Endlich war es so weit: mein erster Flug in einem EAN-Flugzeug. Nun ja, nicht ganz... Eigentlich war es bereits zweite Flug. Doch beim allerersten Mal war das European Aviation Network im British-Airways-Flugzeug nicht aktiviert. Dieses Mal klappte aber alles mit dem Internetzugang an Bord der technisch von der Deutsche Telekom und Inmarsat realisiert wird.
Um den Onlinezugang in einem Flugzeug der British Airways zu nutzen, braucht es zunächst eine Verbindung mit dem WLAN. Ist "BAWi-Fi" erst einmal ausgewählt, gibt es eine übersichtliche Webseite mit den wichtigsten Informationen, darunter auch die Position des Flugzeugs. Soweit so normal.
Ab einer Höhe von 10.000 Fuß ließ sich dann ein WLAN-Paket auswählen. Allerdings braucht es dazu erst einmal einen Account. Seltsamerweise konnte ich meinen bestehenden British-Airways-Account, den ich bereits habe und mit dem ich auch Flüge buche, nicht nutzen. Stattdessen braucht es für die Nutzung von Internet an Bord einen speziellen ".air-"Account.
Die Einrichtung ist zum Glück einfach und funktioniert auch ohne freigeschalteten allgemeinen Internetzugang. Eine Bestätigung der E-Mail-Adresse ist nicht nötig. Als Zahlungsmittel werden übliche Kredit- und Debit-Karten von Mastercard und Visa unterstützt. Auch in Europa etwas seltenere Karten wie Amex und Diners Club sowie die insbesondere in den USA verbreitete Discovery-Karte werden akzeptiert. British Airways berücksichtigt jedoch nicht den asiatischen Markt. Weder JCB- noch Union-Pay-Kunden können mit ihren Karten WLAN buchen.
Preise ab zwei britischen Pfund
Die Preise auf dem Flug von Berlin nach London sind fair. Für zwei britische Pfund gibt es einen reinen Chat-Tarif. Fünf Pfund kostet eine Stunde reguläres Surfen sowie Streamen und für sieben Pfund gibt es Connectivity für den gesamten Flug. Für den Test habe ich mich für den mittleren Tarif entschieden. Wer will, kann auch in Euro oder US-Dollar abbuchen lassen. Letzteres lohnt sich aufgrund des schlechten Kurses derzeit aber nicht.
Da der Airbus A320 komplett ausgebucht war, bemerkte ich allerdings ein paar Einschränkungen, die auf eine Überlastung durch zu viele Anfragen deuten. Vor allem der Ping, also die Reaktionszeit von und zu einem Ziel im Internet, schwankte immer wieder.
Ein Youtube-Video zu starten, konnte durchaus um die drei Sekunden dauern. Der Aufbau der Übersichtsseite von Amazon Prime brach manchmal sogar ab. Auch beim Surfen stellte ich hier und da eine Verzögerung fest. Vor allem Youtube unterbrach zudem in 1080p immer mal wieder. Allerdings gibt British Airways an, dass eine so hohe Auflösung nicht vorgesehen ist. Mit einer 720p-Einstellung lief in der vollen Maschine hingegen alles wie gewohnt.
Typische Leistungsdaten während des Fluges zwischen Berlin und London. © airliners.de
Die Testergebnisse von fast.com und speedof.me bestätigten dies. Beim Download waren um die 1,3 MBit/s machbar. Die Latenz wurde mit mindestens 113 Millisekunden angegeben. Einzelne Server brauchten aber auch mal gut eine Sekunde.
Die Qualitätsunterschiede sind dabei enorm. Während Youtube mit 720p noch ganz gut aussieht, ist Amazon Prime kaum genießbar. Das Unternehmen hat schon immer Schwierigkeiten gehabt, bei niedrigen Datenraten gute Ergebnisse zu liefern. Apple TV hingegen sah auch an Bord akzeptabel aus.
Für Disney+ hat British Airways die Drosselung vergessen
Interessant wurde es, als ich Disney+ ausprobierte. Die Qualität war makellos. Gleichzeitig gingen die Datenraten teilweise auf 20 MBit/s hoch. Das ist ein Wert, den British Airways eigentlich nicht zulässt. Das wäre auch nicht sinnvoll, weil bereits drei bis vier Personen die Bandbreite des EAN-Systems blockieren würde.
Hin und wieder gab' es Probleme bei der Auflistung von Filmen und Serien. © airliners.de
Es war aber interessant zu sehen, wie schnell das System sein kann, wenn die künstliche Drosselung versagt. Dies ist offensichtlich ein Konfigurationsfehler. Disney+ wird offenbar nicht korrekt erkannt, um begrenzt zu werden. Das galt jedoch nur fürs Streaming. Die Watchlist von Disney+ mit meinen Lieblingsserien ließ sich nicht immer laden.
Die Datenrate ging bei der Nutzung von Disney+ plötzlich hoch. © airliners.de
Ein weiteres Problem ergab sich dann noch mitten im Flug. So verlor mein Macbook die Verbindung mit dem WLAN. Anschließend wurde die Verbindung nicht wieder aufgenommen. Ein Neukauf war notwendig. Doch nach dem ersten Schreck war klar: Meine verwendete Kreditkarte wurde trotz Neukauf der Verbindung nicht noch einmal belastet. Das System hat das Problem offenbar erkannt. Perfekt!
Kurze technische Probleme während des Flugs erforderten einen Neukauf. © airliners.de
Insgesamt ist das European Aviation Network eine leistungsfähige Option für den Internetzugang von Flugzeugen – zumindest über oder in der Nähe des Festlandes. Über weiter entfernte Meeresflächen gibt es eigentlich die Rückfallebene auf einen S-Band-Satelliten. Das konnte ich noch nicht testen. Zwischen Berlin und London wird – aus Perspektive der Antennen – das Festland nämlich nicht verlassen.