Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angekündigt, dass sich die Bundesregierung in Kürze zu Erkenntnissen über die Urheber des mutmaßlichen Drohnenanschlags auf den Flughafen Leipzig/Halle äußern will. Das sagte er zum Auftakt einer zweitägigen Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg.
Bei der Klausur selbst werde es zwar nicht um die Zuordnung des Angriffs gehen, sagte Merz. Er ergänzte aber, daran arbeite man gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden intensiv.
"Wir werden das in Kürze auch darlegen und uns dazu äußern", fügte der Kanzler hinzu.
Ermittler finden dritte Drohne und Sprengstoff
Am Flughafen Leipzig/Halle hatten Ermittler zuvor eine dritte Drohne sowie mutmaßlichen Sprengstoff entdeckt. Wie die "Süddeutsche Zeitung", der "NDR" und der "WDR" berichtet hatten, hatten Kriminaltechniker des Bundeskriminalamts das Fluggerät am 14. August auf einem Feld im Kabelsketal gefunden, westlich des Flughafens. Dort seien zudem rund 50 Gramm einer Substanz sichergestellt worden, bei der es sich nach ersten Einschätzungen um den hochexplosiven militärischen Sprengstoff Hexogen handeln könnte.
Die Ermittler seien den Berichten zufolge davon ausgegangen, dass bei dem mutmaßlichen Anschlagsversuch mehrere Drohnen eingesetzt worden seien. Die Täter hätten möglicherweise einen weitaus größeren Anschlag im Sinn gehabt, als bislang öffentlich bekannt war.
Der mutmaßliche Anschlag reicht bis auf den 4. August zurück. Damals war im Sicherheitsbereich des Frachtbetriebs am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden – in der Nähe ukrainischer Antonow-Frachtflugzeuge. Der Flughafen dient als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen der Nato und der ukrainischen Fluggesellschaft Antonov Airlines im Krieg gegen Russland.
Wenige Minuten nach dem Fund soll eine zweite Drohne mit einem Frachtflugzeug von DHL kollidiert sein. Die Maschine sei in Höhe des Flughafenzauns mit mehreren Hundert Stundenkilometern auf das Fluggerät geprallt, berichteten die drei Medien unter Berufung auf Ermittler. Die Piloten hätten wenige Sekunden zuvor ein etwa 30 Zentimeter großes Objekt gesehen. Bei einer Untersuchung des Flugzeugs sei am Leitwerk eine Beschädigung festgestellt worden, die auf eine Kollision mit einem Gegenstand hindeute. Die Drohne selbst oder Teile davon seien bislang nicht gefunden worden. Nach Einschätzung der Ermittler könnte das Fluggerät nach dem Zusammenstoß in die Triebwerke geraten und dabei zerhackt worden sein.
Ermittler sichern Steuerungstechnik in Kursdorf
Nördlich des Flughafens, in Kursdorf, hatten Ermittler zudem eine technische Konstruktion sichergestellt, die möglicherweise zur Steuerung einer Drohne diente.
Die Ermittlungen dauern an. Mehrere Spuren – darunter gefundene DNA-Spuren – werden derzeit ausgewertet.
Die Generalbundesanwaltschaft äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Berichten.
Wer hinter dem mutmaßlichen Anschlag steckt, ist weiterhin unklar. Sicherheitskreise vermuten laut den drei Medien, dass russische Geheimdienste an der Planung beteiligt gewesen seien. Russland weist eine Beteiligung zurück.