Die Eskalation im Iran-Konflikt hat am Samstag auch den internationalen Flugverkehr massiv getroffen. Nach Militärschlägen der USA und Israels gegen den Iran und iranischen Vergeltungsangriffen stellten viele Airlines ihre Verbindungen in die Region ein.
Alle Flüge am Dubai International Airport sowie am kleineren Flughafen Al Maktoum wurden bis auf Weiteres ausgesetzt. Passagiere wurden aufgefordert, nicht zum Flughafen zu kommen.
Daten des Analysehauses Cirium zufolge sind rund die Hälfte aller Flüge nach Katar und Israel gestrichen worden, bei Kuwait seien es 28 Prozent. Insgesamt seien knapp ein Viertel der Verbindungen in den Nahen Osten annulliert worden.
Die Region ist ein wichtiges Drehkreuz zwischen Europa und Asien, das wegen der Sperrung des russischen Luftraums infolge des Ukraine-Kriegs zuletzt noch an Bedeutung gewonnen hat. Dubai International ist gemessen am Passagieraufkommen inzwischen der größte internationale Flughafen der Welt.
Die Schließung der Megahubs am Golf mit seinen zuletzt rund 100 Millionen Abfertigungen jährlich blockiert den verkehrsreichsten Transitpunkt zwischen Ost und West. "Crews, Flugzeuge und Passagiere sind auf der ganzen Welt gestrandet", sagte ein Insider einer Airline am Golf. "Es ist ein massiver logistischer Albtraum." Auf Flugradar-Karten im Internet war ein praktisch leergefegter Luftraum über dem Iran, dem Irak, Kuwait, Israel und Bahrain zu sehen.
| Operating Airline | Flights Scheduled | Is Cancelled | Cancel % | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| (3L*) Air Arabia Abu Dhabi | 56 | 3 | 5.36% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (3O) Air Arabia Maroc | 40 | 0 | 0.00% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (EK) Emirates | 512 | 197 | 38.48% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (EY) Etihad Airways | 299 | 90 | 30.10% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (FZ) Flydubai | 362 | 185 | 51.10% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (G9) Air Arabia | 256 | 21 | 8.20% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (GF) Gulf Air | 138 | 59 | 42.75% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (KU) Kuwait Airways | 98 | 39 | 39.80% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (LY) El Al | 22 | 0 | 0.00% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (QR) Qatar Airways | 535 | 219 | 40.93% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (RBG) Air Arabia Egypt | 20 | 1 | 5.00% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (RJ) Royal Jordanian | 113 | 16 | 14.16% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (SV) Saudia | 542 | 26 | 4.80% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (XY) Flynas | 333 | 9 | 2.70% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Flugstreichungen am 28. Februar 2026. Quelle: Cirium | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Israel hatte seinen Luftraum auf Anweisung von Verkehrsministerin Miri Regev bis auf Weiteres für den zivilen Flugbetrieb geschlossen. Die israelische Flughafenbehörde teilte mit, die zivile Luftfahrtbehörde sei entsprechend angewiesen worden. Als Grund wird die aktuelle Sicherheitslage genannt. Reisende wurden aufgefordert, vorerst nicht zum Flughafen zu kommen; Passagiere im Ausland sollten Fluginformationen über Medien und Fluggesellschaften verfolgen.
Die Regelungen sollen zunächst bis Montagabend um 19 Uhr MEZ gelten. Der israelische Zivilschutz verfügte zudem, dass landesweit nur noch notwendige Aktivitäten stattfinden dürfen. Schulen und Bildungseinrichtungen bleiben bis auf Weiteres geschlossen, große Versammlungen sollen unterbleiben.
Auch der Irak hat seinen Luftraum für den Zivilluftverkehr gesperrt, wie das irakische Transportministerium mitteilte. Das Land grenzt unmittelbar an den Iran. Der Luftraum über dem Iran ist Flightradar24-Daten zufolge ebenfalls vollständig leer.
Lufthansa streicht Flüge bis 7. März – Dubai nur am Wochenende
Die Lufthansa hat sämtliche Flüge zu mehreren Zielen im Nahen Osten ausgesetzt. Bis einschließlich 7. März werden die Städte Tel Aviv, Beirut, Amman, Erbil und Teheran nicht angeflogen, wie ein Sprecher des Konzerns mitteilte. Ebenfalls bis zum 7. März meidet die Lufthansa Group die Lufträume über Israel, dem Libanon, Jordanien, dem Irak und dem Iran. Flüge von und nach Dubai sowie Abu Dhabi finden am Samstag und Sonntag nicht statt.
Betroffene Fluggäste können kostenlos auf ein späteres Reisedatum umbuchen oder erhalten den Ticketpreis zurück. Die Sicherheit von Passagieren und Crews habe für die Lufthansa Group oberste Priorität, erklärte der Sprecher.
Europäische Airlines folgen dem Beispiel
Auch weitere europäische Airlines haben umgehend reagiert. Die Air France hat Flüge nach und von Tel Aviv sowie Beirut für Samstag storniert. Die niederländische KLM zog die bereits angekündigte Aussetzung ihres Amsterdamer Dienstes nach Tel Aviv vor: Die Flüge, die ursprünglich erst ab Sonntag gestrichen werden sollten, entfallen nun bereits ab Samstag. Lediglich ein Flug nach Tel Aviv war für diesen Tag geplant gewesen.
