Die portugiesische Regierung hat die beiden europäischen Luftfahrtkonzerne Lufthansa und Air France-KLM aufgefordert, verbindliche Angebote für eine Übernahme der Fluggesellschaft Tap abzugeben.
Nach einer Kabinettssitzung am Donnerstag teilte Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz mit, die formellen Einladungen würden bis Ende April verschickt; verbindliche Angebote müssten bis Ende Juli vorliegen. Eine endgültige Entscheidung erwartet die Regierung im August oder Anfang September.
Beide Konzerne hatten Anfang April jeweils offiziell Interesse an einer Übernahme bekundet und nicht-bindende Angebote eingereicht, die neben einem Kaufpreisvorschlag auch industrielle und strategische Pläne sowie erwartete Synergien enthielten. Details wurden nicht genannt.
Pinto Luz beschrieb die Angebote als "weitgehend gleichwertig und sehr ambitionös" in strategischer, industrieller und finanzieller Hinsicht. "Bei so ähnlichen Angeboten, die alle Dimensionen erfüllen, könnte die finanzielle Bewertung von Tap am Ende naturgemäß eine entscheidende Rolle spielen", sagte der Minister.
Portugals Finanzminister Joaquim Miranda Sarmento wertete das Interesse der beiden Konzerne als Beleg für die Attraktivität des Unternehmens. "Zwei der drei großen europäischen Luftfahrtkonzerne sind im Rennen, was die Attraktivität des Unternehmens und des Landes unterstreicht", sagte er.
Brasilien-Verbindungen als Hauptargument
Für internationale Fluggesellschaften ist Tap vor allem wegen ihrer Verbindungen nach Brasilien, in die USA und ins portugiesischsprachige Afrika interessant. Portugal will insgesamt 49,9 Prozent seiner Tap-Anteile an einen strategischen Airline-Partner verkaufen, um das Streckennetz der Gesellschaft zu stärken.
Tap war 2020 im Zuge der Corona-Pandemie vom Staat gerettet und verstaatlicht worden. Im vergangenen September hatte Lissabon angekündigt, das Unternehmen wieder privatisieren zu wollen. Die Privatisierung war seither mehrfach verzögert worden.
Der spanisch-britische Konzern IAG – zu dem unter anderem Iberia und British Airways gehören – hatte ursprünglich ebenfalls Interesse angemeldet, verzichtete aber darauf, dieses zu formalisieren. Die Lufthansa, zu der auch Swiss, Eurowings, Brussels Airlines und Austrian Airlines gehören, hatte im vergangenen Jahr bereits Ita Airways aus Italien übernommen.