Der angekündigte Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran hat den Ölpreis deutlich fallen lassen. Der Preis für die Nordseesorte Brent verbilligte sich um rund 16 Prozent auf etwa 92 US-Dollar (rund 79 Euro) je Barrel – der tiefste Stand seit Mitte März. Auch die US-Sorte WTI gab in ähnlichem Ausmaß nach. Zuvor war der Ölpreis infolge des Konflikts auf ein Vier-Jahres-Hoch gestiegen.
US-Präsident Donald Trump (Republikaner) erklärte, er habe mit dem Iran eine zweiwöchige Waffenruhe vereinbart, die die sofortige und sichere Wiedereröffnung der Straße von Hormus zur Bedingung hat. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi bestätigte die Einigung und erklärte, die Durchfahrt durch die Meerenge werde für die Dauer der Waffenruhe sicher gewährleistet.
Für die Luftfahrtbranche wäre ein dauerhafter Rückgang des Ölpreises eine erhebliche Entlastung. Seit Beginn des Konflikts hatte sich das Kerosinpreisniveau nahezu verdoppelt. Treibstoff ist nach den Personalkosten der zweitgrößte Kostenblock für Fluggesellschaften. Zahlreiche Airlines hatten daraufhin vor allem zahlreiche Flüge gestrichen und weitere operative Maßnahmen ergriffen.
IATA-Generaldirektor Willie Walsh dämpfte allerdings zu hohe Erwartungen: Selbst bei dauerhafter Öffnung der Straße von Hormus dürfte die globale Kerosinversorgung noch Monate brauchen, um sich zu normalisieren – unter anderem wegen massiver Schäden an der Raffineriekapazität im Nahen Osten.
Seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran war die Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr faktisch gesperrt. Durchfahrende Schiffe mussten mit Angriffen rechnen, was den Kerosin-Engpass für Airlines weltweit verschärfte und in zahlreichen Ländern zu Versorgungsengpässen führte. Unklar bleibt, wie sich Israel im Rahmen der Waffenruhe verhalten wird.
Airline-Aktien in Asien legen zu
An den Aktienmärkten reagierten Fluggesellschaften in Asien mit kräftigen Kursgewinnen.
Die Aktie von Qantas sprang um mehr als neun Prozent, Indigo gewann zeitweise bis zu zehn Prozent. Cathay Pacific stieg um fünf Prozent, Air New Zealand legte über vier Prozent zu.
Auch Aktien von United Airlines, Delta Air Lines und American Airlines legten jeweils mehr als sieben Prozent zu – eine Gegenbewegung nach wochenlangem Druck durch gestiegene Kerosinkosten.
Hintergrund der starken Kursreaktionen: Die Kerosinkosten hatten sich vor allem für viele asiatische Airlines seit Kriegsbeginn als besonders drückend erwiesen, da ein Großteil der regionalen Treibstoffversorgung über Hormus läuft und viele Carrier kaum durch Hedging abgesichert sind.