Der Flughafen im dänischen Sonderburg (Sønderborg) will seine Passagierzahl langfristig auf rund 150.000 im Jahr steigern und dafür gezielt Reisende aus dem Norden Schleswig-Holsteins gewinnen. In den Umbau des Standorts fließen derzeit gut 212 Millionen dänische Kronen (rund 28 Millionen Euro), wie der "NDR" berichtete.
Geschäftsführer Jákup Sverri Kass setzt auf zusätzliche Verbindungen nach Kopenhagen und mehr internationale Direktflüge. Bislang steuern Maschinen die dänische Hauptstadt viermal täglich an. Kass räumte ein, das Passagierziel sei sehr ehrgeizig. Damit läge Sonderburg um rund 25.000 Fluggäste über dem Niveau des Flughafens Sylt. Viele Menschen wüssten gar nicht, dass es in Sonderburg einen Flughafen gebe, sagte Kass. Er will den Standort als unkomplizierte Alternative in der Nähe für Reisen ins Ausland positionieren.
Zum Ausbau gehört ein neues Terminal, das 2027 fertig sein soll. Schon jetzt wird der Flugbetrieb aus einem digitalen Tower gesteuert, der mit Kameras arbeitet und von Künstlicher Intelligenz unterstützt wird. Alle Neu- und Umbauten folgen ökologischen Kriterien, weil die Stadt Sonderburg bis 2029 klimaneutral werden will.
Von Flensburg aus ist Sonderburg in rund 45 Minuten zu erreichen. Deutsche Reiseveranstalter nutzen den Flughafen bereits für Charterflüge. Das Flensburger Unternehmen Neubauer bietet seit mehreren Jahren regelmäßig Reisen ab Sonderburg an, im Oktober etwa nach Italien und Griechenland.
Experte sieht Konkurrenz durch Hamburg
Professor Hans-Martin Niemeier von der Hochschule Bremen hält 150.000 Passagiere im Jahr für realistisch, wie er dem "NDR" sagte. Zwar setze sich mancher Flughafen zu hohe Ziele. In Sonderburg falle aber die Nähe stark ins Gewicht, ebenso das kostenlose Parken.
Zugleich warnte Niemeier, am Ende gebe für viele Reisende der Preis den Ausschlag. In Hamburg böten einige Airlines sehr niedrige Tarife an. Daran könne das Vorhaben scheitern. Bleibe die Nachfrage hinter den Zielen zurück, drohe der Fluggesellschaft rasch ein hoher Verlust. Ob Reisende aus der Region künftig tatsächlich Sonderburg statt Billund oder Hamburg wählen, ist nach Einschätzung Niemeiers offen.
Nach einer Fluggastbefragung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt aus dem Jahr 2025 ist der Pkw das bevorzugte Verkehrsmittel für die Anreise zum Flughafen. Als mögliche Schwachstelle gilt laut "NDR" die Erreichbarkeit Sonderburgs ohne eigenes Auto. Flensburgs Oberbürgermeister Fabian Geyer (parteilos) erwägt nach Angaben des Senders, die Anbindung zu verbessern.
Die Stadt Sonderburg zählt rund 29.000 Einwohner, ihr Flughafen besteht seit den 1960er-Jahren. Kass, der von den Färöer-Inseln stammt, hatte die Leitung 2023 übernommen, als der Flughafen bereits in einer Phase des Umbruchs war. Aus seiner Heimat wisse er, wie wichtig eine gute internationale Anbindung sei, berichtete der NDR.
