Azul hat beim Lissaboner Zivilgericht eine Klage gegen Tap Air Portugal eingereicht. Gegenstand des Verfahrens ist ein Anleihendarlehen aus dem Jahr 2016 im ursprünglichen Nennwert von 90 Millionen Euro, das nach Angaben von Azul weder getilgt noch verzinst wurde. Einschließlich aufgelaufener Zinsen beziffert die brasilianische Airline die Forderung auf knapp 189 Millionen Euro (rund 220 Millionen US-Dollar). Dies berichtete die portugiesische Zeitung "Observador".
Die Anleihe war von Tap SGPS ausgegeben worden, der damaligen Muttergesellschaft von Tap. Tap SGPS ist inzwischen insolvent und unter dem Namen Siavilo firmiert. Die Anleihe erreichte im März ihre Fälligkeit, ohne dass eine Rückzahlung erfolgte.
Tap argumentiert seit Jahren vor Gericht, das Finanzinstrument sei als Gesellschafterdarlehen einzustufen – eine Klassifizierung, die Azuls Ansprüche faktisch beseitigen würde, da damit verbundene Sicherheiten entfielen. Azul widerspricht dieser Position und beharrt auf vollständiger Rückzahlung.
In einer Stellungnahme gegenüber dem Branchendienst "CH-Aviation" verwies Azul auf ein im Darlehensvertrag vereinbartes Sicherungsabkommen zu ihren Gunsten, das Tap nach vertraglichen Vorgaben hätte formalisieren müssen. Die Verbindlichkeit sei in der Bilanz des staatlichen Unternehmens ausgewiesen und sowohl in einer Tap-Hauptversammlung als auch von der portugiesischen Zivilluftfahrtbehörde bestätigt worden. Azul habe eine portugiesische Anwaltskanzlei beauftragt, die Durchsetzung der Sicherheiten oder die vertragsgemäße Begleichung der Schuld sicherzustellen.
Politische Dimension und Privatisierungsdruck
Der Rechtsstreit hat auch eine politische Dimension: Azul beruft sich auf ein Schreiben portugiesischer Regierungsvertreter aus dem Jahr 2020, in dem die Berechtigung der Rückzahlungsforderung bekräftigt worden sei.
Der frühere Infrastrukturminister Pedro Nuno Santos hatte hingegen jede staatliche Haftung zurückgewiesen, wie "Observador" berichtete. Eine Stellungnahme von Tap stand zunächst aus.
Azul hatte im Februar erklärt, die Forderung auch nach dem Abschluss seines Chapter-11-Insolvenzverfahrens in den USA weiterzuverfolgen. "Es ist allgemein bekannt, dass Tap Azul eine Menge Geld schuldet. Unsere Partner United Airlines, unser neuer Partner American Airlines – alle wissen, dass sie uns Geld schulden", sagte Azul-Chef John Rodgerson auf einer Pressekonferenz. Die Klage wurde kurz vor der geplanten Teilprivatisierung von Tap eingereicht; Azul fordert Rückzahlung vor dem Vollzug dieser Transaktion.