Ryanair schließt ihre Basis am Flughafen Thessaloniki und streicht für den Winterflugplan 2026/27 rund 700.000 Sitze in Griechenland. Das teilte die irische Fluggesellschaft am Freitag mit.
Betroffen sind drei stationierte Flugzeuge, die aus Thessaloniki abgezogen werden. Damit entfallen zehn Routen und rund 500.000 Sitze – ein Minus von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreswinter.
Zusätzlich reduziert die Ryanair ihre Frequenzen am Flughafen Athen – die Flughäfen Chania und Heraklion werden in den außersaisonalen Monaten komplett ausgesetzt. Auf Griechenland insgesamt kommen zwölf gestrichene Strecken und ein Kapazitätsrückgang von 45 Prozent.
Betroffen sind unter anderem die Strecken von Thessaloniki nach Berlin, Frankfurt-Hahn und Weeze. Die abgezogenen Maschinen sollen nach Albanien, in Regionen Italiens sowie nach Schweden verlagert werden, wie es heißt.
Fraport Greece im Visier
Auslöser des Rückzugs ist nach Angaben der Airline der Streit um Flughafenentgelte. Ryanair wirft dem Flughafenbetreiber Fraport Greece vor, die Gebühren seit der Covid-Pandemie um 66 Prozent angehoben zu haben.
Jason McGuinness, Chief Commercial Officer der Ryanair, sagte am Freitag in Athen, der Rückzug aus Thessaloniki werde für die Stadt und die Region schwere Folgen haben. Die Airline habe im vergangenen Winter 90 Prozent der internationalen Kapazität am dortigen Flughafen gestellt. Ob die rund 100 Beschäftigten an der Basis ihren Arbeitsplatz verlieren, ließ McGuinness offen.
Hintergrund ist eine Entscheidung der griechischen Regierung aus dem November 2024: Sie hatte die sogenannte Flughafenentwicklungsgebühr (Airport Development Fee, ADF) um 75 Prozent von zwölf auf drei Euro je Passagier gesenkt, um ganzjährige Flugverbindungen und den Tourismus zu fördern.
Die meisten griechischen Flughäfen – insbesondere die von Fraport Greece betriebenen Standorte – gaben diese Einsparung jedoch nicht an die Passagiere weiter, kritisierte die Ryanair. Auch am Athener Flughafen seien für den Winter Gebührenerhöhungen angekündigt. Fraport Greece war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
Wachstumspläne vorerst gestoppt
Ryanair hatte der griechischen Regierung nach eigenen Angaben zuvor einen Wachstumsplan vorgelegt. Demnach wollte die Airline ihr Passagieraufkommen in Griechenland auf zwölf Millionen pro Jahr steigern – ein Plus von 70 Prozent. Geplant seien zehn weitere stationierte Flugzeuge und 50 neue Routen in fünf Jahren gewesen. Voraussetzung sei ein Einfrieren der Gebühren sowie die vollständige Weitergabe der ADF-Senkung an alle Passagiere an griechischen Flughäfen.
Lokale Behörden in Thessaloniki hatten den möglichen Rückzug der Ryanair bereits im Vorfeld mit Sorge kommentiert und vor negativen Folgen für den Tourismus und den regionalen Arbeitsmarkt gewarnt.