Lufthansa-Chef Carsten Spohr warnt die EU-Kommission davor, mit ihren "Fit for 55"-Klimaschutzplänen einseitig europäische Fluglinien zu belasten. In der "Bild" forderte Spohr zugleich die Bundesregierung auf, sich zugunsten der europäischen Anbieter in Brüssel einzusetzen.
"Für das Klima ist nichts gewonnen, wenn Menschen anstatt in der EU künftig in Doha oder Istanbul umsteigen", sagte Spohr der "Bild". "Wir brauchen eine Politik, die den Klimaschutz vorantreibt und gleichzeitig Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Europa sichert." Europa dürfe nicht, "wie bei Energie und Verteidigung, in Abhängigkeit von anderen Weltregionen" geraten.
Die EU-Kommission hat in ihrem Klimapaket "Fit for 55" für den Luftverkehr einen verschärften Emissionshandel, eine europäische Kerosinsteuer und verbindliche, deutlich steigende Beimischungsquoten für nachhaltige Kraftstoffe (SAF) vorgeschlagen. Der Lufthansa-Konzern hatte mögliche Mehrkosten sich bis zum Jahr 2035 auf 15 bis 20 Milliarden Euro beziffert.
Eine europäische Kerosinsteuer lehnt Spohr ganz ab. Dadurch könnte beispielsweise ein Flug von Düsseldorf nach Palma de Mallorca schrittweise um insgesamt 58 Euro teurer werden, zitiert "Bild" entsprechende Berechnungen von Lufthansa.
Spohr für angepasste Luftverkehrsabgabe
Deutsche Luftfahrt-Manager wiesen bereits im April daraufhin, dass der Emissionshandel und Treibstoffquoten bei Reisen aus der EU gleich behandelt werden müssten - egal, ob der Umsteigeflughafen innerhalb oder außerhalb der Europäischen Union lägen. Nach der derzeit geplanten Regelung würden der Emissionshandel und die Beimischungsquoten für SAF nur für Flüge innerhalb der EU und den ersten Flug aus der EU heraus gelten.
Als bessere Lösung brachte Spohr auch schon im April die einst kritisierte deutsche Luftverkehrsabgabe ins Spiel. Egal, wo man heute von Deutschland aus hinfliege, richte sich die Steuer nach dem Endziel der Reise, sagte der Manager damals. Damit sei diese Steuer wettbewerbsneutral.
Aktuell befinden sich die "Fit for 55"-Vorschläge in der Trilog-Abstimmung. Bislang ist noch offen, wie die Klimavorschläge der Kommission umgesetzt werden. Im politischen Prozess können das europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten noch großen Einfluss nehmen.