Der weltgrößte Flugzeughersteller Airbus legt am Mittwoch kurz nach Börsenschluss seine Zahlen zum dritten Quartal vor. Trotz Engpässen bei Zulieferern will Airbus-Chef Guillaume Faury im laufenden Jahr mehr Jets ausliefern als im bisherigen Rekordjahr 2019.
Analysten sehen den Dax-Konzern bei seinen Jahreszielen auf Kurs. Von Bloomberg erfasste Branchenexperten rechnen im Schnitt mit 867 ausgelieferten Passagier- und Frachtjets. Das wäre etwas weniger als Faurys Zielmarke von 870 Verkehrsflugzeugen. Beim bereinigten operativen Gewinn erwarten die Analysten dagegen im Schnitt 7,7 Milliarden Euro. Das wäre mehr als das Rekordergebnis von rund 7,5 Milliarden Euro, das Faury anpeilt.
Im dritten Quartal dürfte Airbus trotz eines leichten Umsatzanstiegs zumindest im Tagesgeschäft weniger verdient haben. Von dem Unternehmen selbst befragte Analysten rechnen im Schnitt mit einem Umsatzplus um ein halbes Prozent auf 17,9 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn dürfte im Jahresvergleich um acht Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro gesunken sein.
Unter dem Strich erwarten Experten hingegen einen Gewinnanstieg um 16 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Hier wirkt sich bei Airbus oft die Umrechnung zwischen US-Dollar und Euro stark positiv oder negativ aus. Der Hersteller verbucht die Einnahmen und Ausgaben pro Flugzeug zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Beim bereinigten operativen Gewinn werden diese Effekte herausgerechnet.
Auslieferungsziel hängt an den Triebwerksherstellern
Das Ziel von 870 Verkehrsflugzeugen hängt nach wie vor davon ab, dass Zulieferer wie die wichtigen Triebwerkshersteller rechtzeitig genügend Teile liefern. Je nachdem könnte es auf eine Zahl zwischen 850 und 890 Jets hinauslaufen, hatte Faury im Sommer erklärt. Im Jahr vor der Corona-Krise hatte der Hersteller 863 Jets an seine Kunden übergeben und diesen Rekord seither nicht einmal annähernd wieder erreicht.
In den ersten neun Monaten lieferte Airbus 547 Maschinen an seine Kunden aus und damit erst rund 63 Prozent des Jahresziels. Ein Großteil der Auslieferungen findet bei Airbus typischerweise erst im November und Dezember statt. Der neue Spartenchef Lars Wagner will die Auslieferungen gleichmäßiger über das Jahr verteilen. Am Ende soll Airbus praktisch jeden Tag vier Flugzeuge ausliefern.
Faury war im laufenden Jahr gleich mehrfach den zum RTX-Konzern gehörenden Triebwerkshersteller "Pratt & Whitney" öffentlich angegangen, weil dieser den Produktionsausbau bei Airbus bremse.
Mittelfristziel und mögliche A350-Verlängerung
Die Konzernspitze hatte zudem Mittelfristziele für das Jahr 2029 veröffentlicht. Das bereinigte Ebit soll bis dahin von zuletzt 7,1 Milliarden auf zwölf bis 13 Milliarden Euro steigen.
Wagner sieht außerdem größere Chancen für Airbus bei Großraumjets für die Langstrecke. Diesen Markt dominiert bisher der US-Konkurrent Boeing. Zudem prüft Airbus die Entwicklung einer verlängerten Version der A350, die noch länger wäre als die derzeit größte Variante A350-1000. "Es gibt aber noch keine Entscheidung über den Stretch", hatte Finanzchef Thomas Toepfer im Sommer klargestellt.
