Ryanair hat ihr Passagierziel für das Geschäftsjahr 2027 gesenkt, um Verluste zu begrenzen und ihr Risiko durch ungesicherte Treibstoffkosten in diesem Winter zu reduzieren. Die Billigfluggesellschaft kappte ihre Prognose am Mittwoch von 216 Millionen auf 214 Millionen Passagiere und warnte, hohe Ölpreise könnten für einige schlechter abgesicherte Wettbewerber zur Überlebensfrage werden.
Eine durch den Iran-Krieg ausgelöste Treibstoffkrise verändert die europäische Luftfahrtbranche grundlegend. Große Fluggesellschaften halten ihre Kapazitäten vor der traditionell verlustreichen Wintersaison entweder stabil oder bauen sie ab.
"Sollten die hohen Ölpreise bis zum Sommerflugplan 2027 anhalten, werden die Kurzstreckenpreise in Europa nach Einschätzung von Ryanair deutlich steigen, um die höheren Treibstoffkosten widerzuspiegeln. Einige schlechter abgesicherte Wettbewerber dürften dann Schwierigkeiten haben, ihre Kapazität zu halten, oder den kommenden Winter nicht überstehen", teilte Ryanair mit.
Ryanair zählt zu den am besten gegen Treibstoffpreise abgesicherten Fluggesellschaften Europas. Die Airline hat nach eigenen Angaben 80 Prozent ihres Treibstoffbedarfs bis März 2027 zu einem Preis von etwa 67 US-Dollar (rund 57 Euro) je Barrel abgesichert.
Der Davy-Analyst Stephen Furlong bezeichnete den Schritt als "vorausschauendes Management" und sagte, er rechne damit, dass weitere Fluggesellschaften diesem Beispiel folgten.
Winterkapazität bleibt weitgehend stabil
Ryanair hatte bereits im Juli fünf Flugzeuge aus ihrer Basis im belgischen Charleroi abgezogen und für den Winter 2026/2027 sowie für den Sommerflugplan 2027 zwei Millionen Sitze aus dem Streckennetz ab Brüssel gestrichen.
Der Kerosinpreis liege derzeit bei rund 140 US-Dollar je Barrel, teilte die in Dublin ansässige Fluggesellschaft mit. Um das Risiko durch ungesicherte Treibstoffkosten zu begrenzen, wolle Ryanair ihre Winterkapazität weitgehend auf Vorjahresniveau halten. Das könnte die Verluste im Winter um 70 bis 100 Millionen Euro senken.
Die Ryanair-Aktie, die seit Beginn des Iran-Kriegs rund 20 Prozent an Wert verloren hat, legte am Mittwoch um zwei Prozent zu. Grund waren beruhigende Signale bei den Verkehrszahlen: Von April bis Oktober wächst der Verkehr nach Angaben der Airline voraussichtlich um mehr als fünf Prozent, die Ticketpreise im zweiten Quartal entwickeln sich im Jahresvergleich leicht rückläufig.
Ryanair rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Gewinn unterhalb des Rekordniveaus des Vorjahres. Für eine Prognose des Gewinns nach Steuern sei es noch zu früh, teilte die Airline mit. Im August beförderte Ryanair 22,2 Millionen Passagiere.