Der Lufthansa-Konzern erwägt, seine neuen Langstreckenflugzeuge künftig mit noch mehr Sitzen in den Premiumklassen auszustatten als bisher vorgesehen. Das berichtete das "Handelsblatt".
Hintergrund ist das Renditeziel von etwa acht bis zehn Prozent des Konzerns bis 2030. Als wichtigster Hebel dafür gilt laut Angaben das neue Kabinenprodukt Allegris, dessen Premiumtickets sich bislang gut verkaufen sollen.
Bereits im Juni hatte Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr die Überlegungen bei einer internen Veranstaltung mit Mitarbeitern angedeutet, wie das "Handelsblatt" berichtete. "Wir sind in einigen Flugzeugen und auf einigen Strecken eng bei Premiumsitzen", sagte Spohr demnach. "Wir überlegen derzeit, die Zahl unserer Premiumsitze auszuweiten."
Wie eng die Premiumklassen bereits jetzt kalkuliert sind, zeigt sich am neuesten Flugzeugtyp der Flotte. Im Oktober soll die knapp 74 Meter lange A350-1000 erstmals konzernweit am Drehkreuz München eintreffen. Airbus liefert sie direkt mit der neuen Allegris-Kabine aus.
Der Sitzplan war bereits im Juli durchgesickert. Die A350-1000 ist demnach für 300 Passagiere ausgelegt – vergleichsweise wenig für einen Jet dieser Größe. Grund ist eine deutlich premiumlastige Aufteilung der Kabine.
Vier Fluggäste sollen künftig in eigenen Suiten der First Class reisen können, wie schon bei einzelnen A350-900 im Bestand. Die Business Class soll 49, die Premium Economy Class 35 Allegris-Sitze umfassen – jeweils elf Plätze mehr als in einer vergleichbaren, vierklassig bestuhlten A350-900. Auch die reguläre Economy Class bringt mit bis zu 212 Sitzen elf Plätze mehr unter als die A350-900.
Enger Zeitplan für die Flottenumstellung
Für die Umrüstung bleibt Lufthansa wenig Zeit. Bereits Ende 2026 soll rund ein Drittel der Interkontinental-Flotte über Allegris verfügen. Ein Jahr später soll die neue Kabine bereits in mehr als zwei Dritteln der Flotte eingebaut sein.
Die Boeing 777-9 soll 2027 neu zur Flotte hinzustoßen. Sie soll am Drehkreuz Frankfurt ausgemusterte Boeing 747-400 ersetzen. Aus Lufthansa-Kreisen hieß es, die ersten Maschinen dieses Typs kämen zunächst ohne First Class, dafür mit einer ungewöhnlich großzügigen Business Class im Allegris-Design.
Im täglichen Flugbetrieb zahlt sich das Konzept für den Konzern inzwischen aus. Weil Passagiere für Allegris überdurchschnittlich viel zu zahlen bereit sind, ist das Produkt zum wichtigsten Hebel für die Konzernmarge geworden. Nach Angaben von Spohr liegt der Durchschnittserlös in der Allegris-Business-Class rund zehn Prozent über dem eines gewöhnlichen Business-Class-Sitzes.