Boeing hat am Montag die Übernahme des Zulieferers Spirit Aerosystems für 4,7 Milliarden Dollar (rund vier Milliarden Euro) abgeschlossen. Der US-Flugzeugbauer erwirbt damit den Großteil des weltgrößten unabhängigen Herstellers von Tragflächen und Rumpfsegmenten zurück.
Die Transaktion umfasst laut Boeing-Angaben Rumpfsegmente für das 737-Programm sowie wichtige Strukturen für die Modelle 767, 777 und 787 Dreamliner. Ebenfalls enthalten sind kommerziell beschaffte Rumpfsegmente für die P-8 und KC-46.
Spirit Defense wird als unabhängiger Zulieferer für die Verteidigungsindustrie fortgeführt. Die Sparte agiert als nicht-integrierte Tochtergesellschaft von Boeing Defense, Space & Security.
Teile der Spirit-Aktivitäten in Belfast (Nordirland) wurden von Boeing übernommen. Der Standort Belfast wird als unabhängige Tochtergesellschaft betrieben.
Die kommerziellen und Aftermarket-Aktivitäten von Spirit in Wichita (Kansas), Dallas (Texas) und Tulsa (Oklahoma) sowie Spirits Aerospace Innovation Center in Prestwick (Schottland) werden in Boeing integriert. Rund 15.000 Mitarbeiter an den fünf Standorten werden Teil von Boeing.
Airbus übernimmt mehrere Standorte
Der europäische Konkurrent Airbus übernahm eigenen Angaben zufolge Teile von Spirit in seiner Lieferkette. Die Aktivitäten des Zulieferers in Subang in Malaysia wurden im Rahmen der Aufspaltung an Composites Technology Research Malaysia abgegeben. Eine Tochtergesellschaft, Fiber Materials, war bereits früher in diesem Jahr an Tex-Tech Industries verkauft worden.
Zu den von Airbus erworbenen Standorten zählen die Werke in Kinston (North Carolina) und Saint-Nazaire in Frankreich, bei beide A350-Rumpfsegmente fertigen. Außerdem gehören noch das Werke in Casablanca (Marokko), das A321- und A220-Komponenten herstellt sowie die Produktion von A220-Tragflächen und A220-Mittelrümpfen in Belfast (Nordirland) dazu.
Zudem übernahm Airbus die Produktion von Tragflächenkomponenten für A320 und A350 in Prestwick (Schottland) sowie die Produktion von A220-Pylonen, die von Wichita in Kansas zum Standort Saint-Eloi in Toulouse in Frankreich verlagert wird.
Airbus erhält eine Kompensation von 439 Millionen Dollar mit üblichen Kaufpreisanpassungen. Zudem erhält Airbus bestimmte Beträge zum Ausgleich von Verbindlichkeiten. Mehr als 4000 ehemalige Spirit-Mitarbeiter werden Teil von Airbus.
Regulatorische Freigaben
Anfang Dezember hatte die US-Wettbewerbsbehörde FTC erklärt, die Transaktion könne vorangehen, solange Boeing die zuvor in diesem Jahr mit Airbus und Composites Technology Research Malaysia ausgehandelten Veräußerungen durchführe. Zudem müsse Spirit Zulieferer für Boeings Wettbewerber bei künftigen militärischen Flugzeugprogrammen bleiben.
Ohne diese Bedingungen befürchtete die FTC, dass Boeings Übernahme von Spirit dem Unternehmen unfairen Einfluss auf den Wettbewerb verschaffen würde.
Im Oktober hatte Boeing die kartellrechtliche Genehmigung der EU erhalten, nachdem das Unternehmen zugestimmt hatte, einige Spirit-Geschäfte zu verkaufen, um Wettbewerbsbedenken auszuräumen.
Die im Juli vergangenen Jahres angekündigte Transaktion hat insgesamt einen Wert von 8,3 Milliarden Dollar. Sie stellt eine bedeutende Neuausrichtung der Zulieferkette in der kommerziellen Luftfahrt dar und gibt Airbus und Boeing direkte Kontrolle über Problemteile ihrer Lieferketten.
In den vergangenen Jahren hatten beide Flugzeugbauer das finanziell angeschlagene Unternehmen gestützt. Spirit wurde als eine Quelle für Verzögerungen bei mehreren Flugzeugprogrammen genannt, darunter Boeings 737 Max und die Airbus-Modelle A350 und A220. Die Reduzierung von Qualitätsproblemen bei Rumpfsegmenten war ein Schwerpunkt für Boeing bei den Bemühungen, die Produktion der 737 zu stabilisieren.
Spirit war 2005 entstanden, als Boeing seine Werke in Oklahoma und Kansas an die Investmentfirma Onex verkaufte. Spirit fertigt 737-Rümpfe in Wichita, die per Bahn zum Boeing-Werk in Renton im US-Bundesstaat Washington transportiert werden.