Der Zwischenfall an Bord einer Boeing 737-800 der Ryanair-Tochter Malta Air geht offenbar auf ein "Uncontained Engine Failure" zurück.
Wie die Nachrichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Flughafenquellen berichtet, brachen während des Steigflugs Schaufeln des rechten Triebwerks und durchschlugen eine Fensterscheibe der Passagierkabine.
In sozialen Netzwerken verbreitete Videos der beschädigten Maschine zeigen das Triebwerk mit zerstörten Fanschaufeln sowie teilweise durchschlagener Ummantelung – das typische Bild eines Uncontained Engine Failures.
Bei einem solchen Ereignis versagen Bauteile im Inneren des Triebwerks und durchschlagen die Ummantelung, anstatt sicher eingefangen zu werden.
Bei dem betroffenen Triebwerk handelt es sich um ein CFM56-7B von CFM International, einem Gemeinschaftsunternehmen von GE Aerospace und Safran. Der Motor treibt praktisch alle Boeing 737 der Next-Generation-Familie an.
CFM erklärte, das Unternehmen unterstütze die zuständigen Behörden bei der Untersuchung; Sicherheit habe oberste Priorität. Boeing teilte mit, man stehe in Kontakt mit Ryanair und arbeite den Ermittlern zu.
Ryanair-Flug FR-1879 war am Freitagmorgen von Thessaloniki nach Memmingen gestartet, ehe die Crew nach dem Zwischenfall im Steigflug umkehrte und sicher zum Ausgangsflughafen zurückkehrte.
Ein weiteres Video aus der Kabine zeigt den Passagier, der aufrecht und offenbar bei Bewusstsein neben der geborstenen Scheibe sitzt. Er wurde nach der Landung in einem Krankenhaus medizinisch versorgt.
Fanschaufel-Brüche sind selten, gelten in der Zertifizierung aber als sicherheitskritisches Ereignis. Im April 2018 hatte sich an einer Boeing 737-700 von Southwest Airlines ein vergleichbarer Vorfall ereignet: Eine gebrochene Fanschaufel eines CFM56-7B löste einen "Uncontained Engine Failure" aus, Triebwerksteile beschädigten die Kabine, eine Passagierin wurde getroffen und starb. Bereits 2016 war eine andere Southwest-Maschine desselben Musters von einem ähnlichen Schaden betroffen gewesen, allerdings ohne Verletzte.
Nach den Southwest-Vorfällen hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA Lufttüchtigkeitsanweisungen herausgegeben, die zusätzliche Inspektionen der Fanschaufeln sowie eine verstärkte Konstruktion der Triebwerksverkleidung vorsehen, damit Bauteile die Triebwerksummantelung nicht durchschlagen können. Die Frist für die vollständige Umsetzung an der weltweiten Flotte läuft laut "The Air Current" bis zum 31. Juli 2028.