Der Münchner Triebwerkshersteller MTU legt am Donnerstag seine Zahlen zum dritten Quartal vor. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Umsatz von knapp 2,4 Milliarden Euro, rund elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der bereinigte operative Gewinn dürfte um vier Prozent auf 354 Millionen Euro gestiegen sein.
Die starke Nachfrage nach Turbinen, Ersatzteilen und Wartung hält den Dax-Konzern auf Wachstumskurs. Branchenexperten sehen MTU für das laufende Jahr auf Kurs. Vom Unternehmen selbst befragte Analysten rechnen im Schnitt sogar mit einem Umsatz von 9,76 Milliarden Euro und liegen damit oberhalb der Zielspanne des Vorstands. Beim bereinigten operativen Gewinn gehen sie mit 1,45 Milliarden Euro immerhin vom oberen Ende dessen aus, was die MTU-Spitze selbst in Aussicht gestellt hat.
Analystin Chloe Lemarie vom Investmenthaus Jefferies erwartet zwar keine Anhebung der Jahresprognose. Das obere Ende der Zielspannen sei aber wahrscheinlicher geworden, schrieb sie.
Mehr Umsatz, aber nicht unbedingt mehr Gewinn
Für das laufende Jahr hat sich der Vorstand zwar mehr Umsatz, aber nicht unbedingt mehr Gewinn vorgenommen. So soll der bereinigte Erlös um eine halbe bis eine Milliarde Euro wachsen und damit 9,2 bis 9,7 Milliarden Euro erreichen. Der bereinigte operative Gewinn soll auf bis zu 1,45 Milliarden Euro zulegen, könnte mit 1,35 Milliarden Euro aber auch stagnieren. Nach dem ersten Halbjahr hatten Vorstandschef Johannes Bussmann und Finanzchefin Katja Garcia Vila den Hersteller auf gutem Weg zu seinen Jahreszielen gesehen.
Dass die Marge sinken dürfte, hatte Garcia Vila unter anderem mit dem schwachen US-Dollar und einem sinkenden Anteil von Ersatztriebwerken erklärt. Triebwerkshersteller wie MTU verkaufen Antriebe für neue Flugzeuge in der Regel mit Verlust. Die Gewinne fahren sie vor allem mit Ersatzteilen, Ersatztriebwerken und der Wartung ein.
Etwas optimistischer war der Vorstand im Sommer mit Blick auf den freien Barmittelzufluss geworden. Dieser soll nun 50 bis 60 Prozent des bereinigten Nettogewinns erreichen. Bis dahin hatte sich der Vorstand 45 bis 55 Prozent vorgenommen.
Ärger um den Getriebefan
Ärger gab es im laufenden Jahr weiter um den Antrieb für die A320-Neo-Familie, die meistgefragte Modellfamilie von Airbus. Airbus-Chef Guillaume Faury hatte dem Triebwerksbündnis von "Pratt & Whitney", MTU und Japanese Aero Engines mehrfach vorgeworfen, zu wenige neue Antriebe zu liefern.
Für MTU ist der Getriebefan das wichtigste Produkt. Es ist auch das einzige Flugzeugtriebwerk, für das die Münchner eine eigene Endmontagelinie betreiben. Ansonsten ist MTU nur als Partner und Zulieferer tätig, etwa für die Antriebe von GE Aerospace für die Großraumjets vom Typ Boeing 787 "Dreamliner", aber auch für die modernisierte Boeing 777X, deren erste Auslieferung immer noch aussteht.
Für 2030 hat die MTU-Führung einen Umsatz von 13 bis 14 Milliarden Euro im Blick. Davon sollen dann 14,5 bis 15,5 Prozent als bereinigter operativer Gewinn übrig bleiben. 2025 lag die Marge mit 15,5 Prozent sogar am oberen Ende dieser Spanne.
