Sie lesen einen kurzen Auszug aus den täglichen airliners+ "Gedankenflügen" der vergangenen Woche. Die Kolumne über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen des Tages lesen Abonnenten jeden Abend im airliners+ "Abend-Briefing". Es kommt montags bis freitags immer um 18 Uhr per E-Mail. Sie sind noch kein Abonnent? Jetzt einen Monat für nur einen Euro testen.
Regulierungsgedanken
Eine Studie von Steer für das Europäische Parlament legt offen, was viele in der Branche längst ahnen: Europäische Fluggesellschaften stehen unter doppeltem Druck – und geraten auf mehreren Seiten ins Hintertreffen.
Das Überflugverbot über Russland kostet sie auf Routen nach China bis zu 29 Prozentpunkte Marktanteil – weil chinesische Carrier weiterhin den direkten Weg über russisches Territorium fliegen dürfen, während beispielsweise die Lufthansa teure Umwege in Kauf nehmen muss. Daran lässt sich auf absehbare Zeit wohl wenig ändern.
Was sich ändern ließe, ist eine andere Vorgabe. Die EU-Klimapolitik – EU-ETS und "RefuelEU"-Aviation – kostet europäische Airlines schon heute 7,57 Euro pro Passagier. Bis 2030 sollen es rund 15 Euro sein. E-SAF soll zudem ab 2030 verpflichtend beigemischt werden. Kommerzielle E-SAF-Produktionsanlagen gibt es mit einer finalen Investitionsentscheidung in Europa aber noch keine einzige. Und Quoten bringen so lange nichts, wie es auch keinen entsprechenden Kraftstoff gibt.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Branche darf sich damit nicht vor ihrer Verantwortung verstecken. Europa darf seine Airlines aber auch nicht den Gegebenheiten ohne weiteres ausliefern. Der Staat muss Investoren absichern, die in die E-SAF-Produktion einsteigen wollen. Europa braucht dafür vor allem eine echte Luftfahrtstrategie. Und vor allem: Was europäische Airlines zahlen müssen, muss auch für ihre Wettbewerber gelten.
Solange europäische Airlines auf dem Weltmarkt die einzigen sind, die für den globalen CO2-Ausstoß zahlen, ist das kein Klimaschutz, sondern klassische Wettbewerbsverzerrung.
Partygedanken
Von echter Entlastung ist die Branche also noch weit entfernt – und das nicht nur auf europäischer Ebene. Auch im eigenen Land zeigt sich, wie zaghaft die Politik bislang handelt.
Keine Jubelstürme, keine knallenden Sektkorken, erst recht kein Autokorso. Genau das ist vergangene Woche ausgeblieben – zur Senkung der Luftverkehrsteuer. Nachvollziehbar: Mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein ist sie eben nicht.
Ganz so still blieb es dennoch nicht. Joachim Lang kritisiert in den "Standpunkten" im airliners+ Magazin der vergangenen Woche, dass die Luftverkehrsteuer ursprünglich als befristeter Ausgleich neben dem EU-Emissionshandel gedacht war. Durch die Abschaffung des Absenkungsmechanismus 2024 sei daraus jedoch eine dauerhafte Doppelbelastung von rund 2,3 Milliarden Euro geworden. Lang fordert die Wiedereinführung dieses Mechanismus – und warnt, dass die Politik damit nicht nur der Luftfahrtbranche schadet, sondern dem Vertrauen der gesamten Wirtschaft in eine verlässliche Standortpolitik.
Und ganz ehrlich: Wer glaubt da wirklich noch an nachhaltige Entlastungen für die Branche? Wohl dieselben, die schon den Sekt für den Weltmeisterjubel kaltgestellt hatten.
Tipp: Noch mehr Gedankenflüge gibt es zum Hören: Den airliners.de-Podcast "Gedankenflüge" gibt es überall, wo es Podcasts gibt.