 29/2026
Rocky Lo., © Air Canada
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/07\/design-ohne-titel-19-KyliLz__square__360?v=1784698710","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 Air Canada"},"caption":"Rocky Lo."}

"Der Airbus A321 XLR ist für Air Canada das perfekte Flugzeug für Berlin-Flüge"

Interview Nach sieben Jahren Abstinenz kehrt Air Canada nach Berlinnzurück und verbindet den BER zunächt dreimal pro Woche mit Montreal. Welche Rolle der neue Airbus A321 XLR dabei spielt, erläutert Rocky Lo, Managing Director International Sales bei Air Canada.

5 min
Ausgabe lesen
Artikel 4 – Volodymyr Bilotkach: Open Skies USA–EU, © airliners.de/KI
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/06\/open-skies-usa-eu-EYgvTj__square__242?v=1782229812","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 airliners.de\/ KI"},"caption":"Artikel 4 \u2013 Volodymyr Bilotkach: Open Skies USA\u2013EU"}
Analyse der Augenposition, © airliners.de/Andreas Sebayang
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/07\/dsc-8533-BZt50y__square__242?v=1784638333","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 airliners.de\/ Andreas Sebayang"},"caption":"Analyse der Augenposition"}
Einmal im Monat veröffentlicht die Luftrechts-Expertin Nina Naske auf airliners.de eine neue Kolumne., © dpa/Fotomontage: airliners.de
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2013\/07\/luftrecht_d2c01526df6ecea1e4aa59d883f5f9bb__square__242?v=1784720191","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 dpa\/ Fotomontage: airliners.de"},"caption":"Einmal im Monat ver\u00f6ffentlicht die Luftrechts-Expertin Nina Naske auf airliners.de eine neue Kolumne."}
Luftrechtskolumne (144)

Was sind eigentlich Service Bulletins?

Ankunft der deutschen Nationalmannschaft nach dem dritten WM-Gruppenspiel gegen Ecuador am Flughafen Smith Reynolds., © DPA/Christian Charisius
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/06\/5fb9b4009f734a36-OYWzFF__square__242?v=1782741123","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 DPA\/ Christian Charisius"},"caption":"Ankunft der deutschen Nationalmannschaft nach dem dritten WM-Gruppenspiel gegen Ecuador am Flughafen Smith Reynolds."}
Interessante Einträge aus dem airliners.de-Firmenfinder

TRAINICO GmbH

Kompetenz & Leidenschaft für die Luftfahrt

Zum Firmenprofil

ch-aviation GmbH

Accurate data and news on the airline industry.

Zum Firmenprofil

AHS Aviation Handling Services GmbH

The perfect team for every stop

Zum Firmenprofil

ADV Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen e.V.

Unsere Flughäfen: Regionale Stärke, globaler Anschluss

Zum Firmenprofil

RBF-Originals.de

Ihr Spezialist für "Remove Before Flight"-Anhänger

Zum Firmenprofil

IU International University of Applied Sciences

WIR SIND DIE IU!

Zum Firmenprofil

Wildau Institute of Technology e. V. (WIT)

Berufsbegleitender Aviation-Master und Weiterbildungsformate

Zum Firmenprofil

TEMPTON Personaldienstleistungen GmbH

Fachbereich Aviation

Zum Firmenprofil

GAS German Aviation Service GmbH

Deutschlands größtes FBO & Handling Netzwerk

Zum Firmenprofil

Hamburg Aviation

Für die Luftfahrt in der Metropolregion Hamburg.

Zum Firmenprofil

STI Security Training International GmbH

Wir trainieren Ihre Sicherheit.

Zum Firmenprofil

Hochschule Worms

Wissen, worauf es ankommt!

Zum Firmenprofil