Ryanair will ihre Passagierzahlen im Baltikum in den kommenden fünf Jahren mehr als verdoppeln und damit von der Krise von Air Baltic profitieren. Der irische Billigflieger kündigte an, bis 2031 jährlich elf Millionen Sitzplätze in Lettland, Estland und Litauen anzubieten und die Zahl der dort stationierten Flugzeuge von sieben auf 16 zu erhöhen.
"Dieses Angebot ist nach der Ankündigung von Air Baltic, die Flotte um ein Drittel zu verkleinern, umso wichtiger", erklärte Ryanair-Kommerzchef Jason McGuinness.
Die lettische Staatsairline hatte ein Gläubigerschutzverfahren nach US-Recht eingeleitet, ausgelöst durch die Folgen des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Bereits im August hatte Air Baltic angekündigt, die eigene Flotte bis Ende des Jahres von 54 auf 36 Maschinen zu reduzieren. Mittelfristig peilt die Fluggesellschaft für 2031 rund 40 Flugzeuge an, deutlich weniger als ein zuvor genanntes Ziel von 100.
Die Expansion im Baltikum ist Teil der langfristigen Wachstumsstrategie von Ryanair. Bis 2034 will die Airline ihre jährliche Passagierzahl auf 300 Millionen steigern, nach 208 Millionen im Geschäftsjahr bis Ende März 2026. Dazu soll ab 2027 die Auslieferung von 300 Boeing 737 Max 10 beitragen.
Weniger Kapazität in Litauen und Estland, mehr ab Riga
Kurzfristig will Ryanair wegen gesenkter Flughafengebühren im Winter zehn neue Strecken ab Riga anbieten, etwa nach Mailand, Alicante und Barcelona. In Litauen und Estland kürzt die Airline dagegen wegen gestiegener Gebühren die Winterkapazität um 25 Prozent. Die frei werdenden Flugzeuge sollen nach Unternehmensangaben in andere Länder verlagert werden, darunter die Slowakei, Polen, Italien und Schweden.
Luftfahrtmanager und Investoren werten die Krise von Air Baltic als Beispiel für einen branchenweiten Trend. Die durch den Konflikt zwischen den USA und dem Iran ausgelöste Kostenkrise könnte kleinere nationale Fluggesellschaften dazu zwingen, Strecken an größere, finanzstärkere Wettbewerber abzugeben, auch an Billigflieger wie Ryanair.