Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat am Dienstag auf der Fachmesse Innotrans in Berlin gemeinsam mit mehreren Projektpartnern ein neues Konzept für den europäischen Nachtzugverkehr vorgestellt.
Die Nachfrage nach Nachtzügen im europäischen Fernverkehr steigt, so das DLR in einer Mitteilung. Gleichzeitig seien die Ansprüche an das Wageninnere gestiegen: Fahrgäste wünschten sich mehr Platz, Komfort und Privatsphäre.
Für einen wirtschaftlichen Betrieb müssten die Wagen gleichzeitig möglichst viele Reisende aufnehmen und auch tagsüber fahren. Im Forschungsprojekt "Alisa" habe das DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte daher den Nachtzug umfassend neu konzipiert.
Kern sei eine leichtbauoptimierte Einheit aus drei fest gekuppelten Doppelstockwagen mit einer Gesamtlänge von rund 46 Metern. Mehrere Grundeinheiten lassen sich koppeln, sodass sich die Zuglänge je nach Strecke, Nachfrage und Saison anpassen lässt.
Auch innerhalb der Wagen folgt Alisa dem Baukastenprinzip: Standardisierte Segmente ermöglichen laut DLR unterschiedliche Innenraumkonfigurationen vom klassischen Sitz- und Schlafsessel-Bereich über private Einzel- und Doppelkabinen bis zu Familienabteilen, ohne dass für jede Variante ein neuer Wagenkasten entwickelt werden muss.
Fokus auf Gewichtsreduktion
Visualisierung: Schlafkabine des ALISA-Nachtzug-Konzepts © DLR / ALISA-Projekt / Tricon
Ein Schwerpunkt der DLR-Arbeiten lag auf der Gewichtsreduktion, da die doppelstöckige Bauweise mit hoher Fahrgastzahl und hohem Komfortanspruch das Gewicht eines Wagens stark erhöhen kann. Die Forscher optimierten den Wagenkasten so, dass er auftretende Lasten effizient verteilt, und integrierten etwa Kabelkanäle direkt in die tragende Struktur.
Zusätzliches Gewicht sparte das Team nach eigenen Angaben durch Multi-Material-Bauweisen, darunter Sandwich-Materialien aus einer Aluminium-Deckschicht mit einem Kern aus Holzstruktur oder Aluminiumwaben.
"Mit unserem konsequenten Leichtbau-Ansatz können wir die Fahrgastkapazität bei gleichbleibender Achslast um 40 Prozent steigern, ohne dass die Reisenden auf Komfort oder Privatsphäre verzichten müssen. Unsere Referenz war der Nightjet der neusten Generation, der bei der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) zum Einsatz kommt", sagte Nicolai Schmauder, der das Projekt auf Seiten des DLR geleitet hat.
Am Innenraumkonzept war laut DLR auch die Designagentur Tricon beteiligt, Geta brachte Erfahrung im Interieur von Schienenfahrzeugen ein, Satek steuerte Expertise bei Sanitärbereichen bei. Die tragende Fahrzeugstruktur entwickelte und optimierte die "K+V Ingenieurgesellschaft" gemeinsam mit dem DLR.
Noch bis Freitag zeigt das Projektteam auf der Innotrans ein Modell des kompletten Drei-Wagen-Zugs im Maßstab 1:10, begehbare Ausschnitte einzelner Abteile im Originalmaßstab sowie eine VR-Anwendung für den virtuellen Blick in Innenraum und Wagenkasten.