Der Finanzinvestor Apollo Global Management übernimmt die britische Fluggesellschaft Easyjet in einem Deal, der den Billigflieger mit rund 5,7 Milliarden Pfund (rund 6,7 Milliarden Euro) bewertet. Das teilten beide Unternehmen mit. Der bisherige Rivale Castlelake zog sich derweil aus dem Übernahmerennen zurück.
Der Deal beendet monatelange Unsicherheit um eine der größten europäischen Billigfluggesellschaften. Die Branche kämpft derzeit mit steigenden Kosten infolge des Irankriegs. Easyjet ist zudem das jüngste Beispiel einer Reihe von Londoner Börsenunternehmen, die in den vergangenen Jahren von Private-Equity-Firmen und überwiegend US-amerikanischen Investoren übernommen wurden, während der Leitindex FTSE 100 im Vergleich zu seinem US-Pendant mit einem Abschlag gehandelt wird.
"Nachdem wir das Angebot von Apollo sorgfältig geprüft haben, haben sich meine Familienmitglieder und ich entschieden, die vom Easyjet-Vorstand empfohlene Übernahme zu unterstützen", erklärte Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou in einer eigenen Mitteilung, nachdem zuvor über seine Zustimmung spekuliert worden war.
Der von der Investmentbank Evercore beratene Easyjet-Vorstand empfahl das Barangebot einstimmig und bezeichnete die Konditionen als fair und angemessen. "Auch wenn wir weiterhin von der Stärke unseres Geschäfts und den Chancen vor uns überzeugt sind, ist dieses Angebot unserer Ansicht nach eine angemessene Anerkennung der Qualität des Unternehmens, das wir aufgebaut haben, und bietet den Aktionären einen unmittelbaren, sicheren und attraktiven Wert", sagte der nicht geschäftsführende Easyjet-Verwaltungsratschef Stephen Hester.
Apollos Pläne für Easyjet
Apollo verwaltet ein Vermögen von rund 1,05 Billionen Dollar (rund 910 Milliarden Euro) und war zuvor bereits an Sun Country Airlines, Aeromexico und Atlas Air beteiligt.
Der Investor kündigte an, unter privater Eigentümerschaft die kommerziellen Ambitionen von Easyjet vorantreiben zu wollen – dazu gehöre auch der Ausbau des wachsenden Pauschalreisegeschäfts.
Castlelakes Rückzug
Castlelake zog sich ohne Angabe von Gründen aus dem Übernahmerennen zurück. Der Investor hatte zuvor fünf Gebote für Easyjet vorgelegt, bevor Apollo im Juli in den Bieterwettstreit einstieg. Apollo überbot Castlelakes Offerte von 5,5 Milliarden Pfund und sicherte sich die Unterstützung des Easyjet-Vorstands.
Investoren und Aufsichtsbehörden hatten zuvor Fragen aufgeworfen, wie Apollo die EU-Vorschriften zum Eigentum an Fluggesellschaften einhalten will – Easyjet unterhält Basen in mehreren EU-Staaten. Die Flugrechte von Easyjet innerhalb der EU hängen davon ab, dass die Gesellschaft weiterhin mehrheitlich im Besitz und unter der Kontrolle von EU-Interessen bleibt.
Nach dem Deal sollen die Familie Haji-Ioannou und weitere investiert bleibende Aktionäre zwischen 45,1 und 49,9 Prozent des Stammkapitals der Erwerbsgesellschaft halten. Ein EU-Treuhandvehikel soll bis zu fünf Prozent halten, die Fonds von Apollo den Rest – maximal 49,9 Prozent.
Easyjets Hauptsitz liegt in Großbritannien. die britische Luftfahrtbehörde Civil Aviation Authority erklärte, sie stehe mit den beteiligten Parteien im Austausch.
Die Übernahme in der Chronik: Von der Gründung bis zum Deal mit Apollo
Wann wurde Easyjet gegründet und wie hat alles angefangen?
Stelios Haji-Ioannou gründete Easyjet 1995 und startete Flüge vom Flughafen London Luton nach Glasgow und Edinburgh. Mit niedrigen Preisen forderte er etablierte Fluggesellschaften heraus.
Wann ging Easyjet an die Börse?
Im Jahr 2000 notierte Easyjet erstmals in London, mit einer Bewertung von 777 Millionen Pfund.
Wie hat die Coronapandemie Easyjet getroffen?
2020 zwang die Corona-Pandemie Easyjet zum Abbau von 4500 Stellen und zur Verkleinerung der Flotte.
Gab es schon früher Übernahmeversuche?
2021 wehrte Easyjet ein Übernahmeangebot des Rivalen Wizz Air ab und sammelte stattdessen 1,7 Milliarden Dollar von bestehenden Aktionären ein.
Wie begann der aktuelle Übernahmestreit?
Am 29. Mai wurde bekannt, dass der US-Investor Castlelake ein Angebot für Easyjet prüft. Easyjet bezeichnete das Timing als "sehr opportunistisch".
Wie verlief das Bieterrennen zwischen Castlelake und Apollo?
Castlelake bot im Juni öffentlich 6,25 Pfund pro Aktie, nachdem zwei private Angebote abgelehnt worden waren. Anfang Juli einigten sich beide Seiten grundsätzlich auf 6,90 Pfund pro Aktie – bis Apollo am 10. Juli mit einem höheren Gebot von 5,7 Milliarden Pfund einstieg.
Welche Rolle spielten die EU-Eigentumsregeln?
Am 22. Juli fiel die Easyjet-Aktie, nachdem "Reuters" über mögliche schärfere EU-Eigentumsregeln für Fluggesellschaften berichtet hatte. Das hätte die Übernahmegebote komplizieren können.
Wie endete der Übernahmestreit?
Am 6. August einigte sich Apollo auf eine Übernahme im Wert von 7,7 Milliarden Dollar. Castlelake hatte sich zuvor zurückgezogen, die Familie Haji-Ioannou unterstützt den Deal.
Reaktion an der Börse
Die Easyjet-Aktie schloss am Donnerstag 2,7 Prozent höher bei 670 Pence – und damit weiterhin unter dem Angebotspreis von Apollo. Seit dem Bekanntwerden des ersten Übernahmeinteresses ist der Kurs um mehr als 65 Prozent gestiegen. Das Angebot entspricht einem Aufschlag von rund 81 Prozent auf den Schlusskurs von 3,94 Pfund vom 28. Mai – dem letzten Handelstag vor dem öffentlichen Bekanntwerden des Interesses von Castlelake.
"Ich glaube, der Markt geht wahrscheinlich davon aus, dass es wegen der Frage der Eigentumskontrolle ein Ausführungsrisiko gibt", sagte Luftfahrtanalyst James Halstead. Er bezeichnete den aktuellen Easyjet-Kurs als "unfair", weil er zu niedrig sei.
Analysten zufolge könnte der Rückzug von der Börse Easyjet auch vor den Folgen des Irankriegs abschirmen. "Ein Rückzug von der Börse würde es Easyjet ermöglichen, sich weniger an die vierteljährliche Berichterstattung zu binden und weniger den Turbulenzen ausgesetzt zu sein, die der Branche drohen, wenn sich höhere Kerosinkosten stärker in den Ticketpreisen niederschlagen", sagte Andrea Giuricin, Chef der Verkehrsberatung TRA Consulting.
Auch Halstead sagte, ein Deal mit Apollo könne Easyjet bessere Finanzierungsmöglichkeiten und potenziell auch Leasingvereinbarungen verschaffen.