EU-Kommission schafft Zertifikat-Löschung im Emissionshandel ab, © airliners.de/Gunnar Kruse
Die EU-Kommission hat ihren Sitz im Berlaymont-Gebäude in Brüssel. © airliners.de / Gunnar Kruse
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2016\/02\/eu_f13b53cd353e6a70ba49cfe6c1909014__wide__824?v=1455173024","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 airliners.de\/ Gunnar Kruse"},"caption":"Die EU-Kommission hat ihren Sitz im Berlaymont-Geb\u00e4ude in Br\u00fcssel."}

Die EU-Kommission hat einen Vorschlag zur Änderung der Marktstabilitätsreserve (MSR) des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) vorgelegt. Kern der Initiative: Der bisherige Mechanismus, nach dem Zertifikate in der MSR oberhalb von 400 Millionen Tonnen unwiderruflich gelöscht werden, soll entfallen. Stattdessen würden diese Zertifikate als dauerhafter Puffer im System verbleiben.

EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra begründete den Schritt damit, die Widerstandsfähigkeit des CO₂-Markts gegenüber Volatilität zu erhöhen.

"Durch die Stärkung der Marktstabilitätsreserve erhöhen wir die Widerstandsfähigkeit des EU-Emissionshandelssystems gegenüber Volatilität und stellen sicher, dass es weiterhin die Dekarbonisierung vorantreibt, die Wettbewerbsfähigkeit unterstützt und saubere Investitionen fördert", erklärte er. Die Initiative geht auf eine Ankündigung von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim Europäischen Rat im März zurück.

Die MSR ist ein automatischer Stabilisierungsmechanismus im EU-ETS. Übersteigt die Gesamtmenge der im Umlauf befindlichen Zertifikate – die sogenannte TNAC – den Schwellenwert von 833 Millionen Tonnen, werden 24 Prozent des Überschusses aus dem Auktionsvolumen in die Reserve verschoben. Fällt die Menge unter 400 Millionen Tonnen, werden 100 Millionen Zertifikate wieder in den Markt zurückgegeben. Bislang wurden MSR-Bestände oberhalb von 400 Millionen jährlich gelöscht – allein am 1. Januar 2023 waren es 2,5 Milliarden Zertifikate. Diesen Mechanismus will die Kommission nun aussetzen.

Der Reformvorschlag erfolgt vor der umfassenden Revision des EU-ETS, die für Juli geplant ist. Im März hatten zehn EU-Mitgliedstaaten in einem gemeinsamen Schreiben gefordert, die ETS-Reform zu beschleunigen. Politischer Druck kommt zudem aus der Industrie: Zahlreiche Branchen bezeichnen die aktuellen CO₂-Kosten als Wettbewerbsrisiko.

Für Airlines: indirekter Effekt auf ohnehin angespannte Kostenlage

Für Fluggesellschaften wirkt die MSR-Reform indirekt: Die Reserve unterscheidet nicht zwischen stationären Industrieanlagen und dem Luftverkehr, sie beeinflusst den Gesamtmarkt für EU-Emissionszertifikate (EUA). Laut einer Analyse von "S&P Global" könnten durch den Wegfall der Löschung bis Ende 2026 rund 42 Millionen zusätzliche Zertifikate im System verbleiben – mit einem leicht preisdämpfenden Effekt. BBVA-Analysten bewerten die Maßnahme für sich genommen jedoch als "unwahrscheinlich, EUA-Preise materiell zu senken".

Der EUA-Dezember-2026-Kontrakt fiel im März auf ein Elf-Monats-Tief von 66,65 Euro pro Tonne – getrieben vor allem durch allgemeine Reformsignale aus Brüssel. Prognosen für den Jahresverlauf gehen weit auseinander: Der Reuters-Konsens liegt bei 91 Euro, die Investmentbank ING bei 83 Euro. "BloombergNEF" sieht den EUA-Preis bis 2030 bei 145 Euro.

Für Airlines kommt die MSR-Reform zu einem Zeitpunkt erheblicher Kostensteigerung. Seit dem 1. Januar erhalten Fluggesellschaften keine kostenlosen Zertifikate mehr – der stufenweise Abbau der Gratis-Zuteilung, der 2024 begann, ist damit abgeschlossen. Der europäische Airline-Verband Airlines for Europe (A4E) schätzt die jährlichen ETS-Gesamtkosten seiner Mitglieder auf rund fünf Milliarden Euro bis 2030 – doppelt so viel wie 2024.

