Airbus und Boeing chartern Antonow für eilige Teilelieferungen, © Flughafen Rostock
In dieser Woche ist eine Antonow 124 am Flughafen Rostock-Laage gelandet. Sie brachte ein Ersatzteil für eine Windkraftanlage. Die AN-124 ist laut Airport das größte Frachtflugzeug, das bisher in Rostock-Laage gelandet ist. © Flughafen Rostock
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Airbus und Boeing haben in den vergangenen Wochen eines der größten Frachtflugzeuge der Welt gechartert, um Lieferungen von Flugzeugstrukturteilen für zivile und militärische Modelle zu beschleunigen. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Lieferketten der Luft- und Raumfahrtindustrie weiterhin angespannt sind.

Die Antonow An-124, ein viermotoriges Transportflugzeug, wurde gechartert, um Teile für die A350 sowie für die Boeing-767-Zelle, die für Frachter oder Tankflugzeuge genutzt wird, einzufliegen. Das berichteten drei Branchenquellen und zwei Unterlagen bei Aufsichtsbehörden. Bereits Anfang des Jahres hatte ein ähnlicher Flug Teile für den 777-Frachter transportiert.

Ein Boeing-Sprecher erklärte, das Unternehmen nutze "verschiedene Transportmethoden, um Stabilität in unserer Produktion zu gewährleisten", ohne sich direkt zur Antonow zu äußern. Ein Airbus-Sprecher sagte, man nutze "gelegentlich die Antonow", ohne mitzuteilen, ob dies auch den Airbus A350 betreffe.

Der jüngste Einsatz der An-124 verdeutlicht den Druck auf die Flugzeughersteller, die Fertigungslinien am Laufen zu halten und punktuelle Verzögerungen zu beheben, die eine umfassende Erholung der Produktionspläne gefährden könnten.

Die Flugzeughersteller setzen für den Transport großer Bauteile zwischen den Fertigungsstandorten auf dedizierte Seefracht, Lkw-Netzwerke und Flotten umgebauter Frachtjets. Ein Wechsel des Transportmittels erhöht die Kosten und deutet darauf hin, dass Pufferbestände knapp sind.

Analysten zufolge haben sich die Lieferketten der Luftfahrtindustrie seit der Corona-Pandemie verbessert, die Gesamtauslieferungen seien in diesem Jahr gestiegen. Dennoch gebe es weiterhin Bedenken hinsichtlich der Stabilität der Zulieferindustrie für Strukturteile sowie anderer Komponenten wie Sitze.

Riesenflugzeug beschleunigt Teilelieferungen

Zwei Branchenquellen zufolge spiegelt die Entscheidung von Airbus, A350-Teile per Flugzeug statt per Schiff zu transportieren, eine gewisse Verschlechterung der Lage in einem ehemaligen Werk von Spirit Aerosystems in Kinston im US-Bundesstaat North Carolina wider. Airbus hatte das Werk im vergangenen Dezember im Zuge der gemeinsamen Aufspaltung des Zulieferers mit Konkurrent Boeing übernommen.

Damals seien die Teile per Schiff transportiert worden, und es habe einen Pufferbestand von vier Teilesätzen gegeben, sagte eine der Quellen. Inzwischen sei Luftfracht nötig, um neue Verzögerungen zu vermeiden, ergänzte die Quelle.

Reuters hatte bereits im Mai berichtet, dass Airbus einige Kunden über neue Verzögerungen bei A350-Auslieferungen im späteren Verlauf des Jahrzehnts informiert habe – unter anderem wegen Problemen, Sektionen aus der Fabrik zu beschaffen.

"Was Kinston betrifft, kommen wir bei der Trennung vom vorherigen Eigentümer und der Integration in die Airbus-Strukturen voran. Es bleibt jedoch ein komplexer, mehrjähriger Prozess", sagte der Airbus-Sprecher.

Airbus erklärte in einem Analysten-Briefing vor der Ergebnisvorlage, die Annahmen zur Belastung der Gewinne 2026 durch die Übernahme der Spirit-Werke hätten sich nicht verändert.

Laut US-Unterlagen charterte Boeing dieselbe Antonow Ende Juni, um zwei obere Rumpfsektionen von einem Werk des Zulieferers Daher Aerospace in Florida zu transportieren, die normalerweise auf dem Landweg zum Boeing-Werk in Everett bei Seattle gebracht werden.

Die Teile seien "dringend für die Produktion der 767 erforderlich" gewesen, schrieb Boeing in einem an das US-Verkehrsministerium gerichteten Brief vom 22. Juni, der Reuters vorlag. Darin beantragte Boeing die Genehmigung, die An-124 zwischen US-Städten einzusetzen.

"Diese Verzögerungen hätten erhebliche wirtschaftliche Kosten verursacht, wenn sie nicht vermieden worden wären", hieß es in dem Schreiben weiter.

Am 1. Juli schrieb Boeing einen weiteren Brief zur Unterstützung einer Ausnahmegenehmigung für die Antonow, um ein ähnliches Bauteil von Daher zu transportieren.

Die Boeing 767 wird als Passagierflugzeug nicht mehr gebaut, dient aber als Basis für US-Tankflugzeuge und befindet sich zudem in der finalen Produktionsphase als Frachtversion.

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