Die britische Virgin Atlantic meidet den irakischen Luftraum und hat ihren VS400-Dienst von London Heathrow nach Dubai für Samstag gestrichen. Zur Begründung nannte die Airline präventive Rerouting-Maßnahmen.
Wizz Air hat den Flugbetrieb nach Israel, Dubai, Abu Dhabi und Amman mit sofortiger Wirkung bis zum 7. März eingestellt. Die ungarische Low-Cost-Airline erklärte, die Betriebsentscheidungen würden laufend überprüft und der Flugplan könne bei weiterer Lageentwicklung angepasst werden.
Turkish Airlines strich Flüge zu einer Vielzahl von Zielen in der Region: Verbindungen nach Libanon, Syrien, Irak, Iran und Jordanien sind bis zum 2. März ausgesetzt. Flüge nach Katar, Kuwait, Bahrain, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Oman entfallen für den Samstag komplett. Auch Japan Airlines strich einen Flug von Tokio Haneda nach Doha sowie den Rückflug am 1. März.
Konflikt: Israel und USA greifen Iran an – Teheran schlägt zurück
Hintergrund der Luftraumsperrungen ist ein abgestimmter Militärschlag Israels und der USA auf den Iran am frühen Samstagmorgen. Israelischen Verteidigungskreisen zufolge war die Aktion seit Monaten vorbereitet, das Datum stand seit Wochen fest. Das US-Verteidigungsministerium bezeichnete die Offensive als "Operation Epic Fury".
Nach Angaben israelischer Regierungsvertreter zielten die ersten Angriffswellen vorrangig auf iranische Regierungsvertreter. Aus mehreren iranischen Städten – darunter Teheran, Isfahan, Ghom, Karadsch und Kermanschah – wurden Explosionen gemeldet. Im Süden der Hauptstadt wurden demnach mehrere Ministerien angegriffen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begründete den Militärschlag mit der Notwendigkeit, die "existenzielle Bedrohung durch das iranische Regime" zu beseitigen. Man dürfe nicht zulassen, dass der Iran die Atombombe bekomme. US-Präsident Donald Trump sprach in einem auf Truth Social verbreiteten Video von einer "ehrenwerten Mission" und räumte mögliche US-Opfer ein. Das US-Militär rechnet nach Angaben eines US-Regierungsvertreters mit einem mehrtägigen Einsatz.
Bei den gemeinsamen Angriffen der USA und Israels sind nach Angaben eines israelischen Militärvertreters mehrere ranghohe iranische Vertreter getötet worden. Drei Orte, an denen Treffen "des iranischen Terror-Regimes" stattgefunden hätten, seien gleichzeitig angegriffen worden, sagte der Vertreter. Dabei seien mehrere ranghohe Persönlichkeiten getötet worden, die für die Führung der Regierung von entscheidender Bedeutung gewesen seien.
Der Iran bestätigte einen Gegenschlag: Eine erste Welle an Raketen und Drohnen sei als Reaktion auf den Angriff gestartet worden, erklärten die Revolutionsgarden der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge. Nach Angaben des israelischen Militärs sind Flugkörper in Richtung Israel unterwegs. In Tel Aviv heulten die Sirenen, wie ein Reuters-Korrespondent berichtete.
Mehrere arabische Golfstaaten sind nach eigenen Angaben Ziel iranischer Raketenangriffe geworden. In Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) wurde staatlichen Medien zufolge ein Mensch getötet. Kuwait, Katar, die VAE und Jordanien teilen mit, iranische Raketen abgefangen zu haben. In Bahrain wurde nach Behördenangaben ein Servicezentrum der Fünften US-Flotte getroffen. Die iranischen Revolutionsgarden erklären, die Operation werde unerbittlich fortgesetzt.
Bundesregierung ruft Krisenstab zusammen
Bundeskanzler Friedrich Merz fordert den Iran nachdrücklich auf, die Angriffe gegen Israel und andere Partner in der Region sofort einzustellen. Die Bundesregierung verurteile diese Attacken scharf, erklärt Merz über Regierungssprecher Stefan Kornelius. "Iran muss auch andere destabilisierende Aktivitäten in der Region und darüber hinaus unterlassen. Die Führung in Teheran muss die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung beenden." Deutschland sei nicht an den Angriffen auf den Iran beteiligt, heißt es zudem. Die Bundesregierung stehe in engem Austausch mit den USA, Israel sowie mit den Partnern in der Region und in Europa.
Der deutsche Botschafter in Tel Aviv, Steffen Seibert, rief die in Israel lebenden Deutschen auf, sich dringend an die Anweisungen der Sicherheitsbehörden zu halten und nah an geeigneten Schutzräumen zu bleiben.
Das Auswärtige Amt verschärft seine Reise- und Sicherheitshinweise für den gesamten Nahen Osten, wie aus dem Ministerium in Berlin zu hören ist. Eine Reisewarnung gibt es demnach für Bahrain, Irak (bisher Teilreisewarnung), Israel, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Für den Libanon sei zusätzlich eine Ausreiseaufforderung ausgesprochen worden, für den Iran gelte seit Herbst 2022 eine Reisewarnung mit Ausreiseaufforderung. Die jeweiligen deutschen Auslandsvertretungen stünden in Kontakt mit den deutschen Staatsangehörigen vor Ort, hieß es weiter. Das Auswärtige Amt habe zudem Maßnahmen zum Schutz der entsandten Mitarbeiter getroffen. Der Krisenstab des Ministeriums habe am Samstag unter der Leitung von Staatssekretär Geza Andreas von Geyr getagt.