Der durchschnittliche Ticketpreis bei Flügen in und ab Deutschland hat sich zwischen 2010 und 2024 von knapp unter 150 Euro auf rund 300 Euro etwa verdoppelt. Das erklärten der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einem ersten gemeinsamen Bericht zur Lage der Branche. Zugleich weichen Passagiere im Langstreckenverkehr zunehmend auf Drehkreuze außerhalb der EU aus.
Grund für den Preisanstieg seien neben stark gestiegenen staatlichen Abgaben wie Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsabgaben und Flugsicherungsgebühren auch höhere Personal- und Betriebskosten, hieß es. Die Ticketpreise in Europa hätten im Schnitt von fast 250 Euro auf knapp 340 Euro zugelegt.
"Der Report zeigt eine schleichende Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr", sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. "Verbindungen fallen weg, Passagiere und Fracht weichen auf Drehkreuze außerhalb Europas aus." Für eine Exportnation sei das ein ernstes Standortproblem.
Zwischen Deutschland und Fernost sowie Südostasien stieg der Anteil der Verbindungen über Drehkreuze außerhalb der EU nach Angaben des Berichts von 34 Prozent im Jahr 2010 auf 54 Prozent im Jahr 2024. Im Jahr 2019 hatte er bei knapp 44 Prozent gelegen. Es handelt sich vor allem um Drehkreuze in der Türkei und in der Golfregion. Gleichzeitig fiel der Anteil der Umsteigeverbindungen über die deutschen Drehkreuze München und Frankfurt von 56 auf 36 Prozent.
Emissionshandel als Wettbewerbsnachteil
Ähnliche Entwicklungen zeigten sich im Luftverkehr nach Afrika. Auch diese Flüge landeten zunehmend an Drehkreuzen außerhalb Europas zwischen.
Als Grund führen die Autoren der Studie unter anderem das europäische Emissionshandelssystem an. Europäische Fluggesellschaften müssten für Zubringerflüge zu ihren heimischen Drehkreuzen Emissionszertifikate erwerben. Bei Zubringern zu außereuropäischen Drehkreuzen wie Dubai sei das nicht der Fall. Die europäischen Airlines hätten dadurch einen Wettbewerbsnachteil. Die deutsche Luftverkehrswirtschaft kritisiert seit Längerem, dass staatlich subventionierte Airlines aus der Türkei und den Golfstaaten deutliche Vorteile haben.
"Wir brauchen niedrigere Standortkosten und ein Level-Playing-Field bei Klimaschutzregeln, damit für alle Wettbewerber die gleichen Bedingungen gelten", sagte Lang.
Prognose und wirtschaftliche Bedeutung
Der Luftverkehr in Deutschland erholte sich nach der Corona-Krise der Studie zufolge deutlich langsamer als im globalen Vergleich. Bei den Verbindungen zwischen Deutschland und Europa werde der Stand von vor der Pandemie noch nicht wieder erreicht. Die weltweite Zahl der Flugreisenden steigt nach Prognosen des DLR bis 2034 auf 154 Prozent des Niveaus von 2019, auch dank größerer und effizienterer Flugzeuge.
Rund 536.900 Arbeitsplätze standen 2024 direkt oder indirekt mit der Luftfahrt in Zusammenhang, wie aus dem Report weiter hervorgeht. Luftverkehrswirtschaft und Luftfahrtindustrie schufen in Deutschland demnach eine Bruttowertschöpfung von 58,4 Milliarden Euro. Die Branche trug damit etwa 1,3 Prozent zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei.