Der Flughafen Düsseldorf gehört schon heute zu den Airports mit einer ungewöhnlich komplexen Verkehrsanbindung. Als Point-to-Point-Airport sind andere Ansprüche zu erfüllen als etwa bei einem Drehkreuz wie Frankfurt am Main. Die meisten Fluggäste kommen an, reisen ab, aber nur wenige steigen um. Mit Eurowings gibt es zwar am Düsseldorfer Platz nennenswerten Umsteigeverkehr, doch der steht in keinem Verhältnis zu dem an großen Drehkreuzen.
Entsprechend muss die landseitige Infrastruktur ausgelegt sein. So hat der Flughafen Düsseldorf nach eigener Darstellung rund 20.000 Parkplätze. 2019 war das nicht genug, so musste der Flughafen noch Plätze des Messegeländes nutzen. Verglichen mit anderen Flughäfen ist das enorm: Der sehr viel größere Flughafen Frankfurt hat gerade einmal 15.000 öffentliche Parkplätze.
Hier kommt die neue Düsseldorfer Stadtbahnlinie U81 ins Spiel. Die Erweiterung der Stadtbahn, die in Düsseldorf zum Teil unterirdisch wie eine U-Bahn und zum Teil oberirdisch wie eine Straßenbahn verkehrt, ist ein wichtiges Element für die zukünftige Intermodalität des Flughafens. Ihr Bau am Flughafen hat bereits deutliche Fortschritte gemacht.
Von der Tunnelmündung (rechts) bis zur Rampe zum Nordstern. © airliners.de / Andreas Sebayang
Sie soll den Flughafen unter anderem mit dem Bereich rund um die Messe und das Stadion verbinden. Vor allem soll sie aber direkt nach Süden in die Innenstadt von Düsseldorf fahren. Damit wird sie für Passagiere und Flughafenpersonal auf vielen Relationen schneller als die anderen Bahnanbindungen des Flughafens.
Der Flughafen rechnet zusätzlich damit, dass mit der Infrastruktur der U81 auch der Bus-Event-Verkehr eingestellt werden kann. Bisher fahren bei großen Veranstaltungen Busse zwischen Messe und Flughafen, die allerdings nicht besonders schnell durch den Verkehr und den Stau kommen.
Das große Kreuz von Autobahn A44 und die B8 (der sogenannte Nordstern) ist heute schon stark belastet. Vor allem im Berufsverkehr ist die Staugefahr hoch.
Die Überwerfung der U81 über den Nordstern. © airliners.de / Andreas Sebayang
Die U81 hingegen nutzt eine riesige Überwerfung über den Nordstern und braucht in Richtung Freiligrathplatz – der nächsten Haltestelle nahe der Messe – nur ein paar Minuten. Die Umgehung des stark belasteten Nordsterns wäre ein "Vorteil", wie etwa Dr. Andreas Kraus als Leiter der Abteilung Corporate Development des Flughafens airliners.de sagt.
Betriebliche Details und Weiterführungen
Konkrete Szenarien und Takte für die neue U-Bahn gibt es aber noch nicht. Dafür ist es laut Rheinbahn auch noch zu früh.
Ob es etwa einen Messe-Event-Verkehr mit einer eigenen Linie zwischen Flughafen und Messe geben wird, steht noch nicht fest, so naheliegend dies auch sein mag. Die prinzipielle Möglichkeit für einen Messe-Flughafen-Verkehr ist längst gegeben. Dafür müssten Züge am Freiligrathplatz nach Westen abbiegen. Die notwendigen Weichen und Gleise für diese Linienführung lagen dort schon vor Baubeginn der U81.
Freiligrathplatz: Hier könnte die U81 in die Innenstadt fahren (geradeaus) oder nach rechts zur Messe abbiegen. © airliners.de / Andreas Sebayang
Immerhin gibt es bereits ein Beispiel einer zukünftigen Fahrzeitverringerung: In einer späteren Ausbaustufe, wenn auch Neuss über den Rhein mit dem Flughafen angebunden wird, reduziert sich die Fahrzeit von der Stadtgrenze Neuss (Handweiser) von 38 auf etwa zehn Minuten, so die Rheinbahn auf Nachfrage. Die Messe liegt auf halbem Weg.
Sichtbare Fortschritte und doch späte Eröffnung
Auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar sind die Verzögerungen beim Bau der U81. Eigentlich sollte die Strecke schon im Jahr 2024 eröffnet werden. Aktuell ist 2025 angepeilt. Oberflächlich betrachtet sieht die Strecke auch fast fertig aus. Auf der Überwerfung liegt schon ein Gleis, wenn auch noch nicht in Endlage.
Zwischen Terminal und Maritim-Hotel liegt der unterirdische Stadtbahnhof der U81. © airliners.de / Andreas Sebayang
Auch die Einfädelung am Freiligrathplatz, also Richtung Messe/Innenstadt, ist fast fertig. Aktuell wird diese eingleisig umfahren, weil der Gleisanschluss finalisiert wird. Dieses Bauprojekt sieht aus, als wäre seine Fertigstellung eine Frage von wenigen Monaten oder gar Wochen.
Die Tunnelrampe am Flughafen in Richtung des neuen unterirdischen Bahnhofs hat sogar schon sauber gelegte Gleise. Wie es um den Bahnhof bestellt ist, bleibt aber unklar. Er macht oberflächlich betrachtet einen fortgeschrittenen Eindruck, sieht aber nicht so fertig aus, wie der Rest der Infrastruktur.
Baustelle der U81 vor dem Flughafen © airliners.de / Andreas Sebayang
Ob der Bahnhof der Grund für die Verzögerungen ist? Die Rheinbahn verwies auf Nachfrage auf die Stadt Düsseldorf. Die Stadt Düsseldorf bestätigte, dass nach dem derzeitigen Sachstand eine Fertigstellung Mitte 2025 zu erwarten ist. Gründe dafür sind unter anderem eine "Umplanung der Deckenkonstruktion" des unterirdischen Bahnhofs. Auch der Lockdown und der Ukraine-Konflikt sorgen für Verzögerungen, so die Stadt.
Offiziell heißt es auf der Baustellen-Webseite, dass die Strecke im Jahr 2025 zur Verfügung stehen wird. Zudem heißt es, dass eine "unvorhersehbare Umplanung, die sich aus einer statischen Nachweisrechnung ergeben hat" notwendig wurde.
U81 als Kernelement für den intermodalen Hub
Neben der Erweiterung gen Westen gibt es noch eine weitere große Erweiterung für die 2030er-Jahre. Die U81 soll nämlich in Richtung Fernbahnhof und sogar darüber hinaus weitergebaut werden. Der Flughafenbahnhof der Stadtbahn wird dann zu einem Durchgangsbahnhof.
Neben der U81-Erweiterung wird aber auch der Fernbahnhof am Flughafen weiter ausgebaut. In Zukunft soll der Rhein-Ruhr-Express mit zwei dedizierten Gleisen den Bahnhof anfahren. Dafür wird ein neuer Bahnsteig errichtet. Wer den Bahnhof kennt, der weiß, dass im Flughafen-Schutzbauwerk, das unter die Landebahn hindurchführt, auf der westlichen Seite auch noch Platz vorhanden ist.
Umfangreiche Umbauten am Fernbahnhof von Düsseldorf © Deutsche Bahn / DB Netz
Der Flughafen erhofft sich damit eine Stärkung des Fernbahnhofs, der derzeit recht wenige Fernverbindungen bietet. Aus vielen Gebieten der Umgebung wäre – dank der U81 – der Flughafenbahnhof am Flughafen leichter zu erreichen als der Düsseldorfer Hauptbahnhof.
Dementsprechend wünscht man sich am Flughafen auch eine bessere Integration, wie es sie etwa in Frankfurt mit Lufthansa Express Rail gibt. Schließlich sollen die Flughäfen intermodaler werden, so der Flughafen. Und die Voraussetzungen in Düsseldorf seien dafür ideal.
Die Rheinbahn erhofft sich zudem mit der U81 eine Entlastung der Innenstadt, da die Fahrgastströme aus den linksrheinischen Stadtgebieten teils über den Flughafen geleitet werden können.
Die Hängebahn mit neuem Forschungsprojekt für Fahrgastströme
Mit der S-Bahn und demnächst der U-Bahn wird der Flughafen Düsseldorf schon sehr gut und vor allem aus mehreren Richtungen angebunden. Doch passt da die Hängebahn noch herein?
Die Hängebahn über die S-Bahn-Trasse, die vermutlich von der U81 in den 2030er-Jahren mit genutzt werden wird. © airliners.de / Andreas Sebayang
Das kann man eindeutig bejahen, denn der Skytrain ist in Düsseldorf ein Feinverteilungssystem zwischen Parkhäusern, Terminals und dem Fernbahnhof, der zunehmend an Bedeutung gewinnen wird.
