Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran kappt rund ein Fünftel der weltweiten Kerosinversorgung auf dem Seeweg und trifft vor allem Asien. Der Iran-Krieg trifft Luftverkehr hart. Airlines in importabhängigen Ländern wie Vietnam, Myanmar und Pakistan arbeiten bereits im Krisenmodus. Fluggesellschaften streichen Flüge, nehmen zusätzlichen Treibstoff an Bord oder legen Tankstopps ein.
"In meinen Gesprächen mit Fluggesellschaften stelle ich fest, dass sie sehr besorgt über die Zukunft sind", sagte Shukor Yusof, Gründer der Luftfahrtberatung Endau Analytics. "Denn wir wissen nicht, wann der Krieg enden wird und wann die Lieferkette aus der Golfregion wiederhergestellt sein wird."
China und Thailand haben Kerosinexporte bereits eingestellt, Südkorea begrenzt die Mengen.
Die Billigfluglinie Air Asia X nimmt in Malaysia zusätzlichen Treibstoff an Bord, bevor sie zu Flughäfen in Vietnam fliegt, wie Vorstandschef Bo Lingam erklärte. "Es ist nicht so, dass sie uns keinen Treibstoff geben, aber sie begrenzen die Menge." Piloten werden angewiesen, aus dem Ausland die maximale Treibstoffmenge mitzubringen. Diese als "Tankering" bekannte Praxis ist jedoch kostspielig, da das Mitführen von zusätzlichem Treibstoff den Verbrauch erhöht.
Flugstreichungen und Kapazitätskürzungen
Die Verdopplung der Kerosinpreise seit Beginn des Iran-Krieges hat Fluggesellschaften zu Kapazitätskürzungen veranlasst. Vietnam Airlines hat nach Angaben der Luftfahrtbehörde des Landes 23 Inlandsflüge pro Woche gestrichen, um Treibstoff zu sparen. Batik Air Malaysia hat ihre Inlandskapazität um 36 Prozent gekürzt. Vorstandschef Chandran Rama Muthy bezeichnete die Kürzungen als notwendige und proaktive Reaktion auf ein "Krisenumfeld".
Selbst bei Flugstreichungen sinkt die Nachfrage der Airlines nicht schnell genug, um mit dem Rückgang des Kerosinangebots Schritt zu halten. Nach Berechnungen von Reuters werden durch den Rohöl-Engpass aus dem Nahen Osten pro Tag mindestens 400.000 Barrel Kerosin in der Asien-Pazifik-Region weniger produziert. Branchenkenner schätzen, dass die Flugausfälle die Nachfrage in Asien im April nur um rund 50.000 bis 100.000 Barrel pro Tag senken. Da die Raffinerien weniger produzierten, könnten fehlende Mengen nicht einfach ersetzt werden, erklärte Ölanalyst Alex Yap von Energy Aspects. "Wir stehen erst am Anfang dieses Zyklus von Flugstreichungen", warnte Ellis Taylor, Asien-Redakteur beim Luftfahrtdatenanbieter Cirium.
Lufthansa prüft Grounding von bis zu 40 Flugzeugen
Auch der Lufthansa-Konzern bereitet sich auf eine Versorgungskrise vor. Seit Beginn des Iran-Kriegs ist die Straße von Hormus nicht mehr sicher passierbar. "Die Frage der Verfügbarkeit von Flugkraftstoff ist an einigen asiatischen Flughäfen bereits jetzt schwierig", sagte Grazia Vittadini, Vorständin für Technik, IT und Innovation, im Interview mit der "Welt am Sonntag". "Je länger die Straße von Hormus blockiert bleibt, desto kritischer kann die Versorgungssicherheit mit Kerosin werden."
Konzernchef Carsten Spohr bestätigte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", es werde geprüft, im ersten Schritt 20 Flugzeuge – rund 2,5 Prozent der Kapazität – aus dem Betrieb zu nehmen. Notfalls sollen 40 Jets am Boden bleiben. Erste Flughäfen in Asien nähmen keine zusätzlichen Flüge mehr an; manche Strecken könnten defizitär werden, wenn höhere Ticketpreise die Nachfrage dämpften. Bislang seien die Auswirkungen für die Passagier-Airlines der Gruppe noch weitgehend abgepuffert: "Für unsere Passagier-Airlines wird der Ölpreisanstieg durch eine Absicherungsquote von 80 Prozent des Treibstoffbedarfs im laufenden Jahr noch weitgehend abgepuffert. Aber natürlich treffen auch uns die steigenden Kerosinpreise", sagte Vittadini.
Im Falle einer länger andauernden Krise könnten auch in Europa Flüge gestrichen werden, erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary. "Wenn im Juni, Juli oder August zehn oder 20 Prozent der Treibstoffversorgung gefährdet sind, dann müssen wir und andere Fluggesellschaften damit beginnen, über das Streichen einiger Flüge nachzudenken." Analysten zufolge sind Asien, Europa und Afrika am stärksten betroffen, während die USA über reichlich heimische Vorräte verfügen.