Die amerikanische Flugunfalluntersuchungsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB) hat mitgeteilt, in ihrer Untersuchung eines Zwischenfalls mit einer Boeing 737 NG der Ryanair weder Alters- noch Wartungsprobleme als Ursache ausgeschlossen zu haben. Damit widerspricht die Behörde Ryanair-Group-Chef Michael O'Leary, der zuvor erklärt hatte, ein erstes Ergebnis der Untersuchung deute auf einen Fremdkörperschaden hin – und nicht auf das Alter oder den Wartungszustand des Flugzeugs.
"Das NTSB hat keine solche Feststellung getroffen, und unsere Ermittler haben Alters- oder Wartungsprobleme als Mitursache für dieses Ereignis noch nicht ausgeschlossen", schrieb NTSB-Vorsitzende Jennifer Homendy in einem Brief an O'Leary. Zugleich warf sie dem Ryanair-Group-Chef vor, mit seinen Äußerungen gegen die Offenlegungsregeln der Behörde für Verfahrensbeteiligte verstoßen zu haben. Homendy forderte O'Leary auf, sich künftig weiterer öffentlicher Stellungnahmen zu der Untersuchung zu enthalten.
Ryanair und Boeing reagierten zunächst nicht auf Anfragen zu einer Stellungnahme.
Das NTSB untersucht einen Vorfall vom 10. Juli, bei dem sich ein Teil des Triebwerks löste und kurz nach dem Start im griechischen Thessaloniki ein Fenster der Maschine zerschlug – das geht aus einem Video sowie Angaben der amerikanischen Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) hervor. Die Maschine war auf dem Weg nach Deutschland, verlor an Kabinendruck und musste eine Notlandung durchführen.
Ermittlungen und Bericht
O'Leary hatte gegenüber Analysten erklärt: "Erste Hinweise deuten darauf hin, dass es sich beim Start in Thessaloniki um einen Fremdkörperschaden am Triebwerk handelt, aber wir können das nicht mit Sicherheit sagen." Der Ryanair-Group-Chef erklärte weiter, die Maschine sei 18 Jahre alt gewesen, das Triebwerk sei innerhalb der vergangenen zwei Jahre vollständig gewartet und überholt worden. Ein Untersuchungsbericht solle in etwa 28 Tagen vorliegen, gefolgt von einem ausführlicheren Bericht.
Der Vorfall weist Parallelen zu zwei Zwischenfällen mit Boeing 737 NG der Southwest Airlines aus den Jahren 2016 und 2018 auf. Das habe zu einer erneuten Prüfung des damaligen Vorgehens geführt, sagte FAA-Chef Bryan Bedford vergangene Woche der Nachrichtenagentur "Reuters". Die ersten Hinweise deuteten allerdings nicht darauf hin, dass sich der aktuelle Ryanair-Fall mit dem Southwest-Vorfall vergleichen lasse, fügte er hinzu.