Im europäischen Vergleich erholt sich der deutsche Luftverkehr eher schleppend von den Auswirkungen der Corona-Pandemie – vor allem im innerdeutschen Verkehr fehlen Kapazitäten. Doch Billigfluggesellschaften machen weiterhin einen Bogen um deutsche Flughäfen. Da ist Ryanair keine Ausnahme. Im Interview mit airliners.de erklärt Ryanair-Chef Eddie Wilson, wie das mit hohen Kosten und der Lufthansa zusammenhängt.
airliners.de: Low-Cost-Airlines fliegen derzeit noch immer tendenziell eher um Deutschland herum. Warum ist das so?
Eddie Wilson: Wenn es darum geht, Kapazitäten nach der Corona-Pandemie wiederherzustellen, entscheiden die Fluggesellschaften rational, wo sie die Kapazitäten platzieren.
Da die Flughafengebühren in Deutschland sehr hoch sind und weiter steigen werden, ist jedes Flugzeug in Deutschland unattraktiv. Easyjet zieht etwa 50 Prozent der Flüge von Berlin ab, Ryanair 25 Prozent, und das bedeutet weniger Verbindungen, weniger Auswahl für die Menschen und steigende Preise.
Jede Fluggesellschaft, die freie Kapazitäten hat, wird eher außerhalb Deutschlands landen, weil die einzigen variablen Kosten die Flughafengebühren sind. Und weil es weniger Kapazität im Markt gibt, steigen wiederum die Preise. Darum erholen sich die Flughäfen in Deutschland nicht. Und das wird noch eine Weile so weitergehen. Das vergrößert die Kluft zwischen den anderen Flughäfen in Europa.
Ist das in Deutschland denn tatsächlich so anders als in anderen Märkten?
Die Preise in Europa stehen generell unter Druck, weil die Lohnkosten gestiegen sind, die Treibstoffpreise rauf- und runtergehen und es regionale Konflikte gibt. Das ist typisch für die Wirtschaft, aber in Deutschland ist das besonders zu beobachten.
Dafür gibt es drei Gründe: Lufthansa ist nach dem Erhalt der Staatshilfen um 100 Flugzeuge kleiner geworden und wächst nur noch an ihren zwei Drehkreuzen. Gleichzeitig steigen die Preise und die einzigen Fluggesellschaften in Europa, die über Kapazitäten verfügen, schicken ihre Flugzeuge woanders hin.
Deutschland hat durchschnittlich 75 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht. In Spanien liegt das aktuelle Niveau bei 110 Prozent im Vergleich zu vor der Pandemie, in Italien bei 112 Prozent, in Großbritannien bei 122 Prozent und in Irland bei 130 Prozent.