Zwar ist irgendwann in den 2030er-Jahren eine redundante Verbindung dank der U81 zu erwarten, wenn diese zum Fernbahnhof gebaut wird. Doch der Skytrain fährt deutlich häufiger. Zudem ist der Weg vom Terminal zum unterirdischen Stadtbahnhof am Flughafen aufwendiger wäre als der Weg über die Hängebahn.
Blick auf die U81-Baustelle von der Airport City. Links das Terminal samt Hängebahn, rechts das Maritim. © airliners.de / Andreas Sebayang
Mit einem Taktabstand von 2:48 Minuten mit den fünf Zuggarnituren (plus eine Reserve) bleibt das System sehr leistungsfähig und kann bedarfsgerecht eingesetzt werden, da es nur Personal in der Leitstelle braucht, nicht aber in den Zügen.
Die Hängebahn soll in Zukunft sogar noch weiter optimiert werden. Mithilfe einer künstlichen Intelligenz und weiteren Daten – auch anderer Verkehrssysteme – soll der voraussichtliche Bedarf berechnet werden, ehe die Fahrgäste ankommen.
Dazu gehört auch eine Erfassung am Flughafen selbst. Laut dem Flughafen arbeitet das System mit zwei Kamerasensoren im Stereobetrieb, das zuverlässig die Anzahl der Fahrgäste zählen können soll, ohne dabei etwa versehentlich größere Koffer als Fahrgast zu interpretieren. Basierend auf den Daten sollen dann in Zukunft mehr oder weniger Züge auf die Strecke geschickt werden können.
Die ersten Sensoren sind mittlerweile auch schon installiert, wie der Flughafen angab. Wer genau hinschaut, findet diese auch schon. Man erkennt sie an einer flachen weißen Platte mit zwei dunklen Sensoren.
Die Sensoren für das Fahrgastzählprojekt der Flughafen-Hängebahn. © airliners.de / Andreas Sebayang
Die Hängebahn bleibt also im Fokus des Flughafens. Da der Platzbedarf des Systems sehr gering ist, ist ein Hängebahnsystem im engen Umfeld des Flughafens Düsseldorf ideal für die Feinverteilung. Prinzipiell würde sich eigentlich eine Weiterführung des Skytrains in das Entwicklungsgebiet südwestlich der Terminals anbieten. Es kommen perspektivisch noch mehr Bauten zu der Airport City dazu.
Hier könnte die Hängebahn durch: Die Airport City wird noch um zahlreiche Bauten erweitert. © Flughafen Düsseldorf
Der Skytrain müsste dafür nur über die neue unterirdische Stadtbahn-Haltestelle zu den Bürobauten verlängert werden, wo auch die Flughafengesellschaft ihre Büros hat. Zwei bis drei neue Haltestellen erscheinen realistisch, wie eine Begehung des Areals durch airliners.de ergibt.
Hier könnte die Hängebahn des Düsseldorfer Flughafens zur Airport City weitergebaut werden. © airliners.de / Andreas Sebayang
Pläne für einen eventuellen Weiterbau gibt es laut dem Flughafen interessanterweise allerdings nicht. Wie einfach eine Erweiterung wäre, zeigte sich auf dem Universitätscampus Dortmund. Die dortige H-Bahn ist der Vorläufer des Skytrain-Systems und wurde zuletzt 2003 erweitert, was bei Hängebahnsystemen aufgrund vorgefertigter Teile schnell möglich ist.
Weitere Planungen des gesamten Areals
Der Euref-Campus am Flughafen-Fernbahnhof im Bau. © airliners.de / Andreas Sebayang
Die Bereiche um den Flughafen Düsseldorf werden derweil deutlich weiterentwickelt. Neue und intelligentere Bahnverbindungen sowie der Ausbau der Airport City machen den Flughafen zu einem intermodalen Hub. Doch das ist nicht alles. Für das gesamte Flughafengelände wird derzeit ein neuer Masterplan erarbeitet und auch Forschung zum Thema Verkehr wird am Flughafen in Bälde nicht nur an der Hängebahn betrieben.
Ergänzend wird aktuell direkt am Fernbahnhof der zweite Euref-Campus gebaut, der direkt ans Bahnhofsgebäude angeschlossen wird. Dort sollen sich Unternehmen mit dem Schwerpunkt auf Mobilitätsforschung ansiedeln. Selbst ein Flugtaxilandeplatz ist vorgesehen.
Der Euref-Campus am Fernbahnhof inklusive Vertiport. © Euref AG
Von den 80.000 Quadratmetern sind laut Rheinische Post immerhin die Hälfte schon gefüllt. Bis Ende 2025 sollen dort mehr als 4000 Menschen arbeiten.