Die nächste entscheidende Weichenstellung ist für Juli terminiert: Dann muss die EU-Kommission bewerten, ob das ICAO-Programm Corsia wirksam genug ist, um die Pariser Klimaziele zu erfüllen. Fällt das Urteil negativ aus, dürfte die Kommission vorschlagen, das EU-ETS auf alle aus der EU abgehenden Flüge auszuweiten – mit erheblichen Folgen für die Wettbewerbsposition europäischer Carrier gegenüber Nicht-EU-Fluggesellschaften.

Verlinkungen anzeigen

Hier finden Abonnenten Links zu Quellen und weiterführenden Informationen. Jetzt airliners+ testen

Sie haben schon einen Zugang? Hier anmelden

airliners+ Magazin

Jede Woche neue Impulse: Das digitale Wochenmagazin für die Luftverkehrswirtschaft. Ausgabe herunterladen und lesen
airliners+ Magazin 22/2026 Ausgabe herunterladen
und lesen
Titelbild: airliners+ Magazin 22/2026
Passagiere steigen in ein ATR-Flugzeug der DAT., © Skyhub PAD
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/04\/skyhub-pad-codeshare-arCVUS__square__360?v=1777357959","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 Skyhub PAD"},"caption":"Passagiere steigen in ein ATR-Flugzeug der DAT."}

Durchdacht und trotzdem daneben

Gedankenflüge Skyhub PAD wollte den innerdeutschen Luftverkehr neu beleben – und scheiterte schon im ersten Sommer. Ein Load Factor von rund 40 Prozent statt der angestrebten 85 bis 90 Prozent zeigt, wie groß die Lücke zwischen Kalkulation und Realität war. Die Gedankenflüge über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen der Woche.

2 min
Ausgabe lesen
Ein Mitarbeiter von Elbe Flugzeugwerke GmbH arbeitet in einem Hangar am Bug eines A380 von Lufthansa., © DPA/Sebastian Kahnert
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/05\/5fb976003f09e13c-nTD06E__square__242?v=1779884139","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 DPA\/ Sebastian Kahnert"},"caption":"Ein Mitarbeiter von Elbe Flugzeugwerke GmbH arbeitet in einem Hangar am Bug eines A380 von Lufthansa."}
TGV (links) und ICE einträchtig im Pariser Gare de l'Est. Aufgenommen 2017 bei der Feier zum zehnjährigen Jubiläum der Bahnverbindung Frankfurt/Stuttgart-Paris., © Rietig
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/05\/20170601-tgv-ice_1780049994_8ZtP8LWA__square__242?v=1780050213","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 Rietig"},"caption":"TGV (links) und ICE eintr\u00e4chtig im Pariser Gare de l'Est. Aufgenommen 2017 bei der Feier zum zehnj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Bahnverbindung Frankfurt\/Stuttgart-Paris."}
Schiene, Straße, Luft (121)

Frankreich zieht nach: "Train gelöscht"

Passagiere stehen am Münchner Flughafen an einem Check-In Schalter., © DPA/Sven Hoppe
{"@context":"https:\/\/schema.org","@type":"ImageObject","url":"https:\/\/images.airliners.de\/2026\/04\/5fb914004762e675-mCEhdh__square__242?v=1776070313","copyrightHolder":{"@type":"Person","name":"\u00a9 DPA\/ Sven Hoppe"},"caption":"Passagiere stehen am M\u00fcnchner Flughafen an einem Check-In Schalter."}
Interessante Einträge aus dem airliners.de-Firmenfinder

RBF-Originals.de

Ihr Spezialist für "Remove Before Flight"-Anhänger

Zum Firmenprofil

HiSERV GmbH

We make GSE simple and smart.

Zum Firmenprofil

Flughafen Memmingen GmbH

Memmingen Airport - Der Unternehmerflughafen

Zum Firmenprofil

AHS Aviation Handling Services GmbH

The perfect team for every stop

Zum Firmenprofil

TRAINICO GmbH

Kompetenz & Leidenschaft für die Luftfahrt

Zum Firmenprofil

ch-aviation GmbH

Accurate data and news on the airline industry.

Zum Firmenprofil

Hochschule Worms

Wissen, worauf es ankommt!

Zum Firmenprofil

Wildau Institute of Technology e. V. (WIT)

Berufsbegleitender Aviation-Master und Weiterbildungsformate

Zum Firmenprofil

GAS German Aviation Service GmbH

Deutschlands größtes FBO & Handling Netzwerk

Zum Firmenprofil

IU International University of Applied Sciences

WIR SIND DIE IU!

Zum Firmenprofil

TEMPTON Personaldienstleistungen GmbH

Fachbereich Aviation

Zum Firmenprofil

ADV Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen e.V.

Unsere Flughäfen: Regionale Stärke, globaler Anschluss

Zum Firmenprofil