Beim BDL-Forum "Wertschöpfung des Luftverkehrs" in Berlin haben sich die Verbände AUMA, BTW, DRV und DSLV hinter die Forderungen der Luftverkehrswirtschaft gestellt. Vertreter der Verbände machten deutlich, dass mangelnde Konnektivität am Luftverkehrsstandort Deutschland nicht nur Airlines und Flughäfen trifft, sondern auch Messen, Lieferketten und den Tourismus.
Der BDL hatte die Verbände zu dem Forum eingeladen. Die beteiligten Verbände repräsentieren zusammen rund vier Millionen Beschäftigte und einen Jahresumsatz von über 500 Milliarden Euro.
"An guter internationaler Anbindung hängen unter anderem Messen, Lieferketten, Tourismus, Exportgeschäft und regionale Entwicklung", sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Die beschlossene Senkung der Luftverkehrsteuer sei ein wichtiger erster Schritt. Nun müssten weitere Maßnahmen folgen.
Messen, Logistik, Tourismus: Abhängigkeit vom Luftverkehr
AUMA-Geschäftsführer Jörn Holtmeier sagte, Deutschland beherberge zwei Drittel aller Weltleitmessen. Ohne funktionierende Luftanbindung ließen sich internationale Aussteller und Besucher aus mehr als 240 Ländern nicht nach Deutschland bringen. Fehlende Konnektivität verändere reale Standortentscheidungen – auch bei internationalen Veranstaltern, die Kongresse und Formate neu vergeben. Die Messewirtschaft stehe für 30 Milliarden Euro Wertschöpfung und 5,4 Milliarden Euro Steuereinnahmen jährlich.
Lars Purkarthofer von UPS Deutschland sagte, Luftverkehr sei der Kern des Geschäftsmodells der Expresslogistik. Ohne ihn ließen sich Kunden nicht wettbewerbsfähig mit internationalen Märkten verbinden. Als dringlichste politische Forderung nannte er die Reform der Einfuhrumsatzsteuer.
BTW-Präsident Sören Hartmann und DRV-Präsident Albin Loidl betonten, dass 47 Prozent der deutschen Auslandsreisenden fliegen und internationale Gäste jährlich 36 Milliarden Euro in Deutschland ausgäben. Das touristische Flugangebot liege inzwischen über Vor-Pandemie-Niveau; der innerdeutsche Verkehr habe sich dagegen gegenüber 2019 nahezu halbiert. Fehlende Verbindungen hinderten den Tourismus an weiterem Wachstum.
Kostenlücke noch nicht geschlossen
Lang bezifferte den Bedarf auf rund 15 Euro Entlastung pro Passagier. Die jüngste Absenkung der Luftverkehrsteuer habe 2,50 Euro gebracht. Lars Redeligx, Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafen Düsseldorf, ergänzte, die staatlich determinierten Standortkosten in Deutschland seien doppelt so hoch wie im europäischen Durchschnitt.
Pro Flugzeug und Jahr entstehe damit ein Kostennachteil von drei bis vier Millionen Euro gegenüber günstigeren europäischen Standorten. Deutschland liege bei der Angebotserholung erst bei rund 82 bis 83 Prozent des Vor-Pandemie-Niveaus; der Rest Europas habe dieses Niveau um rund 20 Prozentpunkte übertroffen.
Parlamentarische Staatssekretärin Gitta Connemann (CDU) aus dem Bundeswirtschaftsministerium verwies auf Fortschritte: Die Flugsicherungsgebühren sollen bis 2029 um mehr als zehn Prozent sinken. Am Mittwoch soll das Kabinett die Luftfahrtstrategie der Bundesregierung beschließen.
Stephan Stracke, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, kündigte ein Bürokratie-Rückbaugesetz an; ein breiteres Maßnahmenpaket solle die Koalition im Juni oder Juli vorlegen.